Schweiz Bank stoppt Überweisung wegen arabischen Vornamens

Manchmal reicht schon ein geläufiger Vorname, um unter Terrorverdacht zu geraten. Das zeigt der Fall eines Schweizers, der sich eigentlich nur an einem Geburtstagsgeschenk beteiligen wollte, wie die "Aargauer Zeitung" berichtet.

Überweisungsschein: Mit dem falschen Betreff kann es zu Problemen kommen
DPA

Überweisungsschein: Mit dem falschen Betreff kann es zu Problemen kommen


Aarau - Eine Überweisung für ein Geschenk hat einem Schweizer einige Unannehmlichkeiten eingebracht, wie die "Aargauer Zeitung" berichtet. Der Mann habe sich an einem Präsent für seinen Freund Amar* beteiligt und zu diesem Zweck 100 Franken an den Geldsammler überwiesen. In den Verwendungszweck schrieb er dem Bericht zufolge: "Geschenk Amar".

Doch das Geld sei nicht bei dem Empfänger angekommen, heißt es in dem Text weiter. Stattdessen bekam der Schweizer dem Bericht zufolge Post von seiner Bank. Es gebe Schwierigkeiten mit der Überweisung, habe es in dem Brief geheißen. Die Bank des Empfängers verlange Vor- und Nachname, Nationalität, Geburtsdatum und Wohnort von Amar. Ohne diese Angaben könne die Überweisung nicht abgeschlossen werden.

Auslöser für den Überweisungsstopp war laut "Aargauer Zeitung" der arabische Vorname des Beschenkten, der mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden sei. Ein Sicherheitsalgorithmus zum Schutz vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sei auf "Amar" angesprungen und habe die Weiterleitung des Geldes verhindert. "Offenbar stimmte ein Name in Zusammenhang mit der Transaktion mit einem Namen auf einer Sanktionsliste überein", sagte ein Bank-Sprecher der Zeitung.

Im Klartext: Es gibt offenbar gesuchte Terroristen, die den Vornamen Amar tragen. Deshalb werden Transaktionen mit diesem Namen von der Bank als verdächtig eingestuft und überprüft. Das Problem: Amar ist ein geläufiger Name in der arabischen Welt. Wie oft solche Verdachtsfälle im Jahr vorkommen, wollte die Bank nach Angaben der Zeitung nicht sagen. Das Geldhaus gestand aber ein, der Aufwand für das Monitoring sei groß.

Was nun mit den 100 Franken passiert, ist den Angaben zufolge unklar. Der betroffene Schweizer sei sich noch nicht sicher, ob er die persönlichen Daten seines Freundes Amar an das Geldinstitut weitergebe: "Es widerstrebt meinem Verständnis von Privatsphäre."

*Namen von der Redaktion geändert

jbe

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insgesamt 15 Beiträge
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zileri72 20.09.2014
1. Kein Problem
Es besteht hier absolut kein Grund zur Aufregung. Die Bank macht hier ihren Job. Es gibt ein Geldwäschereigesetz das eben Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung verhindern soll. Solche "Flow of Funds" poppen auf, zur Verifizierung muss der Hintergrund geprüft werden und kann somit auch falsifiziert werden. Hier wird nur dem Gesetz genüge getan zum Schutz der Bank und der Kunden.
Mach999 20.09.2014
2.
Das Verhalten der Bank ist nicht nachvollziehbar. Es ist richtig, dass solche Überweisungen ausgesteuert und dann vom Geldwäschebeauftragten (oder wie auch immer der in der Schweiz heißt) geprüft werden. Spätestens beim Betrag, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zweistellig war, und allerspätestens bei der Erklärung des Bankkunden, hätte die Überweisung weitergeleitet werden müssen. Da scheint der Geldwäschebeauftragte etwas sehr ängstlich zu sein.
raber 20.09.2014
3. Geldwaschvermutungen je nach Betrag
Warum übertreiben die Banken mit Geldwaschvermutungen bei 100 Franken und bei Millionenbeträgen gucken sie lieber weg selbst wenn es stark nach Geldwäsche aussieht? Weil man bei 100 Franken nicht gross verdienen kann aber bei grossen Depots und anderen Transaktionen eine grössere Gewinnspanne anfällt oder vielleicht sogar alles hängen bleibt wenn der entsprechende Drogenbaron während der Ausübung seiner Aktivitáten umgebracht wird.
J.Corey 20.09.2014
4. Albern!
Glaubt man in der Schweiz ernsthaft, das ein Terrorist im Betreff des Überweisungsträgers aussagekräftige Informationen macht? Und will man dort als Zahlungen derart blockieren die von einem Mohammed oder zu einem solchen gehen, vielleicht diesen Namen im Betreff haben? Das ist an Naivität kaum zu übertreffen, zumal auch der dämlichste Terrorist schon mal etwas von. WesternUnion gehört hat und mit ein wenig Fantasie harmlose Stichworte nutzen wird, aber ganz sicher keine Namen - so etwas lernt man als. Krawatti-BWLer aber nicht und für exzessive Nutzung der eigenen Denkmurmel sind diese ja nun auch nicht bekannt. Insofern kann ich den Ärger des Bankkunden verstehen und würde an seiner Stelle das Institut fallen lassen. Schließlich braucht man keine Bankster um sich zu vergackeiern!
Gerixxx 20.09.2014
5. Die Banken sind dazu verpflichtet....
Zitat von J.CoreyGlaubt man in der Schweiz ernsthaft, das ein Terrorist im Betreff des Überweisungsträgers aussagekräftige Informationen macht? Und will man dort als Zahlungen derart blockieren die von einem Mohammed oder zu einem solchen gehen, vielleicht diesen Namen im Betreff haben? Das ist an Naivität kaum zu übertreffen, zumal auch der dämlichste Terrorist schon mal etwas von. WesternUnion gehört hat und mit ein wenig Fantasie harmlose Stichworte nutzen wird, aber ganz sicher keine Namen - so etwas lernt man als. Krawatti-BWLer aber nicht und für exzessive Nutzung der eigenen Denkmurmel sind diese ja nun auch nicht bekannt. Insofern kann ich den Ärger des Bankkunden verstehen und würde an seiner Stelle das Institut fallen lassen. Schließlich braucht man keine Bankster um sich zu vergackeiern!
....den gesamten Zahlungsverkehr zu überprüfen und z.B. nach den Namen verdächtigter oder verurteilter juristischer oder natürlicher Personen zu durchforsten und ggf. eine Zahklung auch anzuhalten. Dafür gibt es entsprechende Datenbanken und IT-Programme, z.B. von der OFAC, in der alle diese Namen bzw. Wörter gespeichert sind, deren Auftauchen Geldwäscheverdacht auslöst. Dabei wirken oftmals auch Worte oder Namensbestandteile dieser Verdächtigten beim Zahlungsempfänger oder Auftraggeber als Kriterium für Geldwäscheverdacht. Man kann sich vorstellen, wie oft dieser sinnbefreit ausgelöst wird, wenn eine kriminelle Firma z.B. Wörter wie "commercial", "Trade" o.ä. im Namen trägt oder einfach alltägliche Familien- oder Personennamen als "verdächtig" enthalten sind..... Daher die Heerscharen von Mitarbeitern im Geldwäschebereich und die enormen Kosten. Über die Zweckmässigkeit lässt sich m.E. so lange streiten, wie Trust- oder Treuhandhandkonstruktionen, off shore Zonen etc. selbst innerhalb der USA (Delaware) völlig legal sind, hinter denen sich Kriminelle perfekt verstecken können, weil die Know your customer Prinzipien eben nicht eingehalten werden müssen. Und das nur, weil man dem "bösen Staat" die Steuern vorenthalten will und mit der Tolerierung die eigene Klientel schützt....in guter Gesellschaft mit den "echten" Terroristen und Kriminellen. Die negativen Seiten solcher Automatismen und Datenbanken merkt der unbescholtene Bürger erst, wenn sein Name (oder Namensbestandteile) dort aus irgendwelchen Gründen gespeichert sind - und seine völlig legalen Zahlungen nicht ankommen. Eine Unterrichtungspflicht der Behörden (m.E. auch keine Anfrage- oder Informationsmöglichkeit) über diese Speicherungen existiert natürlich nicht.
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