Schwacher Dollar IfW senkt Wachstumsprognose für Deutschland, Börsen auf Talfahrt

Zu stark: Der teure Euro wird der deutschen Wirtschaft bald schwer zu schaffen machen, sagen Wissenschaftler des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Die Wachstumsprognose für 2009 haben sie drastisch gesenkt. Auch an den internationalen Börsen ist die Stimmung mies.


Kiel - Schlimme Aussichten: Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Wachstumsprognose für 2009 von 1,6 Prozent auf maue 1,2 Prozent gesenkt. Als Ursachen nennen die Wissenschaftler die Aufwertung des Euro und nachlassende Impulse aus dem Ausland. "Zwar sprechen Indikatoren dafür, dass die Produktion mit viel Schwung in das Jahr 2008 gestartet ist; im weiteren Jahresverlauf dürfte die Dynamik jedoch rasch nachlassen", schreiben die Autoren.

Börsianer in Frankfurt: Die Wirkung der US-Geldspritze ist verpufft
DPA

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Heute morgen ist der Eurokurs erstmals über die Marke von 1,56 Dollar geklettert. Seit dem Beginn der US-Hypothekenkrise hat die Gemeinschaftswährung damit über 20 Cent oder 15 Prozent an Wert gewonnen. Schuld am Wertverfall des Dollar sind Experten zufolge die Angst vor einer US-Rezession sowie die kräftigen Zinssenkungen der Federal Reserve Bank. Die jüngste Rekordjagd des Euro begründete die Devisenexpertin Tomoko Fujii von der Bank of America Chart zeigen so auch damit, dass kommende Woche eine weitere Zinssenkung um mindestens 0,50 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent erwartet wird.

Von dem schwachen Dollar und der kriselnden US-Konjunktur ist Deutschland als Exportnation besonders betroffen. Doch die Wissenschaftler vom IfW sehen noch andere Konjunkturrisiken - etwa zu hohe Lohnsteigerungen. "Dies würde vorerst das Ende des Aufschwungs bedeuten und sogar die Wende zum Schlechteren einläuten, sollte der Anstieg der Löhne über das Maß hinausgehen, das durch den Verteilungsspielraum gegeben ist."

Immerhin: Der private Konsum wird in Deutschland trotz der Risiken zunehmen, glauben die Ökonomen. Auch das real verfügbare Einkommen werde steigen. Die Arbeitslosenquote geht den Berechnungen zufolge im nächsten Jahr auf drei Millionen zurück. Für 2008 sagt das IfW ein Wachstum von 1,9 Prozent voraus.

Angespannt ist die Stimmung trotzdem - und das nicht nur in Deutschland, sondern auch an den internationalen Börsen.

Die Sorge vor einem weiteren Abrutschen der US-Wirtschaft und einer erneuten Senkung der Zinsen in den USA ließ die Werte an den Aktienmärkten abrutschen. Der japanische Nikkei Chart zeigen sackte um 3,33 Prozent auf 12.433,44 Punkte ab. Auch in China verbuchten die Börsen starke Verluste. Der Shanghai Composite Index gab 2,43 Prozent nach und rutschte erstmals seit sieben Jahren unter die Marke von 4000 Zählern. Der Shenzhen Composite Index der kleineren Börse in Chinas Süden verlor 2,82 Prozent. In Hongkong brach der Hang Seng Index um 4,8 Prozent ein. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigenfiel am Vormittag um 2,5 Prozent auf 3556 Punkte. Der Dax Chart zeigen rutschte bis zum Mittag um 2,7 Prozent auf 6450 Punkte ab. Der Dow Jones Chart zeigenwar gestern um 0,38 Prozent auf 12.110,24 Punkte gesunken.

Zwei Tage nach der gemeinsamen Hilfsaktion führender Notenbanken scheint die Wirkung der milliardenschweren Finanzspritze für Geschäftsbanken bereits wieder verpufft zu sein. Am Dienstag hatte die US-Notenbank Federal Reserve zusammen mit anderen Zentralbanken, darunter auch die Europäische Zentralbank (EZB), rund 200 Milliarden Dollar Liquidität zur Verfügung gestellt.

ase/dpa/dpa-Afx



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