Schadensersatz HRE-Aktionäre wollen 200 Millionen Euro vom Bund

Die Rettung der Hypo Real Estate könnte für die Regierung noch teurer werden: Laut einem Pressebericht werfen Aktionäre dem Ex-Management vor, Risiken verschwiegen zu haben. Sie fordern Schadensersatz in Millionenhöhe - das Geld müsste wohl der Bund aufbringen.

München - Ein Untersuchungsausschuss beleuchtet derzeit die dramatische Rettungsaktion der Hypo Real Estate (HRE)   durch den Bund. Jetzt droht der Regierung neben den unangenehmen Fragen der Opposition neuer Ärger: Zahlreiche Aktionäre der HRE wollen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" in einem Musterprozess mindestens 200 Millionen Euro Schadensersatz einklagen.

Krisenbank Hypo Real Estate: 200 Millionen Schadensersatz gefordert

Krisenbank Hypo Real Estate: 200 Millionen Schadensersatz gefordert

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Der frühere Vorstand soll demnach Risiken verschwiegen haben, berichtet die Zeitung. Hinter der Massenklage stehen den Angaben zufolge Fonds mit Tausenden Anlegern. Da die HRE verstaatlicht wurde, müsste am Ende der Bund zahlen.

Am Donnerstag kommender Woche wird laut "SZ" beim Landgericht München I ein Schadensersatzantrag gegen die HRE verhandelt, der weit über bisherige Forderungen anderer Aktionäre im Umfang von einigen Millionen Euro hinausgeht. Die neue Klage könne die Steuerzahler zusätzliches Geld kosten, nachdem der Bund das Immobilien- und Pfandbriefinstitut vor der Pleite gerettet hat, um eine Bankenkrise in Deutschland zu verhindern, hieß es weiter.

Der Jurist Christian Wefers aus Nordrhein-Westfalen verlangt demnach für mehrere Kapitalanlagefonds aus Deutschland und anderen Ländern, die HRE-Aktien besitzen, nach eigenen Angaben in einem ersten Schritt mehr als 200 Millionen Euro Schadensersatz. Eine Aufstockung der Klage um mehrere hundert Millionen Euro sei absehbar, berichtet die Zeitung.

Wefers tritt laut "SZ" bei Gericht als Kläger auf, vertreten wird er von dem Tübinger Anleger-Anwalt Andreas Tilp, der bereits andere Musterverfahren führt, darunter auch einen Prozess in Frankfurt gegen die Deutsche Telekom  . Dort klagen 17.000 Aktionäre auf Schadensersatz. "Der Fall HRE ist mindestens genauso bedeutsam", glaubt Tilp.

Er und Wefers werfen der HRE vor, die Aktionäre systematisch über den wahren Zustand des Instituts getäuscht zu haben. Hätten die Anleger die prekäre Lage der HRE gekannt, hätten sie keine Aktien gekauft und keinen Schaden erlitten, sagte Tilp. "Wir gehen von fortlaufenden Verstößen von Juli 2007 bis Oktober 2008 aus." Damals war noch der alte HRE-Vorstand um Ex-Bankchef Georg Funke im Amt, gegen den die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt.

beb/AFP
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