Schwacher Ausblick Börsianer lassen VW-Aktie fallen

VW-Chef Bernd Pischetsrieder hat die Chance nicht genutzt, bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns Optimismus zu verbreiten. Im Gegenteil - er kündigte für 2004 ein miserables erstes Quartal an, was den Aktienkurs sofort in die Tiefe riss.


VW-Chef Pischetsrieder: "Im Vergleich zum Vorjahr miserabel"
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VW-Chef Pischetsrieder: "Im Vergleich zum Vorjahr miserabel"

Wolfsburg - Wegen der hohen Kosten für neue Modelle wie etwa den Audi A6, den SEAT Altea und den Skoda Octavia stehe schon jetzt fest, "dass das erste Quartal im Vergleich zum Vorjahr miserabel wird", sagte Pischetsrieder. Der Konzernchef rechnet in naher Zukunft nicht mit einem Anspringen der Autokonjunktur. Die gesamte Automobilbranche sei in der Vergangenheit zu optimistischen Markprognosen gefolgt. "Wir müssen in Betracht ziehen, dass sich die Rahmenbedingungen auf absehbare Zeit nicht signifikant verbessern", so der VW-Chef.

Die negativen Worte verfehlten ihre Wirkung an der Börse nicht. Kurz nach 10.00 Uhr brach der Kurs der VW-Aktie Chart zeigen um mehr als dreieinhalb Prozent ein, sie notierte damit weit abgeschlagen am Ende des Dax, der etwa ein Prozent ins Minus rutschte. "Der Ausblick war mehr als schlecht", begründete ein Frankfurter Händler die Kursverluste. Bis zum frühen Nachmittag erholte sich die VW-Aktie nur leicht und blieb mit 38,10 Euro mehr als drei Prozent unter Vortagesniveau.

Europas größter Autobauer forciert angesichts der schwachen Autokonjunktur, der Belastungen durch den hohen Euro-Kurs und der zunehmenden Rabattschlacht seinen Sparkurs. Mit dem Programm "ForMotion" will der Volkswagen-Konzern nach Pischetsrieders Worten seine Anstrengungen verdoppeln und die Kosten bis Ende 2005 um rund zwei Milliarden Euro zusätzlich senken. Bisher hatte VW für dieses und das kommende Jahr je eine Milliarde Euro als Sparziel ausgegeben.

Durch Vorruhestandsregelungen in Deutschland und natürliche Fluktuation weltweit soll die Mitarbeiterzahl von derzeit 335.000 jährlich um rund 3,5 Prozent verringert werden. Dies ist nach Angaben des VW-Chefs allerdings nicht mit einem Einstellungsstopp verbunden. Es sei jedoch geplant, nur 20 Prozent der Abgänge zu ersetzen, so dass die Belegschaft im Automobilbereich weltweit effektiv um etwa 5.000 Mitarbeiter verringert werde. Dies soll die Kosten bis Ende 2005 um rund 600 Millionen Euro drücken. Den höchsten Beitrag zur Ergebnissicherung soll die Produktion beitragen. "Wir werden Herstellkosten reduzieren und dabei aber die Vielfalt des Produktangebots erhalten", sagte Pischetsrieder. Als Beispiele nannte er die verstärkte Verwendung von Gleichteilen in unterschiedlichen Modellreihen. Das zusätzliche Potenzial zur Senkung der Produktkosten beziffert er auf 800 Millionen Euro.

Schlechte Bilanz: 2003 musste VW wegen Ertragsproblemen erstmals in der Firmengeschichte die Dividende kürzen
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Pischetsrieder sagte, trotz des zunehmenden Preisdrucks und ungünstiger Wechselkurse solle das Ergebnis vor Sondereinflüssen des vergangenen Jahres von 2,5 Milliarden Euro wieder erreicht werden. Dies sei allerdings ein "anspruchsvolles Ziel". 2003 hatten Milliardenlasten das operative Ergebnis um 63 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro gedrückt. Dabei schlugen den Angaben von VW zufolge 133 Millionen Euro allein für die Restrukturierung des Brasilien-Geschäfts zu Buche. Außerdem musste Volkswagen im Luxussegment seine Entwicklungskosten neu bewerten und 578 Millionen Euro abschreiben. Zudem schmälerten negative Währungseffekte von über einer Milliarde Euro die VW-Bilanz.



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