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SPEKULATION Schmutziges Roulette

aus DER SPIEGEL 19/2007

Hohe Renditen verspricht das Geschäft mit dem Klimawandel. Großanleger setzen vermehrt auf den Handel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten. Die Papiere erlauben in den 27 EU-Staaten rund 12 000 Fabriken den Ausstoß des schädlichen Treibhausgases. Wer in die Erneuerung seiner Anlagen investiert und die CO2-Produktion reduziert, kann die überschüssigen Verschmutzungsrechte gewinnbringend verkaufen - so die Theorie. Weil in einer ersten Phase auf Druck der Industrielobbyisten viel mehr Verschmutzungsrechte ausgegeben wurden, als die Wirtschaft CO2 produziert, fiel der Preis der Zertifikate jedoch von einst über 30 Euro ins Bodenlose. Derzeit kostet das Recht, eine Tonne CO2 in die Luft zu blasen, nur 50 Cent. Doch Ende des Jahres verfallen diese Papiere, und das Spiel beginnt von Neuem. »Die meisten Experten erwarten, dass in der Phase II das Regime deutlich strenger wird«, schreiben die Analysten des britischen Hedgefonds-Giganten Man Investments. Die Anzahl der neu ausgegebenen Papiere sinkt im Vergleich zu heute deutlich, was die Preise nach oben treiben wird, hoffen die Spekulanten. Die Terminmärkte zeigen bereits steigende Kurse für die neuen Zertifikate, die von 2008 bis 2012 gültig sein werden. Und einige Banken verkaufen inzwischen auch Kleinanlegern Produkte, mit denen sie ins schmutzige Roulette einsteigen können.

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