Schöne neue Arbeitswelt DaimlerChrysler plant Personalagentur

Der Stuttgarter Autobauer will eine eigene Job-Agentur gründen, die ihre Arbeiter überall dorthin schickt, wo gerade Bedarf im Konzern ist. Neue Kräfte sollen ebenfalls dort angestellt sein. Während der Betriebsrat protestiert, schlägt Aufsichtsratschef Kopper eine Vertragsverlängerung für Konzernchef Jürgen Schrempp vor.

Stuttgart - DaimlerChrysler plant, sein Personal zukünftig mehr oder weniger auszulagern. Die Agentur "Job-Start" solle bis spätestens Anfang 2005 gegründet werden, sagte Personalvorstand Günther Fleig der "Stuttgarter Zeitung". Die Mitarbeiter würden jeweils an dem Standort arbeiten, wo gerade Personal fehle. Job-Start solle Auszubildende nach Abschluss der Lehre übernehmen und zudem Neueinstellungen verstärkt abwickeln.

Bei den Arbeitnehmern stößt der Flexibilisierungsplan auf Kritik. "Eine Leiharbeits-GmbH nach dem vom Unternehmen vorgestellten Muster werden wir nicht akzeptieren", sagte der Gesamtbetriebsrats- Vorsitzende Erich Klemm am Samstag in Stuttgart. "Eine Verwirklichung dieser Pläne hätte zur Folge, dass jeder künftige Beschäftigte in der Produktion als moderner Arbeitsnomade von Werk zu Werk ziehen müsste." Zudem würde es Neueinstellungen gewerblicher Arbeitnehmer direkt in die DaimlerChrysler AG nicht mehr geben.

Postboten sollen nicht mehr Metaller sein

Fleig kündigte außerdem an, dass die etwa 2.500 Beschäftigten in den Dienstleistungsbereichen von der Kantine bis zur Poststelle künftig nicht mehr nach dem Metalltarifvertrag bezahlt werden sollen. Mit dem Betriebsrat werde über Bedingungen verhandelt, die sich am Dienstleistungsgewerbe orientieren - zum Beispiel die 40-Stunden- Woche, sagte Fleig. Der Personalchef setzte sich zudem dafür ein, in den Metalltarifverträgen keine feste Arbeitszeit mehr zu vereinbaren, sondern einen Arbeitszeitkorridor.

Schrempps Vertrag soll bis 2007 verlängert werden

Auch in der Führungsetage macht man sich Gedanken ums Personal. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper wird nach einem Bericht des SPIEGEL dem Aufsichtsrat vorschlagen, den bis April 2005 laufende Vertrag des Konzernchefs Jürgen Schrempp um zwei Jahre bis 2007 zu verlängern. Zudem soll Schrempp eine zentrale Position im Vorstand mit einem Vertrauten besetzen können.

Nachfolger von Finanzvorstand Manfred Gentz, dessen Vertrag Ende nächsten Jahres ausläuft, soll der bisherige Vorstand von DaimlerChrysler-Services, Bodo Uebber, werden. Mercedes-Benz-Chef Jürgen Hubbert soll im April 2005 durch den bisherigen Vize-Chef von Chrysler, Wolfgang Bernhard, ersetzt werden. Verabschiedet werden diese Personalien nach der Hauptversammlung im April nächsten Jahres.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Kopper will seine Funktion länger ausüben und seine Berufung zum Vorsitzenden des Kontrollgremiums über das geplante Ende 2004 hinaus noch einmal verlängern lassen. DaimlerChrysler-Chef Schrempp bekräftigte auf einer Betriebsrätekonferenz in Sindelfingen, dass er trotz der Schwierigkeiten bei Chrysler und Mitsubishi an seiner Strategie der Welt AG festhalte. Vor den Arbeitnehmervertretern des Konzerns sagte Schrempp: "Auch wenn es mal eine Delle gibt - wir halten an unserem Kurs fest."

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