Schwacher Außenhandel Exporteure erwarten stärksten Einbruch seit 60 Jahren

Schlechte Aussichten für den deutschen Export: Der Außenhandelsverband erwartet in diesem Jahr einen Rückgang um bis zu 15 Prozent - fast doppelt so viel wie bisher geschätzt. Immerhin schrumpft die Industrie in der Euro-Zone langsamer als in den vergangenen Monaten.


Berlin/Wiesbaden - "Der jähe Einbruch zum Jahresende 2008 wird noch länger andauern": Mit diesem düsteren Ausblick fasst Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, die Erwartungen der Branche zusammen. In Berlin hat der Verband seine Prognose für das laufende Jahr vorgestellt - und die ist alles andere als beruhigend.

Hamburger Hafen: Deutschland könnte Exportweltmeister bleiben
AP

Hamburger Hafen: Deutschland könnte Exportweltmeister bleiben

Demnach trüben sich die Aussichten für den Exportweltmeister Deutschland in der weltweiten Wirtschaftskrise drastisch ein. Der BGA erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang der Ausfuhren um bis zu 15 Prozent - das wäre das stärkste Minus seit Gründung der Bundesrepublik vor 60 Jahren. Bislang war der BGA von einem Rückgang der Ausfuhren von rund acht Prozent ausgegangen.

Die Importe dürften 2009 um acht Prozent zurückgehen - damit würde der Außenhandelsüberschuss auf 93 Milliarden Euro sinken, teilte der BGA weiter mit. Im vergangenen Jahr hatte es noch ein fast doppelt so großes Plus von 176,2 Milliarden Euro gegeben.

Die Exportschwäche werde den Abschwung in Deutschland verschärfen. Der BGA erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 bis vier Prozent. Die Commerzbank hatte am Montag sogar ein Minus von bis zu sieben Prozent prognostiziert. Damit leidet Deutschland besonders stark unter der Krise.

"Dennoch hat Deutschland gute Chancen, den Titel des Exportweltmeisters weiter zu verteidigen, da die chinesischen - wie auch die japanischen - Exporte ebenfalls stark eingebrochen sind und unten bleiben", sagte BGA-Präsident Börner. Damit die Weltwirtschaft wieder anspringe, müsse die Finanz- und Vertrauenskrise gelöst werden. Dazu sei die Bereinigung der Bankbilanzen von den "giftigen" Wertpapieren unumgänglich.

WTO sagt Rückgang der Weltwirtschaft voraus

Im vierten Quartal 2008 gingen die deutschen Ausfuhren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um sechs Prozent zurück. Vor allem das Geschäft mit Handelspartnern in der Europäischen Union lief dabei schlechter - hier belief sich das Minus auf 9,1 Prozent.

Die Welthandelsorganisation WTO sagte am Montag einen Einbruch des Welthandels um neun Prozent voraus - das wäre das größte Minus seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 habe sich der Welthandel drastisch verlangsamt, schrieben die Experten.

Nach Berechnungen der Organisation legte die Weltwirtschaft 2008 insgesamt um 1,7 Prozent zu, nach 3,5 Prozent im Vorjahr. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit einem Rückgang von ein bis zwei Prozent. Dies sei der erste Rückgang seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Erste Anzeichen für eine Besserung gibt es indes in der Euro-Zone. So verliert der Abschwung laut einer Umfrage etwas an Schärfe. Zwar schrumpften im März die Geschäfte sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Allerdings nahm das Tempo des Rückgangs laut vorläufigen Daten etwas ab.

Noch weit von Wachstum entfernt

Dafür schlägt der Konjunktureinbruch nun voll auf den Arbeitsmarkt durch: Der Stellenabbau fiel so stark aus wie nie zuvor. Die Daten deuteten auf das schwächste Quartal seit Einführung der Umfrage hin, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Dennoch entwickeln sich einige Hoffnungsschimmer."

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie entfernte sich von seinem Umfragetief von 33,5 Punkten und stieg auf 34,0 Zähler. Dabei drosselten die Firmen ihre Produktion erneut, aber nicht mehr so stark wie in den vorangegangenen vier Monaten. Auch ging die Nachfrage nach den Produkten weiter zurück, aber ebenfalls mit gedrosseltem Tempo.

Bei den Dienstleistern bremste sich der Abschwung ebenfalls etwas ab, der Einkaufsmanagerindex stieg von seinem Umfragetief von 39,2 Zählern auf 40,1 Punkte. Die Firmen blickten insbesondere mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft, auch der Auftragseingang ging nicht mehr ganz so stark zurück wie im Vormonat. Dennoch sind die Barometer noch weit von der Wachstumsschwelle entfernt - diese liegt bei 50 Zählern.

wal/Reuters/dpa-AFX/AP

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.