Diplomatische Verstimmungen Serbien verbietet britisch-australischem Konzern den Abbau von Lithium

Der britisch-australische Konzern Rio Tinto wollte in Serbien Lithium abbauen und hat bereits viel Geld investiert. Die Regierung erteilte dem Projekt nun eine Abfuhr. Spielt der Fall Djoković dabei eine Rolle?
Ansage der serbischen Ministerpräsidentin Ana Brnabić: »Die Geschichte von Rio Tinto in Serbien ist somit abgeschlossen«

Ansage der serbischen Ministerpräsidentin Ana Brnabić: »Die Geschichte von Rio Tinto in Serbien ist somit abgeschlossen«

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Darko Vojinovic / AP

Nach Protesten von Umweltschützern hat die serbische Regierung dem von dem britisch-australischen Konzern Rio Tinto geplanten Abbau von Lithium in Westserbien die Grundlage entzogen. Das Kabinett von Ministerpräsidentin Ana Brnabić widerrief auf ihrer letzten Sitzung am Donnerstag den Raumordnungsplan für die Region Loznica. »Die Geschichte von Rio Tinto in Serbien ist somit abgeschlossen«, sagte Brnabić.

Der britisch-australische Konzern wollte im westserbischen Jadar-Tal ab 2027 rund 2,3 Millionen Tonnen an Lithiumkarbonat schürfen. Lithium ist ein wichtiger Bestandteil von Batterien, wie sie in E-Autos eingebaut werden.

Das Bergbauunternehmen treibt das Projekt in Serbien seit Jahren voran und schloss entsprechende Vereinbarungen mit verschiedenen Regierungen in Belgrad. Der Konzern erklärte, er sei äußerst besorgt über den Beschluss und werde die Rechtsbasis überprüfen. Der Konzern hat bereits 450 Millionen Dollar für Machbarkeitsstudien und andere Untersuchungen zu dem Projekt ausgegeben. Die Regierung Australiens erklärte: »Wir weisen auf die großen wirtschaftlichen Vorteile der beachtlichen Investition von Rio Tinto in Serbien hin.«

Die Aktien von Rio fielen an der australischen Börse um bis zu 3,8 Prozent und verzeichneten damit den stärksten Einbruch innerhalb eines Tages seit dem 20. September 2021.

Die Kehrtwende des derzeit amtierenden Kabinetts kam nach wochenlangen Protesten und Straßenblockaden von Umweltschützern, die die naturbelassenen Landschaften des Jadar-Tals durch den Bergbau gefährdet sehen. Umweltschützer sprachen aber lediglich von einem Etappensieg und vermuteten ein taktisches Zugeständnis wenige Monate vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 3. April.

Eklat um Djoković

Zudem wird spekuliert, ob die gelittenen serbischen Beziehungen zu Australien durch den Streit über die Teilnahme des serbischen Tennisstars Novak Djoković an den Australian Open eine Rolle spielten. Der Weltranglistenerste wurde kurz vor Beginn des Turniers zur Abreise gezwungen, weil die australische Regierung sein Visum annullierte . Djoković wird in Serbien verehrt, im Land gab es nach der Ausweisung einen Aufschrei. Selbst der serbische Staatspräsident Aleksandar Vučić schaltete sich ein.

Ein Demonstrant vor dem serbischen Regierungsgebäude: Ausgewiesen wie Djoković

Ein Demonstrant vor dem serbischen Regierungsgebäude: Ausgewiesen wie Djoković

Foto: MARKO DJURICA / REUTERS

Djoković hatte im Dezember auf Instagram ein Foto der Umweltproteste mit einem unterstützenden Kommentar gepostet. In den sozialen Medien machte nach der Absage an das Projekt der Jux die Runde, Rio Tinto sei jetzt wie Djoković ausgewiesen worden.

Die Entscheidung der serbischen Regierung könnte ernste Folgen für die Versorgung der Autoindustrie haben. Die Kapazität wurde auf 58.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr taxiert, genug für eine Million E-Autos. Es wäre die größte Förderung in Europa gewesen – und ein wichtiger Beitrag dazu, den Kontinent von Lithium-Importen unabhängiger zu machen. Schon jetzt ist der Rohstoff knapp und würde es nach bisheriger Prognose die nächsten drei Jahre bleiben, erklärten Experten.

hba/dpa/Reuters
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