Schering Merck torpediert Übernahme durch Bayer

Nach der verlorenen Schlacht um Schering erweist sich der Pharmakonzern Merck als schlechter Verlierer. Mit Aktienkäufen in großem Stil versuchen die Darmstädter, den Bayer-Konzern an einer Übernahme zu hindern.


Frankfurt am Main - In einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC gab die Merck KGaA in der vergangenen Nacht bekannt, dass sie nun über 10,1 Prozent der Schering-Aktien verfüge. Gestern hatte Merck den Angaben zufolge weitere 4,5 Millionen Schering-Papiere zum Durchschnittspreis von 85,77 Euro gekauft.

Schering-Zentrale in Berlin: Abfindung der Minderheitsaktionäre könnte 100 Euro pro Aktie kosten
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Merck war im Poker um Schering gegen Bayer unterlegen, weil die Leverkusener mit 86 Euro je Aktie deutlich mehr geboten und sich mit dem Schering-Vorstand auf die größte Übernahme ihrer Firmengeschichte geeinigt hatten. Bis zum gestrigen Donnerstag sind Bayer allerdings erst 40,19 Prozent der Schering-Anteile angedient worden, wie aus einer Finanzanzeige hervorgeht. Bis kommenden Mittwoch wollen die Leverkusener auf 75 Prozent kommen, damit die Übernahme zu Stande kommt.

Durch die Aktienkäufe des Konkurrenten Merck, wird die Sache allerdings nicht einfacher.

Bayer selbst hatte eine Übernahme an die Bedingung geknüpft, mindestens 75 Prozent der Schering-Aktien zu kaufen. Sollte Bayer dieses Ziel verfehlen, müsste der Konzern nach den Regeln des deutschen Übernahmegesetzes für ein Jahr auf eine neue Offerte verzichten. In diesem Fall könnte Merck einen neuen Anlauf starten.

Zwar dienen Institutionelle Anleger ihre Papiere bei Übernahmeangeboten in der Regel erst in den letzten Tagen an. Doch Bayer-Finanzvorstand Klaus Kühn rechnet nicht damit, dass Merck seine Aktien dem Bayer-Konzern zum Kauf anbietet, wie er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte.

Trotzdem halten es vom "Handelsblatt" befragte Branchenexperten für möglich, dass des Merck um nichts anderes geht, als schlussendlich noch einmal richtig Kasse zu machen. Ein hohe Quote der Minderheitsbeteiligung, so ihre Einschätzung, könnte den Preis für eine Schering-Aktie auf mehr als 100 Euro hochtreiben. Im März hatte Merck lediglich 77 Euro geboten und war nicht bereit, diese Offerte weiter aufzustocken.

Für Bayer würde die Übernahme damit erheblich teurer. Der Aufpreis könnte je nach Umfang Minderheitsbeteiligungen mehrere Hundert Millionen Euro betragen. Bisher kalkuliert Bayer mit Gesamtkosten von 16,5 Milliarden Euro für das Geschäft.

mik/Reuters



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