Schwache Konjunktur Handelsverband warnt vor Ladensterben

Die Insolvenz der Kaufhauskette Woolworth schreckt die Einzelhändler in Deutschland auf: Der Branchenverband HDE warnt vor Tausenden weiteren Pleiten - und plädiert für niedrigere Ladenmieten.


Essen/Berlin - Im deutschen Einzelhandel grassiert die Furcht vor einer Pleitewelle: Angesichts der Insolvenzverfahren bei Woolworth und Hertie fordert der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) niedrigere Mieten und warnt vor weiteren Zusammenbrüchen.

Kunde bei Woolworth: "Händler strecken die Waffen"
DPA

Kunde bei Woolworth: "Händler strecken die Waffen"

"Die Mieten sind das Problem, das vielen Einzelhändlern jetzt das Genick bricht", sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". Nicht nur große Kaufhausketten steckten derzeit in der Krise. "5000 mittelständische Einzelhändler werden in diesem Jahr die Waffen strecken. Über die redet niemand." Deshalb müssten Immobilienbesitzer die Mieten senken und die Politik die 2008 eingeführte Besteuerung von Mieten wieder abschaffen.

Auch Jörg Lehnerdt vom Beratungsunternehmen BBE Retail Experts plädiert dafür, verstärkt auf flexible Mieten zu setzen. "Es wäre gut, wenn die Immobilienbesitzer - wie in vielen Einkaufszentren - umsatzabhängige Mieten verlangten." Sowohl bei Hertie wie auch bei SinnLeffers machten die Insolvenzverwalter zuletzt auch hohe Kosten für die Flächen für die jeweilige Schieflage verantwortlich.

Warnstreikdrohung im Handel

Ungeachtet der Probleme im Einzelhandel steht die Branche offenbar vor einem Arbeitskampf: In der laufenden Tarifauseinandersetzung stellt sich die Gewerkschaft Ver.di auf Warnstreiks ein. "Erste Anträge auf Warnstreiks liegen uns bereits vor. Das heißt, wenn es sein muss, starten wir noch im April", sagte die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane der Tageszeitung "Die Welt".

Derzeit werden zeitgleich die Tarife für den Groß- und den Einzelhandel verhandelt. Die Gewerkschaft fordert im Schnitt mehr als sechs Prozent Einkommenszuwächse. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt.

Mönig-Raane kündigte "phantasie- und effektvolle Aktionen" an. "Wenn im Lager des Großhändlers wegen Arbeitskampfmaßnahmen kein Lkw rausgeht, kommt im Einzelhandelsladen auch keine Ware an. Da können wir mit wenig Aufwand viel erreichen." Die Unternehmen könnten sich trotz der Krise deutliche Lohnaufschläge leisten, sagte die Gewerkschafterin. "Die Krise hat den Handel doch noch gar nicht erreicht. Edeka und Rewe, Aldi, Lidl, Kaufland geht es zum Beispiel richtig gut."

suc/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.