Schmiergelder im Irak US-Börsenaufsicht ermittelt gegen DaimlerChrysler

Neue Bestechungsvorwürfe gegen DaimlerChrysler: Einem Magazinbericht zufolge verdächtigt die US-Börsenaufsicht SEC den Konzern, bei Lieferungen an das Regime Saddam Husseins im Rahmen des Hilfsprogramms "Oil for food" Schmiergelder bezahlt zu haben.


Lebensmittel gegen Öl: Verdacht gegen DaimlerChrysler
AFP

Lebensmittel gegen Öl: Verdacht gegen DaimlerChrysler

Hamburg - Der Irak hatte bei DaimlerChrysler dem "Stern" zufolge 150 Zugmaschinen bestellt, von denen der Konzern 2002 schließlich 50 Fahrzeuge lieferte. Wie bei allen Aufträgen im Rahmen des "Oil for food"-Programms, wurde auch dieses Geschäft von der in Genf ansässigen Firma Cotecna überwacht. Das Unternehmen gab die Bezahlung solcher Aufträge von einem Pariser -Konto aus frei, auf das die Öleinnahmen des Iraks liefen. Für Cotecna arbeitete unter anderem Kojo Annan, Sohn von Uno-Generalsekretär Kofi Annan.

Die Auftragsabwicklung bei der Firma konnte dem Bericht zufolge durch Schmiergeldzahlungen beschleunigt werden. Ein deutscher Geschäftsmann sagte dem Magazin: "Auch wenn die Vereinten Nationen eigentlich schon grünes Licht gegeben hatten, standen da 500 bis 1000 Firmen Schlange, um das Akkreditiv für die Bezahlung zu bekommen. Das konnte ein Jahr oder länger dauern - es sei denn, man bezahlte und rutschte in der Schlange nach oben." Im Juli habe die SEC deswegen Untersuchungen eingeleitet, ob der Daimler-Konzern an Bestechungszahlungen beteilgt war. Dabei werde auch untersucht, ob Mercedes in diesem Fall Schmiergelder bezahlt habe.

DaimlerChrysler hat die bestellten Fahrzeuge nicht direkt an den Irak geliefert, sondern an ein russisches Unternehmen verkauft. Dieses wiederum habe die Maschinen an eine irakische Staatsfirma weiter veräußert.

Ein Sprecher des Konzerns bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass das US-Justizministerium und die SEC gegen den Konzern ermitteln. "Auf Einzelheiten können wir aufgrund des laufenden Verfahrens nicht eingehen." Man arbeite jedoch eng mit den US-Behörden zusammen.

Auch im aktuellen Quartalsbericht wird erwähnt, dass die SEC den Konzern im Juli in eine Liste von Unternehmen aufgenommen hat, gegen die wegen des Verdachts der Bestechung im Rahmen des "Oil for food"-Programms ermittelt wird. DaimlerChrysler sei aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben und den Vereinten Nationen bestimmte Unterlagen vorzulegen, heißt es dort.

Bereits vor einigen Tagen hatte das "Wall Street Journal" von Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen den Konzern berichtet. Führende Daimler-Manager stehen demnach unter dem Verdacht, in mehr als einem Dutzend Länder Schmiergelder gezahlt und geheime Konten unterhalten zu haben. Die Untersuchungen gehen ursprünglich auf eine Kündigungsschutzklage eines früheren Daimler-Buchhalters zurück. Er hatte DaimlerChrysler vorgeworfen, ihn entlassen zu haben, weil er sich intern über Schmiergeldzahlungen beschwert hatte.



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