Schlammlawinenunglück in Brasilien Konzern Vale rechnet mit milliardenschweren Reparationszahlungen

270 Menschen starben 2019 in der Schlammlawine von Brumadinho. Der Minenkonzern Vale stellt Geld für Reparationszahlungen bereit. Muss auch der womöglich mitverantwortliche TÜV Süd Schadensersatz leisten?
Fotos der Opfer von Brumadinho (Archivbild): Fast drei Jahre nach dem Dammbruch sind einige Leichen noch immer nicht geborgen worden

Fotos der Opfer von Brumadinho (Archivbild): Fast drei Jahre nach dem Dammbruch sind einige Leichen noch immer nicht geborgen worden

Foto: CRISTIANE MATTOS / REUTERS

Der brasilianische Bergbaukonzern Vale rechnet im Jahr 2022 mit Reparationszahlungen in Höhe von 9 Milliarden Reais (1,65 Milliarden Dollar) im Zusammenhang mit dem Dammbruch in Brumadinho.

Das sagte Marcelo Klein, der Direktor für Wiederherstellung und Entwicklung, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Dieser Betrag beinhalte nicht die Summe, die das Unternehmen für individuelle Entschädigungen ausgeben wird. Über diese wird noch verhandelt.

Im Januar 2019 hatte sich nach einem Dammbruch eine giftige Schlammlawine aus dem aufgeweichten Damm einer Eisenerz-Mine von Vale über die Stadt Brumadinho ergossen. Bei dem Unglück kamen 270 Menschen ums Leben, Wälder, Flüsse und Gemeinden in der Umgebung wurden verwüstet.

TÜV Süd in München vor Gericht

Eine der höchsten Prioritäten des Unternehmens sei in diesem Jahr, die Leichen der letzten Opfer des Dammbruchs zu finden. »Wir müssen daran arbeiten das erschütterte Vertrauensverhältnis wieder aufzubauen«, sagte Marcelo Klein in einem Videointerview.

Daher werde Vale nicht nur Entschädigungen leisten, sondern sich auch an der Entwicklung der Regionen beteiligen, in denen der Konzern tätig sei.

Seit 2019 habe das Unternehmen rund 18 Milliarden Reais (3,3 Milliarden Dollar) Reparationen und Entschädigungen für soziale und ökologische Schäden gezahlt. Darüber hinaus hätten fast 12.000 Menschen individuelle Entschädigungszahlungen erhalten.

Seit Ende September 2021 wird die Staudamm-Katastrophe auch vor dem Münchner Landgericht aufgearbeitet. Die Stadt Brumadinho und die Familie einer bei dem Dammbruch umgekommenen Ingenieurin von Vale fordern vom TÜV Süd Schadensersatz in Höhe von einer halben Million Euro.

Monate vor dem Kollaps hatten Ingenieure des TÜV Süd den Damm als sicher zertifiziert, obwohl sie offenbar massive Zweifel an dessen Stabilität hatten. Seitdem steht die Frage im Raum, ob die Prüfer die Augen zudrückten, um lukrative Aufträge von Vale zu behalten.

che/Reuters