Schiff des Oracle-Chefs "Es wurde länger und länger und länger"

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4. Teil: Larry Ellison und die Macht


"Larry, was bedeutet für Sie Macht?" - "Ich glaube nicht, dass ich wirklich Macht habe. Ich habe das Glück, viele interessante Menschen zu treffen. Wie kürzlich Bill Clinton. Man kann ihn lieben oder hassen, aber er ist einer der faszinierendsten Menschen, die es gibt. Und ich kann dank meiner Position diese Boote segeln, was sonst nicht möglich wäre."

Geschäftliche Rivalität nimmt Ellison persönlich. Legendär ist seine Auseinandersetzung mit Hasso Plattner. Zum einen ist das von jenem gegründete Softwarehaus SAP Oracles Erzkonkurrent im Bereich Unternehmenssoftware. Zum anderen ist Plattner wie Ellison begeisterter Segler. Vor einigen Jahren traten sie vor der Küste Kaliforniens gegeneinander an. Fünfmal hintereinander gewann Ellison am Steuer der "Sayonara" gegen Plattners "Morning Glory". Am letzten Regattatag war der Vorsprung so groß, dass Ellisons Männer sich nicht mehr anstrengten. Stattdessen prosteten sie Plattners Boot mit Champagner zu, als es an ihnen vorbeisegelte.

Der damalige SAP-Chef war darüber so erbost, dass er die Hose herunterließ und ihnen den nackten Hintern entgegenstreckte. (Plattners Darstellung, die Ellison entschieden bestreitet, lautet: Der Oracle-Chef sei ihm nach einem Mastbruch nicht zu Hilfe gekommen und habe ihn so zur Entblößung seines Hinterns provoziert.) "Meine Seeleute haben sich zu Tode erschreckt!", erzählt Ellison und lacht lauthals. "Bevor Hasso seine Hose das nächste Mal herunterlässt, sollte er ein Fitnesscenter besuchen!"

Inzwischen hat er Plattner abgehängt, im Geschäftlichen wie im Seglerischen. Denn im Februar konnte sich Ellison endlich seinen Traum erfüllen: den Gewinn des America's Cup, der höchsten Auszeichnung im Segelsport. Fünffacher Segelweltmeister mit der "Sayonara" zu sein hat ihm nicht gereicht. Also versuchte er sich 2003 ein erstes Mal an der 152-jährigen Silbertrophäe, doch sein Team schied früh aus. 2007 segelte er sogar selbst mit als Afterguard, als Teil der Kommandozentrale des Bootes, manchmal auch als Steuermann, wiederum erfolglos. Nun hat es endlich geklappt. Ellison gewann den 33. America's Cup mit den gleichen Mitteln, die er im Geschäftsleben anwendet: den Gegner durch juristische Gefechte zermürben; den Wettkampf auf die persönliche Ebene verlagern; neueste Technologie verwenden; viel Geld investieren.

Ellison gibt nie auf

Dem Triumph vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem America's-Cup-Sieger 2007, dem Schweizer Ernesto Bertarelli, über Austragungsort und -modalitäten. Ein New Yorker Gericht entschied schließlich zugunsten Ellisons; die Regatta wurde weitgehend nach seinen Vorstellungen durchgeführt.

Titelverteidiger Bertarelli, ein Milliardenerbe aus der Biotechbranche, diskret, öffentlichkeitsscheu und mit geschliffenen Umgangsformen, war der erklärte neue Erzfeind. "Ich mag ihn nicht", sagte Ellison offen in einem Interview. "Wenn er sich einen Feind schafft, kann er ihn bezwingen", beschreibt Ellison-Biograf Mike Wilson dieses Verhaltensmuster. Dazu warb Ellison Bertarellis wichtigsten Mann ab, den Skipper Russell Coutts.

Es zahlte sich aus. Das Team BMW Oracle Racing machte kurzen Prozess mit der "Alinghi". Zwei Rennen, beide mit großem Vorsprung gewonnen, reichten für die Entscheidung. Die Kosten für die Entwicklung der "USA-17" und das Team sollen 400 Millionen Dollar betragen haben. Aber auch das zeichnet Ellison aus: Er gibt nicht auf. Als sich etwa Konkurrent Peoplesoft 2003 gegen eine feindliche Übernahme durch Oracle wehrte, belagerte Ellison die Firma 18 Monate und zog alle juristischen und verhandlungstaktischen Register. Letztendlich bekam Ellison seinen Willen. Wie auch im America's Cup. Wie fast immer.

"Mein Job ist eine Herausforderung"

Langsam senkt sich die Sonne über dem Mittelmeer. Ellison gibt Order, die "Rising Sun" wieder Richtung Hafen zu steuern. Die vier Dieselmotoren mit zusammen 48.000 PS beschleunigen das Schiff nahezu geräuschlos auf 30 Knoten. Einmal volltanken kostet rund eine Million Dollar. Und das Schiff ist ständig unterwegs. Ruhelos ist auch Ellison. Seit er die Firma 1977 gründete, steht er an der Spitze von Oracle. Auch mit 66 Jahren macht er keinerlei Anstalten zurückzutreten.

"Larry, was motiviert Sie noch?" - "Interessante Frage. Wir hatten die Jahre des starken Wachstums, als wir noch klein waren. Dann kamen die Internetblase und der Crash, dann die Konsolidierungsphase. Mein Job ändert sich konstant, er ist immer eine Herausforderung. Und es hängt davon ab, wie man sein Leben führen will. Ich muss etwas tun. Ich kann nicht die ganze Zeit nur segeln. Ich würde mich zu Tode langweilen!"

Dennoch lässt er sich angeblich gerade wieder ein neues Schiff bauen, wieder in Deutschland. Und Larry Ellison wäre nicht Larry Ellison, wenn er damit nicht einmal mehr alles Bestehende übertreffen würde.


Dieser Text stammt aus "mare" No. 81, August 2010.



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
cellodreams, 22.08.2010
1. 138 Meter lang - wie ein Lastwagen
Zitat von sysopDie "Rising Sun" misst 138 Meter, hat 270 Millionen Dollar gekostet und ist die Visitenkarte ihres Besitzers: Software-Milliardär Larry Ellison. Wer den Manager verstehen will, muss ihn an Bord seiner Megayacht besuchen - "mare"-Autor Marc Kowalsky hat es getan. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,712468,00.html
Ja was denn nun? Ist die Yacht 138 Meter lang oder so lang wie ein Lastwagen?
cellodreams, 22.08.2010
2. 138 Meter lang - wie ein Lastwagen
Zitat: "Die Rising Sun misst 138 Meter, [...] Die Yacht ist so lang wie ein Lastwagen [...]" Ja was den nun? Ist sie so 138 Meter lang oder so lang wie ein Lastwagen?
dngt 22.08.2010
3. 138 Meter != ein Lastwagen
Wenn schon unpassende Größenvergleiche gewählt werden, sollten sie doch zumindest halbwegs passen....
MadMad 22.08.2010
4. ..
Zitat von sysopDie "Rising Sun" misst 138 Meter, hat 270 Millionen Dollar gekostet und ist die Visitenkarte ihres Besitzers: Software-Milliardär Larry Ellison. Wer den Manager verstehen will, muss ihn an Bord seiner Megayacht besuchen - "mare"-Autor Marc Kowalsky hat es getan. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,712468,00.html
Wenn man nicht weiss, wo man mit seiner Kohle hin soll, dann kommt so etwas bei raus. Andererseits stärkt es die Werften, die solche Yachten bauen. So gesehen ist er doch ein guter Mensch, oder ? Aber in Griechenland hat er nicht bauen lassen, könnte ich mir vorstellen, das machen ja nicht mal mehr die Griechen.
0xd00faffe 22.08.2010
5. Lastwagen
Zitat von cellodreamsZitat: "Die Rising Sun misst 138 Meter, [...] Die Yacht ist so lang wie ein Lastwagen [...]" Ja was den nun? Ist sie so 138 Meter lang oder so lang wie ein Lastwagen?
Der Artikel beginnt ja auch so: Die Yacht bietet Platz für 50 Personen, mit 39 Knoten kann sie das Wasser durchpflügen, die beiden Motoren leisten jeweils 2450 PS. und ziemlich am Ende steht: Die vier Dieselmotoren mit zusammen 48.000 PS beschleunigen das Schiff nahezu geräuschlos auf 30 Knoten. Wahrscheinlich hat LEs Yacht aber einfach vier Diesel- und zwei normale Motoren und er besitzt auch noch einen 140m langen Lastwagen ...
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