Schönheit im Sonderangebot Discounter wirbt für Antifaltenspritze

Eine Anzeige des österreichischen Ablegers der Einzelhandelskette Plus bringt derzeit die Ärzteschaft der Alpenrepublik in Rage. Der Discounter macht Reklame für eine Behandlung mit dem umstrittenen Antifaltenmittel Botox zum Vorzugspreis.


Botox-Behandlung: "Der Erfolg ist überragend"
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Botox-Behandlung: "Der Erfolg ist überragend"

Hamburg - "Fast zu schön um wahr zu sein!", jubelt es auf der Internetseite von Plus Österreich. Für 149 Euro wird dort eine Botox-Behandlung angeboten. Normalerweise müssen Kunden dafür 250 Euro auf den Tisch legen.

Die ersten 100 Interessenten, die sich in den kommenden Wochen bei dem Wiener Schönheitschirurgen Wolfgang Pirker melden, können sich nun das Gesicht zum Sonderpreis straffen lassen. "Wer schön sein will, muss laufen", kalauert der Anzeigentext.

Plus selbst tritt weder als Vermittler noch als Vertragspartner auf. Tatsächlich fungiert die Handelskette nur als Werbeplattform. Für Pirker jedenfalls hat sich der Vorstoß in die Discountniederungen gelohnt. "Der Erfolg übertrifft unsere Erwartungen. Die Behandlungstermine sind bereits vergeben. Ich überlege, die Aktion zu verlängern", erklärt der Mediziner.

Die Idee, Schönheitschirurgie vom Schlossklinik-Image zu befreien und für den Normalverdiener zu öffnen, hat zuletzt immer mehr Anhänger gefunden. So hat Ende November in Berlin Shape & Beauty eröffnet. In dem Geschäft beim Kurfürstendamm kann sich die Laufkundschaft über Brustvergrößerungen informieren - und sich Botox spritzen lassen. Die Injektion kostet hier laut Medienberichten 350 Euro.

Das Angebot ist umstritten, vor allem die Botox-Offerte. Grund sind mögliche Folgeschäden bei einer falschen Dosierung. Der Wunsch nach einem faltenfreien Gesicht hatte jüngst für vier Amerikaner ein böses Ende genommen. Nach einer Behandlung mit dem Nervengift sind die Patienten lebensgefährlich erkrankt.

Auch die Werbeaktion des Wiener Chirurgen Pirker erregt die Gemüter. So wirft die Wiener Ärztekammer ihm einen Verstoß gegen die Werberichtlinien des Gewerbes vor. Schon wird die Kampagne überprüft. Im schlimmsten Fall droht Pirker ein Strafgeld.

Der kann die Aufregung nicht verstehen und will nun seinerseits gegen die Ständeorganisation vorgehen: "Das ist eine Vorverurteilung. Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet."

Jörn Sucher



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