Schröder Transrapid-Konsortium soll nicht mauern

Die Nerven liegen blank. Wenige Tage vor dem entscheidenden Spitzentreffen über die Zukunft des Transrapids beharken sich Befürworter und Gegner der Magnetschwebebahn mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte die Industrie auf, nicht zu mauern.


Schlüsselfiguren der Transrapid-Debatte: Mehdorn, Schröder
REUTERS

Schlüsselfiguren der Transrapid-Debatte: Mehdorn, Schröder

Berlin/Hamburg - Die Hersteller der Magnetschwebebahn dürften "Lasten, die man eigentlich selber tragen muss", nicht auf die Bahn abschieben, sagte Schröder am Montag in Düsseldorf. Die betriebswirtschaftlichen Gründe der Deutschen Bahn AG gegen die geplante Strecke Hamburg-Berlin "darf man nicht einfach abtun. Bei dem Spitzengespräch am kommenden Samstag müsse ein Weg gefunden werden, die Verkehrstechnik Transrapid so einzusetzen, "dass das Unternehmen, das sie betreiben soll, dabei nicht vor die Hunde geht".

Auch die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Angelika Mertens, nahm sich die Industriue vor: "Die Transrapidstrecke Hamburg-Berlin ist tot, der Transrapid aber nicht. Für das Scheitern ist die Industrie in hohem Maße mitverantwortlich", sagte sie der "Welt". Thyssen-Krupp, Siemens und Adtranz seien nicht bereit gewesen, "sich am Betreiberrisiko zu beteiligen, und haben die Bahn im Regen stehen lassen", sagte Mertens.

Die Drohung der Konzerne, Schadenersatz von bis zu 160 Millionen Mark zu fordern, bezeichnete Mertens als unprofessionell und unangemessen. "Für den Fall des Scheiterns gibt es klare Vereinbarungen im Eckpunktepapier. Demnach muss die Industrie 40 Prozent der bis dahin angefallenen Planungskosten übernehmen."

Dagegen bekräftigte Thyssen-Krupp die Forderung nach Rückerstattung der bisherigen Planungskosten. "Es ist nicht einzusehen, dass die Interessen der Bahn oder des Bundes höher anzusiedeln sind als unsere", sagte Sprecher Alfred Wewers.

Der Transrapid: Bleibt es bei der Teststrecke im Emsland?
DPA

Der Transrapid: Bleibt es bei der Teststrecke im Emsland?

Der Konzernbetriebsrats-Chef von Thyssen-Krupp, Dieter Kroll, warf Bahnchef Hartmut Mehdorn vor, "im höchsten Maße technikfeindlich" zu sein. Er befürchtet den Verlust von 1000 Stellen bei seinem Unternehmen. Durch die Realisierung der geplanten Transrapidtrasse wären seiner Ansicht nach 20.000 Arbeitsplätze vorwiegend in Ostdeutschland geschaffen worden.

Auch die Handelskammer Hamburg attackierte Mehdorn, der früher die Airbus-Produktion in der Hansestadt leitete. "Die Magnetschnellbahntechnik darf nicht daran scheitern, dass sich ein im Bundesbesitz stehendes Unternehmen durch einen Wechsel im Management über alle Untersuchungen und bisherigen Absprachen hinwegsetzt", heißt es in einem Schreiben der Kammer an den Bundeskanzler.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.