Schmiergeld-Skandal Anklage gegen Hyundai-Chef erhoben

Im Schmiergeld-Skandal um den südkoreanischen Autohersteller und WM-Sponsor Hyundai hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Konzernchef Chung Mong Koo erhoben. Die Affäre dreht sich um umgerechnet 82 Millionen Euro.


Seoul - Chung Mong Koo werde Unterschlagung von Firmengeldern und Betrug vorgeworfen, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. Chung war Ende April festgenommen worden, weil er Amtsträger für politische Gefälligkeiten bestochen haben soll.

Hyundai-Chef Chung Mong Koo: Konzerntöchter in die Verlustzone gedrängt?
DPA

Hyundai-Chef Chung Mong Koo: Konzerntöchter in die Verlustzone gedrängt?

Chung soll der Anklage zufolge rund 100 Milliarden Won (etwa 85 Millionen Euro) an Firmengeldern unterschlagen und zum Teil für persönliche Zwecke genutzt haben. Zudem soll er einzelne Konzernbereiche in die Verlustzone gedrängt haben, indem er sie genötigt habe, schwächere Tochter-Bereiche zu unterstützen.

Den Behörden zufolge sollen im Zuge der Affäre auch noch andere Manager angeklagt werden. Darunter sei auch Chung Eui Sun, der Sohn des angeklagten Hyundai-Chefs und Präsident der Hyundai-Tochter Kia Motors.

Der weltweit siebtgrößte Autokonzern ist einer der Hauptsponsoren der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und offizieller Auto-Ausrüster des Turniers. Die Anklage könne bei dem Konzern zu einem Machtvakuum an der Hyundai-Spitze führen und die Expansionsstrategie des Unternehmens zurückwerfen, glauben Branchenexperten. Gemeinsam mit seiner Tochter Kia Motors will Hyundai Motor im Jahr 2010 nach bisheriger Planung der fünftgrößte Autohersteller der Welt sein.

Hyundai hatte Mitte April angekündigt, als Zeichen der Entschuldigung für den Korruptionsskandal Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar für wohltätige Zwecke zu spenden. Der Anklage zufolge wird das jedoch die Untersuchungen in dem Fall nicht beeinflussen.

Allerdings würden bei einer möglichen Strafforderung die nationalen Interessen berücksichtigt, hieß es. Der Missbrauch von Firmengeldern ab einer Summe von fünf Milliarden Won kann in Südkorea mit lebenslanger Haft bestraft werden.

ank/Reuters



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