Schweizer Krisenbank Die UBS schrumpft sich durch die Krise

Einst war die UBS das Aushängeschild des Finanzplatzes Schweiz - nun stehen Sparprogramme auf der Agenda. Auf der Hauptversammlung der Bank kündigte Konzernchef Grübel folgerichtig einen "langen, steinigen Weg" an. Vor allem muss das Geldhaus um seinen Ruf als Top-Institut kämpfen.

Von Arne Stuhr


Hamburg - UBS-Chef Oswald Grübel redete am Mittwoch im Zürcher Hallenstadion von der ersten Minute an Klartext. "Leider kann ich Ihnen keine erfreulichen Nachrichten überbringen, sondern muss Ihnen weitere schlechte Zahlen und einschneidende Maßnahmen zumuten", ließ er die zur Hauptversammlung der Schweizer Großbank angereisten rund 5000 Aktionäre gleich zu Beginn seiner Rede wissen.

UBS-Logo: "Ja, unsere Bank wird sich verkleinern"
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UBS-Logo: "Ja, unsere Bank wird sich verkleinern"

Und ob die Zahlen schlecht und die Maßnahmen einschneidend sind: Ein Verlust im ersten Quartal von knapp zwei Milliarden Franken (rund 1,3 Milliarden Euro), weitere Milliardenabflüsse in der Vermögensverwaltung und der Abbau von 8700 der gut 76.000 Stellen machen deutlich, wie schlecht es der einstigen Vorzeigebank geht. Bis 2010 fallen allein im Heimatland Schweiz 2500 Stellen weg - 1500 UBS-Bankern soll direkt gekündigt werden. "Kein Manager tut dies leichtfertig, auch ich nicht", verlieh Grübel seinem Bedauern Ausdruck. Seit Beginn der weltweiten Finanzkrise im Sommer 2007 hatte die UBS Chart zeigenbereits 8000 Stellen gestrichen.

Doch sein Sparprogramm beschränkt sich nicht auf eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl. Zusätzlich werde man prüfen, aus welchen Geschäftsfeldern die UBS aussteigen werde. "Ja, unsere Bank wird sich verkleinern", so Grübel unmissverständlich.

"Grübel hat freie Hand und nutzt das jetzt voll aus", so Takis Spiliopoulos vom Schweizer Bankhaus Vontobel. Da die bereits vom Staat gestützte UBS "extrem im Rampenlicht" stehe, müsse er solche Maßnahmen dennoch sehr gut begründen. Daher habe Grübel, der seit Februar die Geschicke der UBS lenkt, sicherlich eine Menge Belastendes in das erste Quartal hineingepackt, ist sich Spiliopoulos sicher.

Dass Grübel, der in seiner Rede ausdrücklich "kurzfristige Befreiungsschläge" ausschloss, damit die Erwartungen sehr tief legt, findet der Vontobel-Analyst nicht unredlich. Schließlich sei es einer der größten Fehler des alten UBS-Managements gewesen, immer wieder zu hohe Erwartungen geschürt zu haben. Spiliopoulos sieht in dieser vorsichtigen Taktik auch einen kleinen Hoffnungsschimmer auf Besserung: "Eine Überraschung im zweiten Quartal ist möglich."

Als Beleg für die konventionellen Sanierungsmethoden Grübels sieht Spiliopoulos die Tatsache, dass die Kosten um bis zu vier Milliarden Franken gesenkt werden sollen. Damit werde die UBS auf die Kostenbasis von 2003 zurückgesetzt. "Grübel spekuliert bei der Sanierung der UBS nicht auf eine Erholung der Märkte", lobt Spiliopoulos. Sollte diese dennoch früher als erwartet einsetzen, könne der UBS-Chef sie als eine Art Bonus verbuchen.

Massiver Vertrauensverlust

Ein Problem wird Grübel aber auch mit der größten Kostendisziplin nicht so schnell in den Griff bekommen: den massiven Vertrauensverlust unter den Kunden. "Die UBS hat unheimlich viel Terrain verloren", so Wolfgang Gerke, , Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums.

Zwar sei die "falsche Risikopolitik" der Schweizer der Hauptgrund für die derzeitige Misere, aber die Auseinandersetzungen mit der US-Justiz - 255 Kundenakten wurden ausgehändigt und 780 Millionen Dollar Strafe bezahlt - sowie die gesamte Diskussion um den Finanzplatz Schweiz und das Bankgeheimnis hätten das Ihrige dazu beigetragen.

Der Wettbewerb werde laut Gerke nun versuchen, die Schwäche der UBS auf jeden Fall auszunutzen. Schließlich zielten Institute wie Deutsche Bank Chart zeigen und Goldman Sachs Chart zeigen mit ihren Angeboten auf die gleiche internationale Kundschaft. UBS-Chef Grübel selbst hatte bereits vor einer Provinzialisierung der helvetischen Institute als Ergebnis der Sanierung und Neuregulierung gewarnt.

Die Anstrengung von Goldman Sachs, die am Dienstag mit einem Milliardengewinn überrascht hatten, möglichst schnell wieder vom Staatstropf loszukommen, sind für Gerke ein eindeutiges Signal dafür, dass der Wettbewerb um Kunden und Topmitarbeiter in der Krise nicht ausgesetzt sei. Ähnlich wie bei der Deutschen Bank, bei der ihr Chef Josef Ackermann von der hauseigenen DNA gesprochen hatte, gehe es neben der Freiheit bei den Vergütungsmodellen auch um den Stolz einer Bank.

Hier sieht der Bankenexperte die UBS in der Tat auf dem von Grübel auf der Hauptversammlung skizzierten "langen, steinigen Weg". "Die UBS hat sehr viel Reputation verloren, und es wird einige Zeit dauern, bis diese wiederhergestellt ist", so Gerke.

UBS-Primus Grübel, der bis vor zwei Jahren den Konkurrenten Credit Suisse Chart zeigen geführt hatte, gab sich am Mittwoch vor seinen Aktionären auf jeden Fall kämpferisch: "Vielleicht haben Sie sich auch gefragt, warum ich aus meiner Pensionierung zurückkehrte. Ich glaube, wir haben alle eine ähnliche Antwort gefunden: Unsere Bank und der Schweizer Finanzplatz sind es wert, ohne Wenn und Aber."



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