Schwere Finanzkrise Verhandlungen stocken - Zukunft der WestLB bedroht

Für die WestLB wird die Zeit knapp: Die Gespräche über dringend nötige neue Milliardenhilfen für das Finanzinstitut sind nach SPIEGEL-Informationen ins Stocken geraten. Die WestLB könnte sehr schnell wieder in Existenznot geraten.


Hamburg - Die Lage ist verfahren: Die beiden Sparkassen-Verbände, ihnen gehören je 25,2 Prozent der Anteile, können kein weiteres Geld für die WestLB zur Verfügung stellen. Und das Land, mit knapp 38 Prozent größter Anteilseigner, weigert sich, die anteilig auf die Sparkassen entfallenden Belastungen zu übernehmen. "Wir haben nichts zu verschenken", sagte der Ministerpräsident des Landes, Jürgen Rüttgers, am Montag in kleiner Runde, "und überhaupt: Warum soll ich für die Fehler meiner Vorgänger bezahlen?"

NRW-Landeschef Rüttgers: "Nichts zu verschenken"
DPA

NRW-Landeschef Rüttgers: "Nichts zu verschenken"

Dabei braucht die WestLB dringend weitere Hilfen. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, fordert energisch, schnell zu einer Einigung zu kommen.

Zusätzlich zu der bereits beschlossenen Kapitalspritze von zwei Milliarden Euro verlangen vor allem die Rating-Agenturen, dass die Eigner der Bank weitere Risiken absichern, laut Insidern handelt es sich um bis zu drei Milliarden Euro. Ansonsten drohen sie mit einer massiven Abwertung der Bonität, die vermutlich das Ende der Bank bedeuten würde.

Den Großteil der riskanten Positionen sind die Manager der WestLB vor Juli 2005 eingegangen, also vor Ablauf der Staatsgarantien. Inzwischen hat das Land den Sparkassen-Verbänden angeboten, deren Risikoabschirmung zu übernehmen - allerdings nur, wenn sie dem Land dagegen ihre WestLB-Anteile als Sicherheit übertragen. Dadurch könnte sich der Anteil der Sparkassen an der Bank auf bis zu neun Prozent verringern.

Sollten die zur Abschirmung bereitgestellten Mittel abgerufen werden, werde das Land die Anteile der Sparkassen sofort verwerten - und an einen privaten Investor verkaufen, berichten Insider. Insgesamt hat die Bank 20 Milliarden an strukturierten, verbrieften Papieren in ihrem Portfolio. Davon sind aber 17 Milliarden Euro nicht nur von erstklassiger Bonität, sondern auch an den Finanzmärkten abgesichert.

Auf die Beschäftigten der WestLB wird ebenfalls noch einiges zukommen. Presseberichte waren bisher von bis zu 2000 Stellen ausgegangen, die abgebaut werden sollen. Laut "Focus" sollen nun offenbar 1700 Mitarbeiter gehen. Bankchef Alexander Stuhlmann werde dem Aufsichtsrat am kommenden Donnerstag einen Restrukturierungsplan zur Bestätigung vorlegen. Demnach müssten rund 30 Prozent des Personals innerhalb eines Jahres die Bank verlassen. Ein Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

itz/wal/dpa



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