Wegen Coronavirus Seehofer will Tourismus-Börse absagen, Spahn zögert

Soll die weltweit wichtigste Messe der Tourismusbranche wegen des Coronavirus abgesagt werden? Im Kabinett ist darüber ein Streit entbrannt.
Diskussion um die Absage der ITB (Archivbild 2010)

Diskussion um die Absage der ITB (Archivbild 2010)

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geführt. Nach SPIEGEL-Informationen plädierte Seehofer am Mittwoch und Donnerstag in internen Beratungen zwischen den Ministerien dafür, die Internationale Tourismus Börse (ITB) in Berlin abzusagen, Spahn war skeptisch.

Die beiden Minister verständigten sich schließlich darauf, die Frage auf der Sitzung des neuen Corona-Krisenstabs an diesem Freitag erneut zu erörtern. Das Innenministerium vertritt - wie auch das Bundeskanzleramt – in den Beratungen einen harten Kurs, Seehofer verwies unter anderem auf seine eigenen Erfahrungen als Bundesgesundheitsminister in der Kohl-Ära und nannte beispielhaft den Skandal um HIV-verseuchte Blutkonserven. Wenn man zu zaghaft agiere, müsse man sich am Ende womöglich vor einem Untersuchungsausschuss rechtfertigen, so Seehofer.

Spahn hingegen will jeden Aktionismus vermeiden. Eine Absage der ITB habe auch Auswirkungen auf andere Großveranstaltungen, sagte er dem Vernehmen nach intern.

Gelassen geht auch der rot-rot-grüne Berliner Senat vor. Statt auf eine Absage hinzuwirken, belässt es die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung bei einer Verschärfung der Hygieneregeln, "die auch aktiv vor Ort kommuniziert werden sollen", wie Senatssprecherin Lena Högemann dem SPIEGEL mitteilte. Der Krisenstab der Senatsgesundheitsverwaltung sei mit der zuständigen Amtsärztin von Charlottenburg-Wilmersdorf und der Messe im konstanten Austausch. Die Maßnahmen würden eng abgestimmt.

Darüber hinaus wurde ein Fragebogen entwickelt, den alle ausfüllen müssen, die das Messegelände betreten wollen, "ganz gleich, ob es sich um Aussteller, Besucher oder Messebauarbeiter handelt." Darin werden folgende vier Fragen gestellt:

1.  Waren Sie in Ländern mit Risikogebieten in den letzten 14 Tagen?

2.  Hatten Sie Kontakt mit Menschen aus dem Risikogebiet innerhalb der letzten 14 Tage?

3.  Haben Sie Symptome wie Husten, Fieber oder Atembeschwerden?

4.  Hatten Sie Kontakt mit einem bestätigten Fall innerhalb der letzten 14 Tage?

Falls eine der Frage mit "Ja" beantwortet würde, werde der Aussteller gebeten, seine entsprechenden Mitarbeitenden nicht nach Berlin zu bringen. Ob und wie genau der Wahrheitsgehalt der Antworten überprüft werden soll, darüber sagte die Sprecherin nichts.

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