Schlammschlacht Hewlett-Sohn verflucht Compaq-Deal

Walter Hewlett schlägt in seinem Kampf gegen die Fusion von Hewlett-Packard und Compaq noch schärfere Töne an. Jetzt hat der Firmenerbe einen offenen Brandbrief geschrieben und den geplanten Milliarden-Deal mit drastischen Worten verdammt.


Hewlett-Packard: Krisenstimmung im kalifornischen Hauptquartier
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Hewlett-Packard: Krisenstimmung im kalifornischen Hauptquartier

Palo Alto/Houston - Im Chor der Protestes ist Walter Hewlett der Chefdirigent. Der Aufsichtsrat und Sohn des HP-Firmengründers William Hewlett war es, der Anfang November als Erster seine Stimme gegen HP-Chefin Carly Fiorina und den Plan zur Übernahme des texanischen Konkurrenten erhob. Sofort stimmte David Packard mit ein, der Sohn des anderen Firmengründers. Vergangene Woche votierte die Packard-Stiftung, der größte Einzelaktionär, gegen die Ehe der beiden Hightech-Schmieden. Schon machte unter Analysten das Wort "Todesstoß" die Runde. Die Spekulationen über Fiorinas Nachfolge haben längst begonnen.

Trotzdem legt der streitbare Hewlett-Erbe nun nach. In einem öffentlichen Brief, den er der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC schickte, verdammt Hewlett die Fusion noch einmal als unsinnig und schädlich. "An jedem Tag verlieren beide Konzerne an Wert. Ich dränge darauf, dass wir im Interesse aller unserer Aktionäre für ein schnelles Ende dieser Transaktion sorgen", heißt es da. Wenn Fiorinas Plan nicht rechtzeitig gestoppt würde, so Hewlett - dann "verschwenden wir Zeit und Energie, wir vergeuden Geld, zerrütten die Moral unserer Mitarbeiter und verwirren unsere Kunden."

"Die Stunde hat geschlagen"

Zugleich gibt sich Hewlett siegesgewiss - und schreibt triumphierend, dass der HP-Compaq-Deal nicht mehr zu retten sei. "Die Stunde hat geschlagen, die Signale sind eindeutig", heißt es im Brief. Höchstwahrscheinlich werde der Merger-Plan niedergeschmettert, wenn die Hauptversammlung darüber abstimmen sollte. Denn die Mehrzahl der Aktionäre sei "unglaublich unglücklich" über das Vorhaben.

Es gilt als höchst selten, dass eine friedliche Übernahme von den Aktionären gestoppt wird. Noch ungewöhnlicher ist, dass ein Firmenerbe und Aufsichtsrat wie Hewlett, der dem Plan im August noch zugestimmt hatte, öffentlich Front gegen die Konzernleitung macht.

Mit seinem Vorpreschen hat sich Hewlett Junior nicht nur Freunde gemacht. An Donnerstag gab der HP-Vorstand Richard Hackborn bekannt, dass er sich demonstrativ aus der Hewlett-Familienstiftung zurückziehen werde - der nämlich sitzt Walter Hewlett vor. Hackborn sagte, er sei "traurig" darüber, wie Hewlett einen "unangebrachten Kampf" gegen die Konzernleitung führe. Die Schlammschlacht geht weiter.



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