Seeräuber vor Somalia Piraterie bedroht Welthandel

Experten schlagen Alarm: Die Übergriffe auf Handelsschiffe am Golf von Aden belasten zunehmend die globalen Warenströme. Allein in diesem Jahr haben die Piraten vor Somalia bereits 30 Millionen Dollar Lösegeld erpresst.


London/Nairobi - Die Piraterie in den Gewässern vor Somalia wird zur Belastung für die Weltwirtschaft: Angesichts der hohen Zahl von Angriffen steigen die Versicherungsprämien für Reedereien, die die Route zwischen Europa und Asien befahren, warnt das britische Politikinstitut Chatham House. Die Betreiber könnten deswegen auf andere Strecken ausweichen, was aber die Kosten und somit auch die Preise für die transportierten Güter erhöhen würde.

Küstenwache im Golf von Aden: "Ausgeklügelte Überfälle"
AFP

Küstenwache im Golf von Aden: "Ausgeklügelte Überfälle"

Der Golf von Aden zwischen Somalia und dem Jemen gehört zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Rund 16.000 Schiffe und 30 Prozent des Öls nehmen jährlich die Route durch den Golf und den Suezkanal. Die Zahl der Piraten vor der somalischen Küste wird auf mehr als tausend geschätzt - viele von ihnen sind ehemalige Mitarbeiter der somalischen Küstenwache.

Allein in diesem Jahr haben die Banden laut Chatham House schon bis zu 30 Millionen Dollar Lösegeld erpresst. Die Banden hätten 500.000 bis zwei Millionen Dollar pro aufgebrachtem Schiff bekommen.

Dem Chatham-House-Bericht zufolge sind die Piraten längst keine Gelegenheitsverbrecher mehr, vielmehr würden ihre Überfälle "immer ausgeklügelter". Erst vor einer Woche brachten sie einen ukrainischen Frachter mit Panzern und Waffen auf dem Weg nach Kenia in ihre Gewalt.

Als Maßnahme gegen Piraten schlug das Institut eine internationale Küstenwache für Somalia vor. Diese könne von den Vereinten Nationen oder der Afrikanischen Union betrieben und mit "auswärtigen Geldern" finanziert werden.

Mehrere Länder, darunter die USA und Russland, haben bereits Kriegsschiffe in der Region. Auch die EU will drei Fregatten, ein Versorgungsschiff und drei Seefernaufklärer einsetzen, um die Passage abzusichern und Piraten abzuschrecken. Deutschland will sich nach Angaben von Verteidigungsminister Franz Josef Jung mit einer Fregatte an dem Einsatz beteiligen.

suc/AFP/Reuters



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