Schrempp unter Eid "Ich glaube nicht, dass ich jemanden betrogen habe"

Jürgen Schrempp, Vorstandschef von DaimlerChrysler, hat vor einem amerikanischen Gericht beteuert, dass es nie geheime Pläne zur Übernahme des Autokonzerns Chrysler gegeben habe. Stattgefunden habe eine Fusion gleichberechtigter Partner.

Wilmington - In dem Schadenersatzprozess gegen DaimlerChrysler Vor dem Bezirksgericht in Wilmington im Bundesstaat Delaware wies Schrempp den Betrugsvorwurf vehement zurück. "Die Beschreibung einer Fusion unter Gleichen ist absolut korrekt. Deshalb glaube ich nicht, dass ich jemanden betrogen habe", sagte Schrempp im Zeugenstand. Der Top-Manager nahm bei der Befragung durch die Anwälte selbstbewusst zu den Vorwürfen Stellung. Er stand unter Eid.

Die Anwälte des Stuttgarter Autobauers hatten Schrempp als Zeugen aufgerufen, um die Klage des US-Investors Kirk Kerkorian zu entkräften. Der 86-jährige Kerkorian wirft den Stuttgartern vor, den Zusammenschluss der Unternehmen 1998 als Fusion unter Gleichen ausgegeben zu haben, obwohl es sich in Wirklichkeit um eine Übernahme gehandelt habe. In diesem Fall hätte ihm mehr Geld für sein Chrysler-Aktienpaket zugestanden. Kerkorian verlangt als einst größter Chrysler-Aktionär mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz und eine Geldstrafe in unbekannter Höhe.

Zuvor war eine Videoaufzeichnung von Hilmar Kopper, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von DaimlerChrysler, gezeigt worden. Darin sagte Kopper, Daimler-Benz habe immer eine paritätische Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat gewollt. Die aus dem Vorstand ausgeschiedenen Chrysler-Leute seien nicht durch Amerikaner ersetzt worden, weil es bei dem Unternehmen keine gute Leute gegeben habe. Auch für die Chrysler-Führung habe es keinen geeigneten US-Kandidaten gegeben. Deshalb habe Daimler-Benz-Vorstand Dieter Zetsche das Geschäft übernommen.

Der Prozess wird noch voraussichtlich bis Ende dieser Woche dauern. Mit einem Urteil wird nicht vor dem Frühjahr gerechnet. Eine außergerichtliche Einigung hat Kerkorian abgelehnt. Seine Klage stützt sich zum Teil auf einen Bericht der "Financial Times" aus dem Jahr 2000, in dem Schrempp mit den Worten zitiert wird, er habe die Fusion niemals als Geschäft gleichberechtigter Partner geplant. Lediglich aus "psychologischen Gründen" sei diese Bezeichnung gewählt worden. Schrempp beschrieb Chrysler in dem Artikel lediglich als "Abteilung" von Daimler.

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