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21. November 2008, 23:02 Uhr

Schlussrallye beim Dow

Obamas angebliche Finanzminister-Wahl treibt Börse

Die Nachricht sickerte kurz vor Börsenschluss durch und sorgte für ein versöhnliches Wochenende: Nachdem bekannt wurde, dass der New Yorker Fed-Chef Timothy Geithner US-Finanzminister werden soll, legte der Dow Jones in der letzten Handelsstunde kräftig zu.

New York - Die angeblich bevorstehende Nominierung des New Yorker Notenbank-Chefs Timothy Geithner zum künftigen US-Finanzminister unter Barack Obama hat die US-Börsen am Freitag in der letzten Handelsstunde beflügelt. Hatten die großen Indizes bis dahin kaum verändert notiert, schlossen sie am Ende um bis zu 6,5 Prozent fester.

Freude zum Wochenende: Die Berichte über Geithner sorgen für versöhnliche Stimmung an der Wall Street
AP

Freude zum Wochenende: Die Berichte über Geithner sorgen für versöhnliche Stimmung an der Wall Street

"Das ist eine brillante Wahl", sagte der Zinsexperte William O'Donnell von der Bank UBS Securities LLC in Connecticut. Geithner werde für Kontinuität inmitten der Herausforderungen der Finanzkrise stehen. "Er ist sofort mit den Problemen vertraut, er ist eng an den Gesprächen zwischen der US-Notenbank und dem derzeitigen Finanzminister beteiligt - er ist also jetzt schon mittendrin."

Weiter unter Druck standen indes Finanzwerte, allen voran die Citigroup . Die anhaltende Unsicherheit im Zuge der Finanzkrise hatte in den vergangenen zwei Tagen für hohe Verluste an den Börsen gesorgt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 6,5 Prozent höher bei 8046 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf zwischen 7449 und 8071 Zählern gependelt war. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 6,3 Prozent auf 800 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 5,2 Prozent auf 1384 Punkte zu.

Für den Wochenverlauf ergibt sich daraus ein Minus von fünf Prozent beim Dow Jones , von acht Prozent beim S&P und von knapp neun Prozent beim Nasdaq-Index . In Frankfurt schloss der Dax 2,2 Prozent tiefer bei 4127 Zählern. Zu dem Zeitpunkt lag der Dow-Jones-Index 0,5 Prozent im Plus.

Die Nachricht, dass der künftige US-Präsident Obama sich für den Top-Banker Geithner als Finanzminister entschieden habe, erreichte die Börsianer rund eine Stunde vor Handelsende, Dem Sender NBC News zufolge wird Obama sein Wirtschafts-Team wohl am Montag benennen. Das soll auch die Finanzmärkte beruhigen. Handelsminister wird demnach Bill Richardson, der bisherige Gouverneur von New Mexico. Ein Sprecher der Fed in New York wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Energiewerte gewinnen

Zu den Gewinnern am Markt zählten die zuletzt stark gebeutelten Energiewerte wie Exxon und Chevron . Dazu trug auch die Erholung der Ölpreise bei. Der Preis für US-Leichtöl löste sich von seinem am Vortag erreichten Dreieinhalbjahrestief und kletterte wieder über die Schwelle von 50 Dollar je Barrel. Die Exxon-Aktie verteuerte sich um 10,7 Prozent, die Chevron-Aktie um 9,5 Prozent.

Ebenfalls deutlich im Plus notierten nach einem positiven Analystenkommentar die Papiere von Microsoft . Sie legten um 12,3 Prozent zu. Auch Papiere der Autobauer stiegen nach der Meldung zu Geithner: Die General-Motors-Aktie verteuerte sich um 6,3 Prozent, die von Ford um 2,9 Prozent.

Nach dem vorläufigen Scheitern der milliardenschweren Hilfspläne für die angeschlagene US-Autoindustrie hat der Kongress den großen drei Konzernen eine Frist gesetzt. Die Chefs von GM, Ford und Chrysler erhielten bis Anfang Dezember Zeit, um die Abgeordneten von der Notwendigkeit neuer Zuschüsse aus der Steuerkasse zu überzeugen.

Wal Mart-Aktien verteuerten sich um 4,5 Prozent, nachdem der Chef des weltgrößten Einzelhändlers zuvor überraschend seinen Rücktritt angekündigt hatte. Citigroup-Aktien verloren knapp 20 Prozent. Das angeschlagene Finanzinstitut spielt einer eingeweihten Person zufolge derzeit verschiedene Szenarien durch: Dazu gehört der Verkauf von Unternehmensteilen oder der Zusammenschluss mit einer anderen Bank. Bei den Technologiewerten verloren Dell 5,2 Prozent. Der Gewinn des weltweit zweitgrößten Computerherstellers war im dritten Quartal um fünf Prozent zurückgegangen.

phw/Reuters

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