Zur Ausgabe
Artikel 37 / 113
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Banken Schwarzgeld gebunkert

Einer Hamburger Bank droht das Ende - Rache eines entlassenen Angestellten.
aus DER SPIEGEL 4/1995

Bei der Mody Privatbank in Hamburg ging es Anfang vergangener Woche so geschäftig zu wie nie zuvor. Die Kunden drängten sich vor dem einzigen Schalter der kleinen Bank und räumten ihre Konten ab.

Tags darauf war kein Geld mehr da; am Dienstag nachmittag gingen die Eisengitter vor dem Eingang hoch. Die Bank war wegen Zahlungsunfähigkeit geschlossen.

Der Ansturm auf die Konten - und damit vermutlich auch das Ende des Kreditinstituts - war von einem Mann ausgelöst worden, den die Bank im Herbst 1993 fristlos entlassen hatte. Der Generalbevollmächtigte Otto Wiedemann ging damals, wie sich Mody-Vorstandsmitglied Klaus Schweisfurth erinnert, mit dem Satz: »Ihr werdet noch sehen, ihr werdet alle arbeitslos.«

Das scheint ihm zu gelingen. Kurz vor Weihnachten legte Wiedemann einen Wechsel von Arend und Katarina Mody vor, der prompt platzte. Anschließend wandten er und sein Anwalt Rolf Thiel sich an Redaktionen, denen Wiedemann für eine sechsstellige Summe Informationen anbot: seinen Krach mit dem Banker.

Die zivilrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Wiedemann und dem Ehepaar Mody haben zwar nichts mit der Bank zu tun, an der Arend Mody eine Beteiligung von weniger als zehn Prozent hält. Doch vergangene Woche erschien Focus mit der Schlagzeile »Hamburger Privatbank in Not: Kunden zittern um ihr Geld.« Dadurch geriet die Bank tatsächlich in Not.

Otto Wiedemann hat sein Handwerk bei der Deutschen Bank in Frankfurt gelernt. Als er Anfang der achtziger Jahre seinen Job aufgab, war er ein reicher Mann.

Prokurist Wiedemann war damals bei der Deutschen Bank Depotverwalter und Chef der »Anlageberatung Golf«. In einer solchen Position kann einer, bevor er die Aktienkäufe der Ölscheichs ausführt, vorab Papiere kaufen, deren Wert dann rapide in die Höhe geht, wenn durch die massive Nachfrage aus den Golf-Staaten die Kurse anziehen.

Frontrunning nennen Banker jenen unsauberen, doch gern geübten Brauch. Wie Wiedemann seine Millionen gemacht hat, verrät er nicht - es war jedenfalls Geld, von dem weder das Finanzamt noch Ehefrau Eugenie etwas wußten.

Einen Teil seines Schwarzgelds hatte Wiedemann bei der Hamburger Privatbank Conrad Hinrich Donner gebunkert, nach Insiderschätzungen lagen dort 18 bis 20 Millionen Mark.

Bei Donner lernte der wohlhabende Kunde den Generalbevollmächtigten Arend Mody kennen, einen sehr selbstsicher auftretenden Mann, der als begnadeter Aquisiteur galt. Dank Mody ging das Kreditvolumen bei Donner in die Höhe, doch leider hatte der Generalbevollmächtigte in seinem Drang nach Umsatz auch manchen Kunden angeschleppt, der seine Kredite nicht zurückzahlen konnte.

Mody mußte gehen, doch er hatte bereits die Gründung einer eigenen Bank vorbereitet, und wichtigster Geldgeber war der Donner-Kunde Wiedemann. 6 Millionen Mark habe er von Wiedemann erhalten, räumte Mody nach langem Hin und Her vor Gericht ein. 12,5 Millionen seien es gewesen, behauptet Wiedemann. Verträge darüber existieren nicht, es handelte sich schließlich um Schwarzgeld. Wiedemann: »Wie eine Schmeißfliege ging Mody auf Schwarzgeld-Leute zu.« Der Streit um die schwarzen Millionen beschäftigt weiterhin Anwälte und Richter. Mody hatte damals, bevor 1989 die Bank gegründet wurde, Wiedemann einen Blanko-Wechsel unterschrieben, ohne Datum und Betrag.

Aufsichtsratsvorsitzender Mody, der erst vor drei Monaten in den Vorstand der Bank wechselte, machte Wiedemann zum Generalbevollmächtigten mit Sitz in Frankfurt. Das ging nicht lange gut, 1993 wurde Wiedemann fristlos entlassen: Er hatte öfter Streit mit Mitarbeitern und sah nicht ein, weshalb er Sitzungen, zu denen er nicht gebeten war, verlassen sollte.

Als besondere Kränkung empfand der gefeuerte Angestellte das Ansinnen der Bank, seinen Dienstwagen abzugeben. Weil er den BMW 730i nicht herausrücken mochte, mußte der Vorstand ein Gericht bemühen. Als eine Gerichtsvollzieherin den Wagen forderte, zeigte ihr Wiedemann nur die Schlüssel, sprang in den Wagen und brauste davon. Es hat noch eine Zeitlang gedauert, bis der BMW sichergestellt wurde.

Mody glaubte wohl, mit seinem Geldgeber so umspringen zu können: Wiedemann, so sein Kalkül, seien die Hände gebunden, weil er die dunkle Herkunft seiner Millionen schwer erklären könne.

Doch Wiedemann erstattete vor fünf Monaten bei der Steuerbehörde eine Selbstanzeige, zahlte brav die hinterzogenen Beträge nach und entrichtete die fällige Geldbuße. Damit hatte er sich gesäubert und konnte gegen seinen Erzfeind vorgehen. In dem von Mody unterschriebenen Blanko-Wechsel setzte er einen Betrag von mehr als 21 Millionen Mark ein.

Arend Mody hat nun einige Probleme. Auch sein Kontrahent gerät in Schwierigkeiten. Als Wiedemann seinen Rachefeldzug in die Öffentlichkeit trug, hat er nicht an seine Ex-Frau gedacht. Die sinnt nun ebenfalls auf Rache.

Denn als 1989 die Scheidung eingereicht wurde, gab sich Multimillionär Wiedemann als bettelarm aus. Er habe nichts auf dem Konto, versicherte er, und komme auf ein »unterhaltsrelevantes Einkommen« von 2688 Mark im Monat. Mit diesen Angaben drückte er die Unterhaltspflicht für seine beiden Kinder.

Vergangene Woche reichte seine geschiedene Frau beim Landgericht Frankfurt gegen Otto Wiedemann eine Strafanzeige wegen Prozeßbetrugs ein. Y

Zur Ausgabe
Artikel 37 / 113
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.