Schott Solar Der größte Börsengang des Jahres ist abgeblasen

Das Mainzer Solarunternehmen Schott Solar geht wegen der Finanzkrise doch nicht an die Börse. Das Umfeld ist laut dem Unternehmen derzeit einfach "umwerfend schlecht". Eigentlich wollte Schott Solar bei der Emission Hunderte Millionen Euro einnehmen.


Mainz - Einen Tag vor der Erstnotiz erfolgte der Rückzug: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen sagt der Mainzern Solarkonzern Schott Solar am Mittwoch seinen Börsengang ab. Als Grund nannte ein Sprecher der Gesellschaft das "umwerfend schlechte" Marktumfeld. Mit der Entscheidung endet ein zähes Ringen des Unternehmens inmitten der Krise. Schott Solar wollte ursprünglich schon Mitte September an die Börse gehen, nach mehreren Verzögerungen hätte es nun am 9. Oktober soweit sein sollen.

Schott Solar: Börsengang auf unbestimmt verschoben
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Schott Solar: Börsengang auf unbestimmt verschoben

Der Börsengang wäre der bislang größte dieses Jahres in Deutschland gewesen. Schott Solar erhoffte sich davon einen Bruttoerlös von bis zu 546 Millionen Euro. Mit dem Geld wollte das Unternehmen den Ausbau der Produktion im In- und Ausland vorantreiben. Schott Solar fertigt Komponenten für Solarkraftwerke sowie Photovoltaikprodukte wie Solarzellen und -module.

"Wir werden jetzt abwarten, bis sich die Lage beruhigt hat, dann kommen wir gerne wieder an den Start", sagte der Sprecher. Ob es noch in diesem Jahr einen neuen Anlauf gebe, darüber wollte er nicht spekulieren. Auch kommentierte er nicht, inwieweit die Gesellschaft den gewünschten Bruttoemissionserlös hätte erzielen können.

Indikatoren wie der Graumarkt hätten Preise im oberen Bereich der Zeichnungsspanne signalisiert, sagte er nur. Das Feedback der Investoren sei gut gewesen, sie habe das Geschäftsmodell von Schott Solar überzeugt, betonte der Sprecher. Er fügte hinzu, dass die Finanzierung für die bei Schott Solar laufenden Expansionsschritte stehe und über die Konzernmutter Schott laufe. Das gelte für den Ausbau in den USA und in Spanien sowie in Tschechien und Deutschland.

Schott Solar und die Deutsche Bahn waren die einzigen Unternehmen, die sich im derzeitigen Umfeld überhaupt an den Aktienmarkt trauen wollten. In Anbetracht des massiven Drucks an der Börse hatten Marktteilnehmer jedoch schon im Vorfeld Bedenken geäußert, ob die Pläne tatsächlich in die Realität umgesetzt würden. Händler sprachen von einem "denkbar ungünstigen Zeitpunkt".

cvk/ddp/dpa



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