Schuh-Dynastie Der Fall der Susanne Birkenstock

Als Susanne Birkenstock, Ex-Frau des bekannten Schuhfirma-Erben, ihr eigenes Unternehmen aufmachte, wurde sie mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht. Greifbare Erfolge konnte sie indes kaum vorweisen. Nun hat ihre Firma Insolvenz anmelden müssen.


Düsseldorf - SB International, das Unternehmen der Schuhdesignerin, hat die Insolvenz beim Amtsgericht Bonn bereits beantragt. Der zuständige Insolvenzverwalter Christian Frystatzki sagte aber, dass es noch Hoffnung gebe, die Insolvenz doch noch abzuwenden, wenn eine spanische Hersteller- und Lieferfirma mitziehe.

Susanne Birkenstock: 200 Mitarbeiter - oder doch nur fünf?
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Susanne Birkenstock: 200 Mitarbeiter - oder doch nur fünf?

Frau Birkenstock, die geschiedene Frau des Schuherben Christian Birkenstock aus der traditionsreichen Sandalen-Dynastie, hatte sich bereits vor dem Antrag als Geschäftsführerin austragen lassen. Sie gehört dem Unternehmen aber laut Frystatzki weiter als Gesellschafterin an.

Damit endet vorerst eine Unternehmerinnen-Laufbahn, die für reichlich Medienaufmerksamkeit gesorgt hatte. So zählte die "Wirtschaftswoche" Birkenstock zu den "35 jungen Deutschen unter 35, die eine Superkarriere gemacht haben und schon heute zur Elite des Landes zählen". Für die ARD war Birkenstock, geborene Papenbrok, "Deutschlands bekannteste Jungunternehmerin."

Schuld an dem Insolvenzantrag seien ausbleibende Zahlungen der Firma OTC International AG (Bayern), sagte Frystatzki heute. Sie sei der Vertriebspartner für die Schuhe, die Frau Birkenstock in Spanien von der Firma Calzados Marclop herstellen lasse. OTC wiederum habe mit Nici, dem Hersteller des WM-Maskottchens Goleo, Geschäftsbeziehungen, der ebenfalls Insolvenz angemeldet hat.

Wegen der seit Monaten ausbleibenden Zahlungen von OTC habe SB International derzeit auch kein Geld, die spanische Lieferfirma zu bezahlen. Diese wiederum stoppte die Lieferungen. Wenn Marclop seine Forderungen gegen SB International stunde, dann entfalle auch der Insolvenzgrund. Bei einer Insolvenz hätten die Spanier dagegen keine finanziellen Vorteile.

Große Pläne, wenig Erfolge

Der Hauptaktionär und Vorstand von OTC, Thomas Issa, sieht das anders. Er spricht gegenüber dem "Handelsblatt" davon, dass Birkenstock "mit großen Versprechungen an ihn herangetreten ist". Doch dann sei keine Kampagne, kein Launch erfolgt.

Wunsch und Wirklichkeit klafften bei Birkenstock, die einer breiten Öffentlichkeit durch ihre Auftritte in Talkshows bekannt geworden war, schon oft auseinander. Vielmals hatte sie große Projekte angekündigt, von denen später nie wieder gesprochen wurde. Im Sommer 2004 etwa wurde die baldige Serienreife eines edlen Turnschuhs angekündigt. Und im Frühjahr 2005 sagte sie, dass bald eine Reitstiefelkollektion auf den Markt gebracht werden solle.

Auf die Frage vom "manager magazin", wie viele Mitarbeiter sie denn beschäftige, erwiderte sie vor einigen Monaten: "Rund 200". Ob das alles eigene Mitarbeiter seien? Tatsächlich seien es "nur fünf", korrigierte sie sich da. Auch bei der Frage, wo genau sie ihre Sandalen, die gegen Cellulitis helfen sollen, verkaufen würde, sprach sie nur allgemein vom "Schuhfacheinzelhandel".

Lästiger Streit mit der Familie ad acta

Bis 2005 hatte Birkenstock sich mit ihrem Ex-Ehemann und dessen Brüdern, den Geschäftsführern des bekannten Sandalenherstellers, einen Rechtsstreit um Markenrechte geliefert. Damals hatte sie zugestimmt, "Beautystep" nicht mehr prominent mit ihrem Familiennamen zu bewerben. Die Firma Birkenstock hatte befürchtet, der bekannte Name könne zu Werbezwecken genutzt werden, obwohl die Schuhe nichts mit den Gesundheitssandalen des Traditionsunternehmens zu tun haben.

Susanne Birkenstock hatte ihren vollen Namen damals auch im Unternehmensnamen genannt – sehr zum Missfallen ihres Ex-Mannes und seiner Familie. Inzwischen hat sie eine Unterlassungserklärung abgegeben, mit der sie die Ansprüche der Gegenseite voll anerkennt. Der Firmenname wurde in "SB International" eingedampft. Die Firma Birkenstock hatte nach diesem Erfolg von Schadenersatzforderungen Abstand genommen.

itz/mm.de/dpa/AP



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