Sauberes San Francisco Reklame mit Keks-Duft künftig verboten

Eigentlich wollte die US-Milchwirtschaft mit ihren neuen, nach Keksen duftenden Werbeplakaten Appetit machen - stattdessen weckte der durchdringende Geruch bei vielen Passanten Angst vor Allergien und Hautausschlag. Der Aufruhr war so groß, dass die Verkehrsbehörde die Poster verbot.


San Francisco - Amy Marsh sparte nicht mit großen Worten: "Das sind großartige Nachrichten für die Gemeinschaft der aufgrund von Umweltverschmutzung Erkrankten, und für Eltern und Kinder, die unter Asthma und anderen Atemwegserkrankungen leiden, die durch chemische Reizstoffe ausgelöst werden", erklärte die Ex-Präsidentin des Environmental Health Network of California in einer E-Mail an die örtliche Verkehrsbehörde. "Sie haben San Francisco einen Schritt näher an eine grünere, gesundere und umweltverträglichere Gegenwart und Zukunft gebracht", erklärte die Umweltschützerin. "Und Sie haben ein echtes Menschenrecht auf klare Luft im öffentlichen Raum anerkannt."

Grund für die überschwängliche Freude war die Entscheidung der Verkehrsbehörde, nach frischgebackenen Keksen duftende Werbeplakate an den örtlichen Busbahnhöfen zu verbieten. Denn die hatten ihr eigentliches Ziel vollkommen verfehlt. Eigentlich sollte der Geruch den Gestank der Abgase vertreiben und den Passanten Lust auf Milch machen. Auf den Werbebannern, die die Molkereiwirtschaft aufgehängt hatte, waren passend berühmte Persönlichkeiten mit dicken Milchbärten zu sehen. Doch die Duftattacke führte bei vielen Fahrgästen zu heller Empörung: Sie fürchteten, ihre Gesundheit könne durch die bizarren Duftstoffe gefährdet werden.

Noch bevor die Poster überhaupt hingen, fingen Anwälte von geruchsempfindlichen Bürgern nach einer Ankündigung im "San Francisco Chronicle" an, sich bei der Stadt über die geplante Duftattacke zu beschweren. In dem Versuch, die "Got Milk"-Kampagne zu retten, beteuerten die Milchproduzenten vergebens, die Geruchsstoffe seien völlig harmlos. Weil sich die Beschwerden nach dem Aufhängen der Plakate massiv häuften, gab die Verkehrsbehörde San Franciscos dem öffentlichen Druck schließlich nach - nach nur einem Tag.

ase/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.