Hermann-Josef Tenhagen

Rente, Steuer, Krankenversicherung Das ändert sich 2020

2020 ist der Staat eher geizig mit seinen Bürgern: Nur wenige Deutsche dürfen auf spürbare Finanzspritzen bei Rente, Steuer oder Krankenversicherung hoffen. Ob Sie dabei sind, lesen Sie hier.
Kinder von pflegebedürftigen Eltern werden künftig erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro zur Finanzierung herangezogen

Kinder von pflegebedürftigen Eltern werden künftig erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro zur Finanzierung herangezogen

Foto: Westend61/ Getty Images

Alle Jahre wieder kommt das politische Christkind und verteilt sozialrechtliche Änderungen, die bei Bürgerinnen und Bürgern im Jahr darauf für mehr Geld sorgen. Viel ist für die breite Mehrheit im Jahr 2020 nicht herausgekommen. Aber es gibt immerhin einige Änderungen, auf die Sie sich freuen können.

KRANKENVERSICHERUNG

Am stärksten profitieren die pflichtversicherten Betriebsrentner, die künftig Krankenkassenbeiträge sparen. Bislang mussten Betriebsrentner mit kleinen Renten (bis 155,75 Euro) nichts zahlen. Bei einer höheren Auszahlung mussten sie dagegen gleich auf die volle Betriebsrente Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag berappen.

Das ändert sich ab 2020. Für den Betrag bis zur Grenze müssen künftig keine Krankenkassenbeiträge mehr gezahlt werden. Erst auf die Summe, die die Grenze übersteigt, wird ein Beitrag für die Krankenversicherung fällig. Kommendes Jahr liegt der Freibetrag bei 159,25 Euro. Rund vier Millionen Betriebsrentner werden profitieren.

Beispiel: Bei einer monatlichen Betriebsrente von 210 Euro sparen Sie fast 25 Euro, also knapp 300 Euro im Jahr. Aber: Bei der Pflegeversicherung gilt weiterhin das alte Freigrenzenprinzip .

Außerdem zeichnet sich ab, dass die Krankenkassen die Veränderung organisatorisch nicht so schnell geregelt bekommen, sodass die Einsparungen erst im Laufe des Jahres umgesetzt und dann nachträglich ausgezahlt werden können.

ELTERNUNTERHALT

Kommen wir zur nächsten größeren Entlastung ab 2020: Wer pflegebedürftige Angehörige hat, die selbst mit ihrem Geld nicht auskommen, wird profitieren. Das Sozialamt wird erst ab 100.000 Euro Einkommen einen Beitrag der Kinder zu den Pflegekosten der Eltern verlangen. Bislang mussten Kinder schon bei deutlich niedrigeren Einkommen damit rechnen, vom Amt herangezogen zu werden.

In Einzelfall kann das für Arbeitnehmer mit Einkommen über 50.000 Euro im Jahr bis zu 500 Euro im Monat Einsparungen bedeuten. Neun von zehn Angehörigen werden keinen Elternunterhalt  mehr zahlen müssen.

WOHNGELD

Die dritte Gruppe Bundesbürger, die 2020 mit größeren Summen profitiert, sind Wohngeldempfänger. Einige Hunderttausend Haushalte zusätzlich können bald Wohngeld erhalten, 50 Euro im Monat sind im Schnitt drin, sagt das Bundesbauministerium.

Damit soll für die, die schon jetzt Wohngeldanspruch  haben, der Zuschuss um etwa 30 Prozent steigen. Auch die Zahl der Berechtigten wird mit dem neuen Gesetz deutlich zunehmen. Einziger Haken: Die Anträge sind so umständlich, dass bisher bis zu zwei Drittel der Berechtigten ihre Ansprüche gar nicht wahrnehmen.

KALTE PROGRESSION

Beim Einkommensteuertarif hingegen gibt es nur die inzwischen regelmäßige kleine Entlastung : Damit kleine Lohnerhöhungen nicht von der Steuer aufgezehrt werden, verschiebt der Fiskus die Eckwerte des Steuertarifs jeweils um 1,95 Prozent nach rechts. So soll die sogenannte kalte Progression vermieden werden.

Arbeitnehmer müssen sich auf Lohnerhöhungen verlassen, um tatsächlich mehr Geld in der Kasse zu haben. Immerhin: Die gab es 2019 in vielen Branchen. Sogar bei Arbeitnehmern mit Mindestlohn wird der Lohn um rund 25 Euro im Monat steigen, wenn sie Vollzeit arbeiten. Ihr Mindestlohn steigt von 9,19 Euro auf 9,35 Euro. In einzelnen Branchen ist der Mindestlohn  deutlich höher.

RENTE

Rentnerinnen und Rentner müssen sich noch bis zum Sommer gedulden. Dann sollten die Renten  im Westen um 3,15 Prozent steigen, im Osten sogar um 3,92 Prozent.

GRUNDFREIBETRAG

Die Erhöhung des steuerlichen Grundfreibetrags  um 240 Euro auf 9408 Euro jährlich für Arbeitnehmer, Selbstständige und Rentner führt zu 20 Euro mehr steuerfreiem Einkommen im Monat - wenn man denn genug Einkommen hat, um überhaupt Steuern zu zahlen. Sie wird bei den meisten Steuerzahlern nur zu fünf bis zehn Euro mehr netto im Monat führen.

HARTZ IV

Hartz-IV-Empfänger dürfen sich 2020 über acht Euro mehr im Monat freuen , wenn sie allein leben. Für Kinder und Jugendliche in Bedarfsgemeinschaften gibt es fünf oder sechs Euro mehr im Monat.

VERPFLEGUNGSPAUSCHALE

2020 darf der Arbeitgeber für 24 Stunden außer Haus 28 Euro steuerfreie Pauschale zahlen. Bisher waren es 24 Euro. Bei mehr als acht Stunden sind 14 Euro drin, bisher zwölf Euro. Kommt das Geld nicht vom Arbeitgeber, darf man diese Summen zumindest in der Steuererklärung als Werbungskosten angeben und reduziert so etwas seine Steuerbelastung. Die meisten Menschen können solche Verpflegungspauschalen  allerdings nur unregelmäßig geltend machen.

MITARBEITERWOHNUNGEN

Neu ist ab 2020 ein Bewertungsabschlag für eine Mitarbeiterwohnung. Stellt der Arbeitgeber eine Wohnung verbilligt zur Verfügung, dann bleibt der geldwerte Vorteil steuerfrei , wenn der Arbeitnehmer mindestens zwei Drittel der ortsüblichen Miete und nicht mehr als 25 Euro pro Quadratmeter bezahlt.

BAHNTICKETS

Eisenbahnfahren wird dank einer Mehrwertsteuersenkung billiger. Künftig sollen Ferntickets bei der Deutschen Bahn rund zehn Prozent preiswerter werden. Das Ticket ins Rheinland für die Reise zu meinen Eltern zu Ostern wird mit meiner Bahncard 50 etwa elf Euro weniger kosten, hin und zurück wohlgemerkt. Den korrespondierenden Mehrpreis für die erhöhte Flugticketsteuer ab April 2020 werde ich so oft es geht vermeiden.

Zum Autor
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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

UND 2021?

Die richtig dicken Klopper aus Sicht der Arbeitnehmer kommen eigentlich erst 2021. Dann soll für die große Mehrheit der Steuerzahler der Soli wegfallen und den meisten Arbeitnehmern Hunderte Euro mehr netto  im Portemonnaie bescheren. Hunderttausende Rentner mit kleinen Renten könnten sich 2021 über die Grundrente und deutlich mehr Geld  im Portemonnaie freuen - wenn sie denn kommt. Und das Kindergeld soll noch einmal um 180 Euro im Jahr erhöht werden.

Manche Besserverdienende ohne Lohnerhöhung müssen allerdings wie jedes Jahr sogar damit rechnen, am Ende weniger Geld in der Lohntüte zu haben. Wer 5000 Euro verdient, muss Monat für Monat für 150 Euro mehr Einkommen in die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Wer 7000 Euro brutto verdient, würde zusätzlich noch mal für knapp 200 Euro Einkommen Rentenbeiträge und Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen. Insgesamt erhöhen sich die Zahlungen in die Sozialkasse  für die Besserverdiener um rund 30 Euro im Monat.

Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Hoffentlich sind Sie wenigstens bei einigen der Verbesserungen für 2020 dabei.

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