Selbstmordserie Justiz ermittelt gegen Ex-Chef von France Télécom

Vier Stunden Verhör, danach wurde er gegen eine Kaution von 100.000 Euro freigelassen: Der Ex-Chef von France Télécom muss sich wegen Mobbings verantworten. In den Jahren 2008 und 2009 hatten sich mehr als 30 Mitarbeiter des Konzerns das Leben genommen.

Paris - Eine aufsehenerregende Selbstmordserie unter Mitarbeitern des französischen Telekomriesen France Télécom könnte strafrechtliche Konsequenzen für den damaligen Konzernchef Didier Lombard haben. Ein Anwalt des früheren Top-Managers bestätigte, dass die Justiz ein offizielles Ermittlungsverfahren wegen Mobbings eingeleitet habe.

Lombard sei vier Stunden lang verhört worden. Er stehe nun unter Polizeiaufsicht und habe 100.000 Euro als Kaution hinterlegen müssen. Im Fall einer Verurteilung drohen dem Manager bis zu einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Geldstrafe.

Hintergrund der Ermittlungen ist eine Klage sowie ein Anfang des Jahres 2010 veröffentlichter Untersuchungsbericht zu der Selbstmordserie in den Jahren 2008 und 2009. Die Gewerbeaufsicht kam darin zu dem Ergebnis, dass Lombard und andere Top-Manager das Leben der Beschäftigten mit Mobbing-Methoden unmittelbar in Gefahr brachten. Auf Warnungen von Gewerkschaften, Betriebsärzten und Krankenkassen sei völlig unzureichend reagiert worden.

Arbeitnehmervertreter hatten die rund drei Dutzend Selbstmorde bereits zuvor als Ergebnis unmenschlicher Arbeitsbedingungen und des Programms "time to move" zum schnellen Stellenwechsel gewertet. Unter Lombards Führung hatte das Unternehmen zudem mehr als 20.000 Stellen gestrichen.

Der heute 70 Jahre alte Lombard musste bereits im März 2010 als Konzernchef zurücktreten. Ermittlungen laufen auch gegen das Unternehmen und zwei andere Top-Manager. Lombard wehrte sich am Mittwoch gegen das Verfahren: "Ich weise die Ansicht, dass unsere Restrukturierungspläne für diese menschlichen Tragödien verantwortlich waren, mit Nachdruck zurück." Sein Anwalt beklagte, Lombard habe bislang keine Gelegenheit bekommen, sich ausführlich zu erklären.

cte/dpa/Reuters
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