Schrottbeton-Vorwurf Umweltministerium gibt Entwarnung bei atomarem Zwischenlager

Vorläufige Entwarnung im Kernkraftwerk Neckarwestheim: Entgegen ersten Befürchtungen ist beim Bau des Zwischenlagers wohl kein Schrottbeton verwendet worden. Das ist das Ergebnis einer ersten Untersuchung, die das Umweltministerium in Stuttgart anberaumt hatte.


Stuttgart - Nach derzeitiger Faktenlage sei davon auszugehen, dass kein minderwertiger Beton verbaut wurde, erklärte das baden-württembergische Umweltministerium nach der Überprüfung. Der Beton für das Zwischenlager sei auf dem AKW-Gelände gemischt worden. Dabei habe es etwa doppelt so viele Probeentnahmen im Rahmen von Qualitätskontrollen wie vorgeschrieben gegeben. Diese hätten keine Hinweise auf minderwertige Qualität oder Abweichungen in der Zusammensetzung des Betons erbracht. Auch am Bauwerk selbst stellten die Experten keine Auffälligkeiten fest.

Kraftwerk Neckarwestheim: Keine Hinweise auf Schrottbeton
REUTERS

Kraftwerk Neckarwestheim: Keine Hinweise auf Schrottbeton

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüft Anschuldigungen ehemaliger Mitarbeiter eines Betonunternehmers aus der Region, wonach dieser verdächtigt wird, für mehrere Großbauten minderwertigen Beton geliefert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt Berichten zufolge bereits seit Mitte 2007 gegen den 40-Jährigen wegen Betrugsverdachts. Der Vorwurf kam aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. Weil die Firma auch für den Bau des Brennelemente-Zwischenlagers Beton geliefert haben soll, hatte das Umweltministerium am Donnerstag kurzfristig Experten beauftragt, dem Verdacht nachzugehen.

Der Energiekonzern EnBW Chart zeigen, der das Atomkraftwerk betreibt, teilte mit, dass es ein "sehr engmaschiges Kontrollnetz" gegeben habe und die Qualität des Betons nicht nur vom Lieferanten, sondern auch von einem Ingenieurbüro und einem unabhängigen Institut in Berlin überprüft worden sei. Außerdem sei der Bau des Zwischenlagers von einem Sachverständigen begleitet worden. Eine Manipulation des Betons sei "so gut wie ausgeschlossen".

Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) erinnerte derweil an die Bauarbeiten am finnischen Reaktor Olkiluoto, die im vergangenen Jahr wegen einer vorschriftswidrigen Betonmischung bei der Fundamenterstellung unterbrochen worden seien. Der Beton in einer atomaren Anlage müsse jahrzehntelangen enormen Belastungen und aggressiven Chemikalien standhalten. "Jeder Pfusch am Bau kann zu einem GAU führen", mahnte Kotting-Uhl.

Auch die baden-württembergische Grünen-Fraktion gab sich mit der vorläufigen Entwarnung nicht zufrieden. Sie forderte eine genaue Überprüfung und kündigte einen parlamentarischen Antrag hierzu an. Es handle sich schließlich "nicht um den Neubau einer Pommesbude". Die SPD-Landtagsfraktion verlangte, bis zur abschließenden Klärung der Gebäudefestigkeit alle Einlagerungen in dem Zwischenlager zu stoppen. Zuvor hatte bereits ein Bündnis aus Kernkraftgegnern einen Stopp der Castorlagerung gefordert.

kaz/ddp/dpa



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