Schwache US-Konjunktur Greenspan sieht USA in Rezession

Klare Worte vom ehemaligen Chef der Fed: Laut Greenspan stecken die USA mitten in einer Rezession. Der gedämpfte Konsum und die schwächelnde Produktion sprächen eindeutig dafür. Allein, wie schwer sie ausfallen werde, könne man noch nicht sagen.


Washington - Die Rezession ist längst da: Im Gegensatz zu den amtierenden Spitzenleuten der US-Notenbank, findet ihr ehemaliger Chef eindeutige Worte. "Die Verbraucher beginnen sich zurückzuhalten, der Automarkt schrumpft, die Produktion fängt an nachzulassen, und wir erleben die Geburtswehen einer Rezession", sagte Greenspan. Wie schwer sie ausfalle, könne man noch nicht sagen. Erst wenn sich der US-Immobilienmarkt erhole, könne sich die Wirtschaft wieder fangen.

Alan Greenspan: Weist Schuld an dem Debakel zurück
REUTERS/Meet The Press/Alex Wong

Alan Greenspan: Weist Schuld an dem Debakel zurück

In Deutschland wird von einer Rezession gesprochen, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft. In den USA stellt dagegen das private Wirtschaftsforschungsinstitut "National Bureau of Economic Research" (NBER) fest, ob eine Rezession vorliegt oder nicht.

Greenspan wies erneut jede Mitschuld an dem Debakel zurück. Er bedaure nichts. Es sei unfair, die Fed für die Blase am Immobilienmarkt mitverantwortlich zu machen. Kritiker werfen Greenspan vor, mit billigem Geld auch weniger solvente Amerikaner zum Häuserkauf verleitet zu haben. Die Notenbank hatte ihren Leitzins nach den Terroranschlägen von 2001 bis auf ein Prozent gesenkt, um so günstige Kredite für Konsumenten und Unternehmen zu ermöglichen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Auch diesmal reagiert die Federal Reserve mit massiven Zinssenkungen auf die Konjunkturschwäche. Seit Mitte September wurde der Leitzins von 5,25 auf 2,25 Prozent gesenkt. An der Wall Street wird erwartet, dass die Notenbank ihren Leitzins noch weiter senkt.

Nicht zuletzt, weil die Fed im ersten Halbjahr mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung rechnet. Ein "längerer und starker wirtschaftlicher Abschwung kann nicht ausgeschlossen werden", hieß es in einem veröffentlichten Protokoll der März-Sitzung des Offenmarktausschusses. Dieser entscheidet über den Leitzins. Grund sei der erschwerte Zugang zu Krediten. Auch halte die Schwäche am Immobilienmarkt an.

Mit Spannung wird an den Märkten die für den Nachmittag angekündigte Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke in Washington erwartet. Die Fed erarbeitet derzeit Vorschläge, damit sie im Notfall die Kapitalmärkte noch stärker mit Geld versorgen kann als bislang. Die Fed prüft unter anderem, ob sich das Finanzministerium möglicherweise mehr Geld als benötigt leihen kann, um den Überschuss der Notenbank zur Verfügung zu stellen.

Die Sorge vor einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft drückte teilweise die Stimmung an den Börsen von Asien bis Europa. Der deutsche Aktienmarkt präsentierte sich uneinheitlich: Der Dax drehte zwischenzeitlich ins Plus, fiel bis zum Nachmittag aber wieder leicht auf zeitweise 6765 Punkte.

In Asien wurden die Sorgen durch die Gewinnwarnung der größten US-Spar- und Darlehenskasse Washington Mutual bestärkt. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 1,1 Prozent auf 13.111 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,5 Prozent auf 1262 Zähler. Auch an den Aktienmärkten in Südkorea, Hongkong und Singapur lagen die Indizes im Minus. Die Börse in Taiwan zeigte sich wenig verändert.

Die US-Börsen sind mit geringen Kursveränderungen in den Handel gestartet. Die Citigroup konnte mit einem großen Kreditverkauf die Sorgen ein wenig zerstreuen, dass die Konjunkturflaute die Gewinne der Bank kräftig schmälern wird. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg in den ersten Handelsminuten um 0,1 Prozent auf 12.590 Punkte.

sil/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.