Schmiergeldvorwürfe Autokonzerne im Visier der Ermittler

Der Bestechungsskandal um VW und andere Autokonzerne, über den der SPIEGEL berichtete, ist größer als bisher angenommen. Im Visier der Ermittlungen stehen 20 Verdächtige, erklärte jetzt die Staatsanwaltschaft. Ein zweiter Zulieferer sei außerdem beteiligt gewesen.


Frankfurt am Main - Die Abteilung Korruptionsbekämpfung der Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittle zurzeit gegen insgesamt 20 Verdächtige, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel. Bei der Korruptionsaffäre geht es um Schmiergelder für bevorzugte Auftragsvergaben an den französischen Zulieferer Faurecia. "Dem Unternehmen wird zur Last gelegt, spätestens seit 1998 Schmiergelder im Umfang von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich an mehrere Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen von deutschen Automobilkonzernen gezahlt zu haben", teilte der Frankfurter Ankläger mit und bestätigte damit einen SPIEGEL-Bericht.

VW-Mitarbeiterin: Ermittlungen "mit allen Kräften" unterstützen
AP

VW-Mitarbeiterin: Ermittlungen "mit allen Kräften" unterstützen

Die Ermittlungen dauern bereits ein Jahr. Auch ein zweiter Zulieferer stehe dabei unter Verdacht, erklärten die Ermittler, ohne jedoch den Namen des betroffenen Unternehmens zu nennen.

Unter den Verdächtigen seien auch zwei Einkaufsleiter von Volkswagen Chart zeigen und ein Mitarbeiter der Tochter Audi Chart zeigen. Einer der beiden VW-Mitarbeiter habe mindestens 139.000 Euro für bevorzugte Auftragsvergabe von Faurecia erhalten. Von einem weiteren Zulieferer soll er sogar 408.000 Euro angenommen haben. Alle drei Tatverdächtigen sollen von Faurecia neben Geld auch Möbel und Urlaubsreisen bekommen haben. Dem in Untersuchungshaft sitzenden Audi-Einkäufer wird, wie bereits vom SPIEGEL berichtet, die Annahme von mindestens 160.000 Euro in bar vorgeworfen. Zudem soll er auf die Anstellung seiner Freundin bei einem Zulieferbetrieb in der Schweiz als Gegenleistung für die Vergabe von Aufträgen gedrungen haben. Dabei habe der Arbeitslohn von etwa 3400 Euro monatlich nicht der Qualifikation der Frau entsprochen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Einer von vielen Korruptionsfällen

Volkswagen hatte bereits am Samstag betont, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft "mit allen Kräften" zu unterstützen. Europas größter Autobauer war vor einem Jahr wegen Luxusreisen und Bordellbesuche von Betriebsräten sowie angeblichen Schmiergeldzahlungen in die Schlagzeilen geraten.

Audi bestätigte, dass ein Einkäufer in den Fall verwickelt ist. "Der Sachbearbeiter ist nicht an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt", sagte ein Firmensprecher. Audi unterstütze die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen. Bei VW hieß es: "Wir wissen von dem Fall. Bis zur vollständigen Klärung sind Mitarbeiter sofort freigestellt worden, sofern sie noch bei VW tätig waren." Zum möglicherweise entstandenen Schaden äußerte sich der VW-Sprecher nicht.

Faurecia-Vorstandschef Pierre Levi sagte: "Wir kooperieren und wir hoffen, dass es bald Klarheit gibt. Aber so lange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, kann ich nicht mehr sagen." Faurecia gehört mehrheitlich zum französischen Autobauer PSA Peugeot Citroen und zählt zu den zehn größten Autozulieferern weltweit.

Korruptionsfälle häuften sich zuletzt in der Autoindustrie: Seit vergangenen Herbst ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen drei ehemalige BMW-Mitarbeiter, die ebenfalls im Verdacht stehen, von Zulieferern bestochen worden zu seien. Nach früheren Angaben der Behörden sind dabei mindestens 500.000 Euro Schmiergeld geflossen. Der Fall bei VW stehe nicht in Verbindung mit den Ermittlungen bei BMW Chart zeigen, sagte der Münchener Oberstaatsanwalt Anton Winkler.

ase/AP/ AFP/reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.