Britische Wirtschaft schlägt Alarm »Sehr reale Sorge, dass Großbritannien von Wettbewerbern abgehängt wird«

Brexit, Covid, Russlandkrise: Das Vereinigte Königreich steckt in einer verzwickten Lage. Nun warnt der Wirtschaftsverband BCC vor einer »blutleeren Erholung« – und langfristigen Problemen.
Geschäftsviertel »City of London«

Geschäftsviertel »City of London«

Foto: Tolga Akmen / EPA

Die britische Wirtschaft hat nach Ansicht des Handelskammerverbunds BCC einen langen Weg bis zu einer Erholung vor sich. Der Verband erwartet, dass die Rezession noch fünf Quartale andauert. Erst Ende 2023 werde mit Wachstum gerechnet, und auch 2024 gebe es nur eine »blutleere Erholung«, teilten die British Chambers of Commerce (BCC) in der Nacht zum Freitag mit. Investitionen, Exporte und privater Konsum blieben voraussichtlich verhalten. Zuvor hatte auch die Bank of England vor einer lang andauernden Rezession gewarnt.

Der BCC rechnet damit, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 1,3 Prozent schrumpft. Aufgrund steigender Energiekosten und Hypothekenzahlungen sowie sinkender Reallöhne würden die Haushaltsausgaben deutlich zurückgehen. Hinzu kämen die schlechten Aussichten für die globale Wirtschaft im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, hieß es. Für 2024 erwartet der Verbund dann ein Wachstum von 0,7 Prozent. Das ist deutlich weniger als von der Aufsichtsbehörde OBR geschätzt.

Zieht die Konkurrenz davon?

Allerdings rechnet der BCC damit, dass die Inflation mit derzeit gut elf Prozent ihren Höhepunkt erreicht hat. Bis Jahresende 2023 werde sie voraussichtlich auf fünf Prozent sinken und ein Jahr später auf 1,5 Prozent fallen. »Dies bedeutet jedoch lediglich, dass sich die Preise auf einem sehr hohen Niveau stabilisieren werden und die Pläne der Regierung, die Unterstützung für Energierechnungen nach April 2023 zu reduzieren, die Inflation erneut ankurbeln könnten.«

»Die sehr reale Sorge ist, dass Großbritannien von seinen Wettbewerbern abgehängt wird, sobald die Wirtschaft aus der Rezession herauskommt, da das Wachstum schwach bleibt«, sagte BCC-Experte Alex Veitch. Es sei nicht zu spät für eine Umkehr. Nötig seien konkrete Maßnahmen bei Infrastrukturinvestitionen, Ausbildung, Handel und grünen Technologien.

beb/dpa
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