Schmähpreis für Plagiate Kopie ganzer Straßenbahnen

Wasserkocher, Korkenzieher oder ganze Straßenbahnen - die Produktpiraten treiben es immer toller. Jetzt erhielten die dreistesten Fälscher den Schmähpreis "Plagiarius".


"Plagiarius"- Initiator Rido Busse: Blau die Kopie, rot das Vorbild
DPA

"Plagiarius"- Initiator Rido Busse: Blau die Kopie, rot das Vorbild

Frankfurt am Main - Den ersten "Plagiarius" erhielt auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente ein Hersteller aus Griechenland für einen Wasserkocher, der nicht nur beim Design einem Siemens-Produkt gleicht. Sogar die Verpackung beider Geräte ist fast identisch. Andere Unternehmen kopierten Isolierkannen, Korkenzieher oder Eiskratzer. "Das ist schon unglaublich dreist", kommentierte der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel ein Foto aus China. Das Bild zeigt die Kopie einer von einem deutschen Unternehmen entwickelten Straßenbahn.

Produktpiraten beschränkten sich längst nicht mehr auf Markenkleidung und andere Konsumgüter, sagte der ehemalige Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Hans Peter Stihl. Sogar Ersatzteile für Maschinen und Fahrzeuge würden gefälscht. Mit ihren Waren kontrollierten die Produktpiraten rund acht Prozent des Welthandels, zitierte Henkel aus einer Statistik der Internationalen Handelskammer.

Durch den Handel mit kopierten Waren entstehe nicht nur ein finanzieller Schaden für die betroffenen Unternehmen. Produktpiraten sparten bei den Forschungs- und Entwicklungskosten und häufig auch bei der Qualität.

Der Designer Rido Busse hatte die Aktion "Plagiarius" vor 25 Jahren ins Leben gerufen, um auf Produktpiraterie aufmerksam zu machen.



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