Hermann-Josef Tenhagen

Mindestlohn, Rente, Steuern 22 Dinge, die 2022 finanziell besser machen

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Alles wird immer teurer? Das stimmt zumindest teilweise. Aber im neuen Jahr gibt es an vielen Stellen auch mehr Geld.
Einkaufsmeile in Berlin: Mehr in der Tasche

Einkaufsmeile in Berlin: Mehr in der Tasche

Foto: Carsten Koall / dpa

Im neuen Jahr ändern sich eine Menge Dinge, die Auswirkungen auf Ihren Geldbeutel haben. Hier finden Sie 22 wichtige Punkte, die sich positiv auf Ihren Kontostand auswirken. Die negativen besprechen wir beim nächsten Mal.

Mehr Geld für viele:

  1. Mehr Mindestlohn I: Sie bekommen mehr Lohn, jedenfalls wenn Sie zu den mehr als sieben Millionen Mindestlohnempfängern im Land gehören. Zum 1. Januar steigt Ihr Lohn von 9,60 Euro auf 9,82 Euro die Stunde. Das muss Ihr Arbeitgeber zahlen.

  2. Mehr Mindestlohn II: Am 1. Juli erhöht sich der Mindestlohn noch einmal, dann auf 10,45 Euro die Stunde. Nur so zum Vergleich: Im Gebäudereiniger-Handwerk steigt der tarifliche Mindestlohn zum 1. Januar schon auf 11,55 Euro.

  1. Mehr Mindestlohn III: Und wenn die Ampelkoalition an ihrem Programm festhält, erhöht sich der Mindestlohn demnächst noch mal mit einem Schlag auf zwölf Euro pro Stunde. Die Grenze für steuer- und sozialversicherungsfreie Minijobs soll parallel von 450 auf 520 Euro steigen , für Midijobs mit geringerer Abgabenbelastung auf 1600 Euro im Monat .

  2. Mehr Nettolohn: Wenn Sie arbeiten, bekommen Sie auch ohne Lohnerhöhung wahrscheinlich netto mehr ausgezahlt. Der Grundfreibetrag, also das Existenzminimum, für das Sie überhaupt keine Steuern zahlen müssen, steigt von 9744 Euro im Jahr auf 9984 Euro. Auch die Einkommensgrenzen für alle anderen Steuersätze steigen im Schnitt um 1,17 Prozent .

  3. In Zukunft mehr Rente: Sie bekommen mehr Rente für Ihre Einzahlungen in die Rentenversicherung. 2021 mussten Sie für einen Rentenpunkt im Westen 41.541 Euro im Jahr verdienen und dafür Beiträge zahlen, 2022 sind es nur 38.901 Euro, sagte mir diese Woche die Deutsche Rentenversicherung Bund. Wenn Sie weiterhin gleich viel verdienen und gleich viel einzahlen, bekommen Sie am Ende einfach mehr Rente. Für einen Rentenpunkt gibt es aktuell 34,19 Euro Rente im Monat.

  4. Weniger Beitrag: Für Gutverdiener im Westen fällt zusätzlich die Gehaltsgrenze, bis zu der sie in die Rentenversicherung einzahlen müssen, von 7100 Euro auf 7050 Euro im Monat. Im Osten müssen Sie 2022 bis zu einem Gehalt von 6750 Euro Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. Bis 2025 sollen sich beide Werte angleichen .

  5. Sofort mehr Rente: Sie bekommen ab Juli viel mehr Rente. Ursprünglich sollten es im Osten nach der Kalkulation der Rentenversicherung fast sechs Prozent mehr sein und im Westen mehr als fünf Prozent. Aber im vergangenen Jahr sind die Renten trotz Corona nicht gekürzt worden. Was die Rentenkasse dabei draufgezahlt hat, soll sie jetzt ausgleichen dürfen. Deshalb werden die Rentenerhöhungen im Sommer nur zwischen vier und fünf Prozent liegen, hat Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigt.

  6. Dazuverdienen: Als Frührentnerin oder -rentner dürfen Sie auch 2022 viel dazuverdienen. Statt 6300 Euro jährlichem Zuverdienst wie vor Corona sind auch 2022 bis zu 46.060 Euro Zuverdienst erlaubt, ohne dass die Rente geschmälert wird. Wenn Sie Ihr reguläres Rentenalter erreicht haben, dürfen Sie ohne Rentenkürzung ohnehin so viel dazuverdienen, wie Sie mögen. Steuern müssen Sie allerdings für den Zuverdienst immer zahlen .

  7. Mehr Altersvorsorge: Sie dürfen mehr von dem Geld, das Sie fürs Alter zur Seite legen, steuerlich geltend machen. Im Jahr 2022 steigt der absetzbare Anteil der Altersvorsorgeaufwendungen auf maximal 24.101 Euro für Alleinstehende; für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner auf bis zu 48.202 Euro. Ab 2023 sollen die gesamten Altersvorsorgeaufwendungen absetzbar sein, das will die Ampelkoalition .

  8. Mehr Lehrlingslohn: Auszubildende bekommen im ersten Jahr nun mindestens 585 Euro. Das hört sich nach nicht viel an für Azubis bei Lidl, denen wurde in Berlin schon 2021 rund tausend Euro im ersten Lehrjahr versprochen, aber bei vielen jungen Friseurinnen und Friseuren sind 585 Euro eine Verbesserung. Im zweiten Lehrjahr muss der Lohn über 700 Euro liegen.

  9. Mehr Sparerfreibetrag: Der Sparerfreibetrag soll um ein Viertel auf 1000 Euro pro Person und Jahr steigen. Für Verheiratete gemeinsam auf das Doppelte. Verteilen Sie Ihren Freibetrag optimal auf Ihre Konten, damit Sie gar nicht erst Steuern für Zinsen und Dividenden zahlen müssen .

  10. Noch Coronabonus: Wer einen Coronabonus bekommt, kann sich den noch bis Ende März steuer- und sozialabgabenfrei auszahlen lassen .

  11. Weiter Homeoffice-Pauschale: Auch die Homeoffice-Pauschale soll 2022 weiter gelten. Sie können also fünf Euro pro Tag für maximal 120 Arbeitstage im Homeoffice 2022 geltend machen. Aber bitte nicht Entfernungspauschale und Homeoffice-Pauschale für die gleichen Arbeitstage ansetzen .

  12. Weniger EEG-Umlage: Die EEG-Umlage zur Finanzierung der Energiewende beim Strom sinkt, und zwar kräftig von 6,5 Cent pro Kilowattstunde Strom auf 3,72 Cent. Das kann für einen großen Haushalt mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch eine Kostenersparnis von 100 Euro im Jahr bedeuten. Im Jahr 2023 soll die EEG-Umlage nach den Plänen der Ampelkoalition für Verbraucher sogar komplett wegfallen. Allerdings haben viele Stromanbieter angekündigt, den Strompreis aus anderen Gründen erhöhen zu wollen .

  13. Mehr Unterhalt: Die Erziehenden von Trennungskindern haben mehr Anspruch auf Unterhalt. Der Unterhalt für die Kleinsten steigt nur minimal: für Kinder zwischen sechs und elf Jahren um vier Euro auf mindestens 455 Euro und für die noch Größeren um fünf Euro auf 533 Euro .

Mehr für einige:

  1. Mehr Kinderzuschlag: Ein bisschen mehr Geld gibt es auch für ärmere Familien mit Kindern. Der Kinderzuschlag zusätzlich zum Kindergeld steigt für sie um vier Euro auf 209 Euro im Monat. Kinderzuschlag bekommen Familien mit niedrigen Einkommen, die noch kein Hartz IV beziehen .

  2. Mehr Wohngeld: Solche ärmeren Haushalte haben häufig auch Anspruch auf Wohngeld. Mehr als 600.000 Haushalte bekommen es schon. Bis zu zwei Drittel der berechtigten Haushalte, also mehr als eine Million Haushalte zusätzlich, nehmen den Anspruch aber nicht wahr. Dabei geht es oft um mehr als hundert Euro im Monat. Zusätzlich zum Wohngeld gibt es für Wohngeldbezieher schon heute einen automatischen Heizkostenzuschuss zwischen 14,40 und 25,80 Euro . Der soll im Sommer kräftig steigen, verkündete das Bundesbauministerium kurz vor Weihnachten. Das ist auch dringend notwendig, denn im Jahr 2022 kommen auf viele Mieterinnen und Mieter deftige Nachzahlungen für das teure Heizjahr 2021 zu.

  1. Mehr Geld beim Umzug: Wenn Sie aus beruflichen Gründen umziehen müssen, können Sie künftig etwas höhere Kosten pauschal geltend machen: 886 Euro statt 870 Euro. Hinzu kommen von der Partnerin oder dem Partner noch einmal 590 Euro. Deutlich verbessert sind die Möglichkeiten für den Nachhilfeunterricht bei Kindern. Bis zu 1881 Euro Nachhilfekosten können Sie 2022 nach einem Umzug mit den entsprechenden Rechnungen geltend machen, 2021 waren es gerade einmal 1160 Euro .

  2. Länger E-Auto-Prämie: Für reine E-Autos und Plug-in-Hybride wollen Staat und Autokonzerne den Käufern auch 2022 hohe Prämien zahlen. Wenn Sie ein neues E-Auto kaufen, können Sie bis zu 9000 Euro an Prämie einstreichen, bei Plug-ins bis zu 6750 Euro . Wichtig sind zwei Dinge: Für teurere Autos gibt es weniger Prämie. Und Ihr Plug-in-Auto muss elektrisch mindestens eine Reichweite von 60 Kilometern haben.

  3. Mehr Pflegezuschuss: Wenn Sie ins Pflegeheim müssen, zahlt die Pflegeversicherung künftig zusätzlich zum Pflegesatz von bis zu 2005 Euro im ersten Jahr fünf Prozent von dem Eigenanteil, den Sie sonst noch selbst für die Pflege zahlen müssen. Der Eigenanteil, zu dem allerdings auch die nicht bezuschusste Miete und Verpflegung gehören, liegt im Schnitt bei mehr als 2100 Euro im Monat. Im zweiten Jahr zahlt die Pflegekasse 25 Prozent vom Eigenanteil für Pflege, 40 Prozent im dritten Jahr und 70 Prozent ab dem vierten Jahr.

  4. Mehr Betriebsrente: Wenn Sie seit Jahren Gehalt zur Seite legen für eine Betriebsrente – umwandeln heißt das im Jargon –, dann muss Ihr Chef ab 2022 etwas drauflegen. Wenn Sie 2400 Euro Gehalt im Jahr umwandeln, mindestens 360 Euro, muss er 15 Prozent dazugeben. Die Firma spart nämlich mit jedem Euro, den Sie in die Betriebsrente packen, fast 20 Prozent Sozialbeiträge, da sind die 15 Prozent Zuschuss nur fair. Vielleicht legt Ihr Chef ja schon bisher mehr drauf, falls aber nicht: die 15 Prozent sind ab jetzt fällig .

  5. Mehr Abschreibung: Sie haben eine kleine Firma und kaufen regelmäßig Computer und andere IT-Technik? Außerdem soll 2022 ein Solardach und eine Wall-Box für die E-Autos der Mitarbeiter installiert werden? Die Kosten sollen Sie nach dem Willen der Ampelkoalition als Superabschreibung gleich mit den Gewinnen der Firma verrechnen dürfen (S.164 des Koalitionsvertrags).

Ach ja, und wenn Sie noch eine schöne Veränderung für Ihren Geldbeutel gefunden haben, die 2022 kommt, hier aber nicht steht und viele Menschen betrifft, dann schreiben Sie mir! Per Mail  ist das einfach. Wenn Sie jedoch Brief oder Postkarte nutzen wollen, achten Sie auf das erhöhte Porto: Für normale Briefe steigt es von 80 auf 85 Cent, für Postkarten von 60 auf 70 Cent. Die Adresse lautet: Finanztip, Tenhagen, Hasenheide 54, 10967 Berlin.

Ihnen einen guten Rutsch in ein besseres Jahr 2022!

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