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Treuhand Sehr schnell

Die Treuhand trennte sich von einem ihrer erfolgreichsten Manager; er hatte im Nebenjob die Kundschaft beraten.
aus DER SPIEGEL 13/1992

Auf ihre Magdeburger Mitarbeiter war die Treuhand-Chefin Birgit Breuel immer besonders stolz. Noch in diesem Jahr sollte die Filiale, nach erfolgreich abgeschlossener Arbeit, geschlossen werden.

Die ungewohnte Erfolgsmeldung verdankte die Anstalt Andreas Grünebaum, 39. Der forsche Rechtsanwalt aus Osnabrück drückte als Privatisierungsdirektor aufs Tempo.

Nun ist die Treuhand ihren Magdeburger Mann los - und er ging, wie er arbeitete: sehr schnell. Die innere Revision der Anstalt ermittelt, die Staatsanwaltschaft ebenfalls. Der Grund: »Verdacht auf Bestechlichkeit«. Viele Investoren fragen sich deshalb, ob bei ihren Verhandlungen alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Grünebaum hatte sein Einkommen als Treuhand-Manager etwas aufgebessert. Das Zubrot finanzierte ein Kunde, der Stuttgarter Unternehmer Lino Alberto Vulcano. Von Vulcano erhielt Grünebaum als Rechtsberater ein monatliches Honorar in Höhe von 9000 Mark.

Der Treuhänder verkaufte seinem Geldgeber zwei Magdeburger Betriebe und ein attraktives Grundstück in Oschersleben. Für nur 1,5 Millionen Mark ging zum Beispiel die Magdeburger Unitras Fördertechnik GmbH an Vulcanos Firma Marcotec. Der Betrieb hatte bedeutend höhere Beträge an Bankguthaben, vom Wert der Immobilien ganz zu schweigen.

Merkwürdig erscheint nun auch manch anderer Fall, den der flotte Privatisierer abwickelte. Der Magdeburger Oberstaatsanwalt Rudolf Jaspers und die Treuhand-Revisoren werden einiges zu prüfen haben.

So verkaufte Grünebaum im März vergangenen Jahres die als überlebensfähig angesehenen Kinos im ehemaligen Bezirk Magdeburg für 12 Millionen Mark an den Kino-König Heinz Riech. Dessen Konkurrent Hans-Joachim Flebbe hatte zwar mit 12,2 Millionen Mark das bessere Angebot vorgelegt, am Ende aber das Nachsehen.

Der Verkauf als Paket an Riech ist ein eindeutiger Verstoß gegen eine Treuhand-interne »Richtlinie zur Privatisierung von Filmtheatern«. Sie fordert nicht nur den Verkauf an den höchsten Bieter, sondern verbietet eindeutig die Bildung von Kino-Monopolen.

Der Direktor der ehemaligen Bezirksfilmdirektion, Hans-Jörg Simon, wollte den Paketverkauf an Riechs Düsseldorfer Ufa-Theater AG verhindern. Grünebaum wies ihn schriftlich an, den Kaufvertrag zu unterschreiben.

Auf die gleiche dubiose Weise trickste der Treuhänder die Magdeburger Industrie- und Handelskammer (IHK) aus. Das attraktivste Kino Magdeburgs, das »Theater des Friedens«, liegt in einem Gebäudeteil der Magdeburger IHK. Die hatte es 1952 an die damalige Kreisfilmdirektion verpachtet.

Der Pachtvertrag vom Mai 1952 schließt eine Unterverpachtung ohne vorherige Zustimmung der IHK aus. Und die hätte die Kammer heute nie gegeben, sie möchte den Kinosaal gern zu einem Kongreßzentrum umbauen.

Doch die Ufa will die Räume behalten. Sie beruft sich auf ihren Pachtvertrag mit der Bezirksfilmdirektion. Auch zum Abschluß dieses rechtswidrigen Unterpachtvertrages mit der Ufa wurde Simon von Grünebaum per Dienstanweisung gezwungen.

Solche Praktiken waren in Magdeburg schon lange ein Thema. Doch gegen Kritiker ging Grünebaum hart vor.

Als die Geschäftsführerin des Magdeburger Chemiegroßhandels Gubelas, Hella Wernecke, gegen den Verkauf eines Betriebsgrundstückes weit unter Wert protestierte, bekam sie die fristlose Kündigung. Sie klagt jetzt gegen die Treuhand.

All diese Fälle müssen nun geprüft werden. Das schnelle Ende der Magdeburger Treuhand-Niederlassung wird sich wohl etwas verzögern.

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