Schwächephase US-Konjunktur bricht überraschend stark ein

Das Image der US-Wirtschaft als Konjunkturlokomotive für die gesamte Welt hat einen empfindlichen Kratzer bekommen. Wegen eines dramatischen Einbruchs im letzten Quartal mussten die Wachstumswerte für das vergangene Jahr deutlich nach unten korrigiert werden.


Washington - Wie das Handelsministerium in Washington am Freitag unter Berufung auf vorläufige Schätzungen mitteilte, lag das Plus im Gesamtjahr 2005 bei 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Vorjahr. Nach unten gedrückt wurde das Jahresergebnis durch eine Ballung wachstumshemmender Faktoren zwischen Oktober und Dezember: schwache Binnennachfrage, zurückhaltende Investitionen von Firmen sowie ein Rückgang öffentlicher Ausgaben. Die Konjunktur legte im vierten Quartal nur um 1,1 Prozent zu - das schwächste Ergebnis seit drei Jahren.

Die Analysten wurden von den Zahlen überrascht. Sie hatten mit einem Wachstum von 2,8 Prozent in den letzten drei Monaten des Jahres gerechnet. "Die Entwicklung steht im krassen Widerspruch zu den Daten der letzten Monate", sagte Commerzbank-Experte Patrick Franke. Seine erste Analyse: Der Energiepreisschub nach den Hurrikans habe den Konsum gedämpft. Darüber hinaus seien die Ausrüstungsinvestitionen so schwach wie zuletzt im ersten Quartal 2003.

Im dritten Quartal hatte die Konjunktur noch um 4,1 Prozent im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zugelegt. Besonders auffällig war im vierten Quartal die Schwäche der Binnennachfrage, die gerade einmal um 1,1 Prozent zunahm - im dritten Quartal lag sie noch bei 4,1 Prozent. Der Konsum der Privathaushalte gilt als Motor der US-Wirtschaft. Auch der Zuwachs der privaten Immobilieninvestitionen ließ deutlich nach - von 7,3 Prozent im dritten auf 3,5 Prozent im vierten Quartal.

Export-Rate enttäuscht

Enttäuschend seien im vierten Quartal vor allem die schwachen Exporte, während der relativ robuste Konsum ein anhaltend hohes Wirtschaftswachstum signalisiere, sagte DekaBank-Expertin Widmann. Bei der 2. Veröffentlichung zum 4. Quartal sei insbesondere bei den Werten für die Investitionen eine Aufwärtsrevision "gut möglich".

Auch Finanzminister John Snow sieht in den schwachen Konjunkturdaten für das vierte Quartal eher als Ausreißer. Die US-Wirtschaft expandiere weiterhin auf solider Grundlage sagt er. Die Basisdaten deuteten auf "einen fortgesetzten starken Auftritt" in diesem Jahr hin.

Die Zahlen dürften allerdings die Spekulationen darüber anheizen, ob die US-Notenbank Fed auf ihrer Sitzung am kommenden Dienstag den Kurs der moderaten Zinssteigerungen fortsetzen wird.

Allerdings erhöhte sich auch der Inflationsdruck. Die so genannte Basisinflationsrate - in der die Kosten für Ernährung und Energie nicht eingerechnet sind - stieg im vierten Quartal um 2,2 Prozent, nach 1,4 Prozent in den vorherigen drei Monaten. Unter Einrechnung von Ernährung und Energie sank die Preissteigerungsrate dagegen von 3,7 auf 2,6 Prozent.



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