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Gastronomie Schlimme Fehler

Friedrich Jahn ist wieder da. Der »Wienerwald«-Gründer will die Hendl-Kette zurückhaben.
aus DER SPIEGEL 12/1991

Über Langeweile kann Friedrich Jahn, 67, nicht klagen. Montags und dienstags berät der Gastronom an seinem Zürcher Wohnsitz Schweizer Hotels und Restaurants. In der zweiten Wochenhälfte kontrolliert der gebürtige Linzer seine vier »Schnitzelhäuser« in München und Augsburg. Die neuartigen Lokale, Jahns jüngste Schöpfung, verkaufen die Fleischfladen in exotischen Hüllen aus Cornflakes, Mandelsplittern oder Kokosflocken.

Doch der Mann, der die einst erfolgreiche »Wienerwald«-Kette gründete, fühlt sich mit diesen Tätigkeiten nicht ausgelastet. Der quirlige Österreicher möchte seine Lokale zurückkaufen. Vor gut zwei Jahren erst hat er die Hähnchen-Filialen an den britischen Getränke- und Einzelhandelskonzern Grand Metropolitan (Grand Met) veräußert.

Jahns Plan treibt die bereits zu lange laufende Posse um die Hühnerbratereien einem neuen Höhepunkt entgegen. 1986 mußte der Gastronom seine Lokale an die Münchner Geschäftsfrau Renate Thyssen abtreten. Jahn hatte sich beim Aufbau seines Restaurant-, Immobilien- und Reisebüro-Konzerns übernommen. Er brauchte dringend Geld, um seine Gläubiger zu bedienen.

Kurz darauf kaufte Jahn die herabgewirtschafteten Grillstuben wieder zurück. Den einträglichen österreichischen Ableger hatte Renate Thyssen vorher abgetrennt, wenig später reichte sie die Restaurants mit gutem Gewinn an die Stadt Wien weiter.

Jahn ("Man kann doch nicht dauernd nur zu Haus rumsitzen und der Frau die Hand halten") hatte sich jedoch abermals übernommen, er mußte 1988 wieder verkaufen. Diesmal gingen die 230 Wienerwald-Gaststätten an den britischen Spirituosenhersteller Grand Met (27 Milliarden Mark Umsatz). Die 40 Millionen Mark, die Jahn kassierte, galten als guter Preis, da er zuvor den größten Teil des Mobiliars verkauft und zurückgemietet hatte.

Es war eine schlechte Investition, der Münchner Ableger machte nur Miese. Jahn weiß, warum das so kam. »Statt eine neue Führungscrew einzusetzen«, poltert der Ex-Eigentümer, »hätten sie lieber meine altbewährte Mannschaft übernehmen sollen.« Schlimme Fehler hätten die Briten begangen: »Ich kann doch in einen Wienerwald keinen Parkettfußboden reinlegen. Wer soll den denn pflegen?«

Um die Verluste zu mindern, wollten die Briten ursprünglich einen Teil der »Wienerwald«-Dependancen in Burger-King-Filialen umwandeln. Die Klops-Kette, nach McDonalds weltweit die Nummer zwei im Fastfood-Geschäft, gehört ebenfalls zu dem Londoner Lebensmittelkonzern.

Doch dann beschlossen die Grand-Met-Manager eine Strategieänderung. Der weltweit größte Schnapshändler trennt sich vielerorts vom schwierigen Gastronomiegeschäft. In Großbritannien verkaufte der Konzern erst kürzlich zwei Fast-Food-Ketten. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Engländer weit über 1000 Pubs abgestoßen.

Die Grand-Met-Manager wollen ihr Geld künftig stärker mit Immobilien und Edelspirituosen wie Remy Martin oder Cointreau verdienen. Da macht auch der »Wienerwald«-Besitz keinen rechten Sinn mehr, er soll nun wieder verkauft werden.

Ob die Engländer mit Jahn handelseinig werden, scheint allerdings fraglich. Der Wahl-Schweizer will deutlich weniger bezahlen, als er vor zwei Jahren von den Engländern eingestrichen hat. Und Jahn ist nicht der einzige Interessent. Grand Met redet auch mit anderen, etwa der größten britischen Hotel- und Catering-Kette Trusthouse Forte (THF), die den deutschen »Wienerwald« schon 1988 schlucken wollte, und der Stadt Wien, Inhaberin des Austria-Ablegers.

Wer den Zuschlag erhält, ist nach wie vor offen. Setzen sich die Österreicher durch, nähmen die Wirren um den Wienerwald für den Gründer womöglich doch noch eine glückliche Wende.

»Dann«, strahlt Jahn, »wären der deutsche und der österreichische Wienerwald endlich wieder vereint.« o

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