Schmiermittel Korruptionsaffäre erfasst BMW

Das Ausmaß des Bestechungsskandals in der Autobranche ist größer als bisher angenommen. Neben VW und Audi ist auch BMW verwickelt, die Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Monaten.


München - Die Ermittlungen richten sich gegen gegen zwei ehemalige Einkaufsmanager von BMW Chart zeigen und vier "leitende Mitarbeiter" des französischen Zulieferers Faurecia in Deutschland und Frankreich, wie der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die inzwischen entlassenen BMW-Mitarbeiter dem Zulieferer gegen üppige Schmiergelder Aufträge erteilt haben. Ein BMW-Sprecher sagte, der Autobauer arbeite "eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen", um die Vorfälle aufzuklären.

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Bei einem der beiden ehemaligen Einkäufer von BMW handelt es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um den 55-jährigen Günther L., der nach Schmiergeldvorwürfen im vergangenen Jahr entlassen wurde. Er soll von mehreren Zulieferern insgesamt mehrere hunderttausend Euro Bestechungsgelder angenommen haben. Im Laufe der Ermittlungen gegen L. sei die Staatsanwaltschaft auf die Spur von Faurecia gekommen. Bereits im Mai seien Faurecia-Büros und Wohnräume in München und im niedersächsischen Stadthagen durchsucht worden, sagte Winkler.

Bis 800.000 Euro Schmiergeld jährlich?

Damit zieht der Korruptionsskandal in der deutschen Autoindustrie immer weitere Kreise. Die Abteilung Korruptionsbekämpfung der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt - ausgehend von Faurecia - derzeit gegen rund 20 Verdächtige. Unter ihnen sind zwei Einkaufsmanager von Volkswagen Chart zeigen sowie ein Einkäufer der Konzerntochter Audi.

Die mittlerweile freigestellten oder pensionierten Mitarbeiter sollen ebenfalls von Faurecia Schmiergelder angenommen und den Zulieferer im Gegenzug bei der Vergabe von Aufträgen für die Innenausstattung bevorzugt haben. Die Frankfurter Ermittler werfen dem Unternehmen vor, mindestens seit 1998 Schmiergelder von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich an Einkaufsmanager deutscher Autokonzerne gezahlt zu haben.

Faurecia ist mit elf Milliarden Euro Umsatz einer der größten Zulieferer der Autoindustrie. Das Unternehmen gehört zum Peugeot Chart zeigen-Konzern PSA und stellt Autositze und Innenausstattungen her.

itz/AFP



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