Schuldenkrise Papst warnt vor blindem Vertrauen in Finanzmärkte

Man dürfe sich den Märkten nicht "bedingungslos" unterwerfen: Papst Benedikt warnt zu Beginn seiner Afrika-Reise vor blindem Vertrauen in die Gesetze der Finanzwirtschaft. Mit Spannung wird außerdem erwartet, ob er sich erneut zur Lockerung des Kondomverbots äußert.

DPA

Kapstadt/Cotonou - Papst Benedikt XVI. hat die Staaten Afrikas vor blindem Vertrauen in die Finanzmärkte gewarnt. Zwar müssten sich die Länder modernisieren, dies dürfe jedoch nicht um jeden Preis geschehen, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Freitag im westafrikanischen Benin.

"Der Übergang in die Moderne muss von klaren, auf anerkannten Werten basierenden Kriterien begleitet werden", sagte Benedikt XVI. zu Beginn seines dreitägigen Afrikabesuchs. Den Gesetzen des Marktes und der Finanzwirtschaft dürfe man sich nicht "bedingungslos" unterwerfen, forderte er.

Neben den zerstörerischen Kräften der Märkte warnte der Papst vor innerreligiösen Auseinandersetzungen und Stammeskonflikten. Dabei würdigte er die Rolle der traditionellen Stammes-Häuptlinge, die mit "ihrer Weisheit und ihrer Kenntnis der Gebräuche am schwierigen Übergang von der Tradition zur Moderne mitwirken" sollten. Benin müsse sich aber vor einem "verbitterten und unfruchtbaren Tribalismus" hüten, der mörderisch werden könne.

Zugleich wandte sich der Papst an den Westen und kritisierte, dass trotz zahlreicher Konferenzen und Hilfsversprechen viele Afrikaner immer noch in großer Armut und Not lebten. Häufig seien Worte größer als Taten, und man müsse sich fragen, warum dies der Fall sei, gab der Papst zu bedenken.

Bestärkt Benedikt XVI. die Lockerung des Kondomverbots?

Vor seiner Abreise in Rom wurde Benedikt XVI. vom neuen Chef der italienischen Übergangsregierung, Mario Monti, verabschiedet. In Benin begrüßten hunderte Menschen den 84-Jährigen am Flughafen der Wirtschaftsmetropole Cotonou am Golf von Guinea. Auf ihre Kleider, Tücher und Schirme hatten sie das Konterfei des Papstes gedruckt. Es ist der zweite Besuch des Oberhaupts der katholischen Kirche in Afrika während seiner bisherigen rund sechseinhalbjährigen Amtszeit.

Es wird erwartet, dass sich der Papst in Benin auch erneut zur Nutzung von Kondomen äußert - das Thema ist in Afrika stark umstritten. Die ablehnende Haltung des Vatikans in dieser Frage hatte der Papst im vergangenen Jahr nur unwesentlich gelockert.

Auf dem Kontinent leben rund 70 Prozent aller weltweit mit dem HI-Virus infizierten Menschen und gut 15 Prozent aller knapp 1,2 Milliarden Katholiken. Während Benedikts Rede vor dem deutschen Bundestag im September hatten sich Papst-Kritiker eine rote Aids-Schleife an ihre Kleidung gesteckt.

bos/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 25 Beiträge
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glaubblosnix 18.11.2011
1. Hää,
Zitat von sysopMan dürfe*sich den Märkten*nicht "bedingungslos" unterwerfen: Papst Benedikt warnt zu Beginn seiner Afrika-Reise vor blindem Vertrauen in die*Gesetze der*Finanzwirtschaft.*Mit Spannung wird erwartet, ob er sich erneut zur*Lockerung des Kondomverbots*äußert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,798719,00.html
Lockerung des Kondomverbotes für die Finanzmärkte, obwohl man den Finanzmärkten nicht vertrauen soll? Bin ich Papst oder Journalist?
Daniel Hoogland, 18.11.2011
2. Ratzinger sollte das Maul halten
Eine Katholishe Kirche, die mit ihren globalen Machenschaften dieselbe Praktiken hegt wie eine diktatorische Bananenrepublik, sollte sich gefälligst nicht allzu laut einmischen in gerade dieser moralischen Diskussion. Frei nach dem Motto, man sollte nicht Steine werfen wenn man in einem Glashaus.... In Schweden ist man soweit, überschüssige Kirchen mittels Dynamit zu beseitigen, ich finde das eine gute Lösung. Als Zeichen des Trends...nur weiter so.
Edelweiß 18.11.2011
3. Salvation
Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat. Und du sollst keine anderen Götter neben mir haben ... Nicht mal die Finanzmärkte. Wenn der Papst bzw. die röm.-kath. Kirche die übrigen neun Gebote wenigstens halb so ernst nehmen wollte wie dieses eine, erste, dann könnte es vielleicht so was wie Erlösung geben.
Stauss 18.11.2011
4. Wer vertraute denen denn?
Der Papst? Der ist doch selbst u.a. Banker.
bestpiet 19.11.2011
5. Papst ist unermüdlich im Einsatz...
ich finde toll, was er macht, gegen den Zeitgeist für die Menschlichkeit, für die Liebe, für die Wahrheit. Foristen wie Daniel sind des Hasses ... und mit Hass und Wut lässt sich kein vernünftiger Gedanke fassen. Kommt doch bitte mal raus aus Eurer Pubertät... und schaltet Euer Hirn ein. Dann erschliesst sich: Die christliche Botschaft kann den Menschen grösser machen, ihn rausholen aus dem primitiven Primat der Triebbefriedigung... an den Aktienmärkten und im Sexualleben... Und liebe Kritiker.... kommt mir nicht jetzt meterweise mit Euren Dauerklischees... Pille gegen Überbevölkerung, Kondome gegen Aids... etc... Das muss sich hier keiner antun... Bin doch sehr gespannt...
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