Schein-Kunden Postbank verwaltet Konten von Toten

Die Postbank sieht sich gerne als Deutschlands Finanzinstitut mit den meisten Kunden - offiziell haben hier fast 15 Millionen Menschen ein Konto. Dabei sind darunter nach SPIEGEL-Informationen viele Tote.


Hamburg - Viele Postbank-Kunden haben offenbar vergessen, dass sie ein Konto bei dem Institut haben. Oder sie sind längst tot, und ihre Erben wissen von nichts. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Postbank Chart zeigen deshalb vergangenen Dezember alle Kunden angeschrieben, die ihre Konten seit mindestens drei Jahren nicht mehr bewegt haben und über einen Kontostand von unter 60 Euro verfügen.

Post-Tower in Bonn: Ein Millionenschatz, von dem keiner weiß?
DPA

Post-Tower in Bonn: Ein Millionenschatz, von dem keiner weiß?

Man wolle mit ihnen "gern intensiver zusammenarbeiten", hieß es im Brief der Kundenbetreuung, die gleichzeitig darauf hinwies, dass man bei Sparkonten mit geringem Guthaben, die mehrere Jahre unbewegt sind, "ein Entgelt erheben" müsse.

Nicht selten landeten diese Schreiben auch bei staunenden Familienmitgliedern von Kunden, die schon seit Jahrzehnten verstorben sind. Hübschte die Postbank also ihre Kundenzahl jahrelang mit Toten auf? Horten die Banker von Post-Chef Klaus Zumwinkel seit Jahren heimlich einen Millionenschatz, von dem keiner mehr weiß? Und auf wie vielen unbewegten Konten liegen mehr als 60 Euro?

"Bei rund 15 Millionen Kunden sind natürlich auch viele Schläfer-Kunden dabei", bestätigt ein Postbank-Sprecher. Zu den genauen Zahlen wolle man sich aber erst äußern, wenn man die Antworten auf die Schreiben ausgewertet habe. "Dass dabei auch Verstorbene angeschrieben wurden, war nicht zu vermeiden", heißt es in der Bonner Zentrale, "wenn uns von den Erben die Sterbeurkunde nicht zugeschickt wird, führen wir die Konten ganz normal weiter."



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.