Ab 2030 EU-Staaten wollen nur noch klimaneutrale Neubauten erlauben

In der Europäischen Union sollen für Wohnhäuser in Zukunft deutlich strengere Klimaschutz-Standards gelten. Darauf haben sich die Mitgliedstaaten geeinigt.
Baustelle in Rendsburg: In Zukunft wirklich klimaneutral?

Baustelle in Rendsburg: In Zukunft wirklich klimaneutral?

Foto: Marcus Brandt / dpa

In der Europäischen Union sollen bis 2050 alle Gebäude klimaneutral sein. Damit das gelingt, sollen nach dem Willen des Rates der Mitgliedstaaten ab 2030 nur noch klimaneutrale Wohnhäuser  gebaut werden dürfen, wie der Rat nach einem Treffen der für Energiefragen zuständigen Minister mitteilte .

Sogenannte Nullemissionsgebäude sind laut EU-Definition Gebäude, die die noch benötigte Energiemenge vollständig aus erneuerbaren Quellen beziehen. Die Energie sollte, falls möglich, am Standort oder im Wohnviertel oder im Rahmen von Energiegemeinschaften erzeugt werden. Ausnahmen bei den Auflagen soll es nur in Sonderfällen geben dürfen – so zum Beispiel für historische Gebäude, Kirchen oder Gebäude, die für Verteidigungszwecke genutzt werden.

Für bereits existierende Häuser und Wohnungen sollen zudem Mindestnormen für die Energieeffizienz gesetzt werden. Auf viele Eigentümer könnten deswegen mittelfristig aufwendige Sanierungen zukommen.

Die Einigung der Energieminister wird nun Basis für Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament sein. Eine endgültige Entscheidung über die geplante Verschärfung von Vorgaben für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden muss am Ende von beiden Institutionen getroffen werden.

Nach Angaben der Kommission sind Gebäude für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der Treibhausgase in der EU verantwortlich. Die neuen Vorgaben sollen deswegen auch ein wichtiger Baustein zur Erfüllung der Klimaziele sein.

Abstriche bei der Verbindlichkeit

Grundlage der Beratungen im Ministerrat waren sehr weitreichende Vorschläge der EU-Kommission. Nach ihnen sollten besonders schlecht gedämmte Gebäude eigentlich bis 2030 modernisiert werden müssen. Dieser Empfehlung folgten die Vertreter der Mitgliedstaaten aber nun nicht.

Sie einigten sich stattdessen darauf, dass für bestehende Wohngebäude die Mindestvorgaben für die Gesamtenergieeffizienz auf der Grundlage eines »nationalen Pfads« festgelegt werden sollten. Um die Fortschritte der Mitgliedstaaten festzuhalten, soll es lediglich 2033 und 2040 zwei Kontrollpunkte geben.

Ebenfalls abgeschwächt wurden gegenüber dem Kommissionsvorschlag Vorgaben für Gebäude in öffentlicher Hand. So sollen neue öffentliche Gebäude erst ab 2028 und nicht bereits ab 2027 emissionsfrei sein.

Fördergelder in Deutschland stark nachgefragt

In Deutschland wiederum ist die Nachfrage nach Förderung für energiesparende Neubauten riesig. Vor dem Auslaufen der derzeitigen staatlichen Förderung sind gut zwei Drittel der Mittel abgerufen worden. Seit Ende April sind mehr als 1100 Anträge mit einem Volumen von rund 340 Millionen Euro bewilligt worden, wie das Bundeswirtschaftsministerium dem »Handelsblatt« mitteilte.

»Die Förderung wird am Markt gut angenommen«, sagte eine Ministeriumssprecherin. Das gesamte Volumen des Programms der staatlichen Förderbank KfW beträgt 500 Millionen Euro. Für die restlichen 160 Millionen können demnach noch bis Jahresende Anträge gestellt werden.

Anfang des Jahres hatte das Bundeswirtschaftsministerium wegen einer Antragsflut KfW-Zuschüsse für energieeffizientes Bauen und Sanieren kurz vor Ende der Antragsfrist vorzeitig gestoppt . Im April wurde das Programm fortgesetzt – aber nur Stunden nach dem Start gab es einen erneuten Antragsstopp, da die staatlichen Gelder in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschöpft waren.

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Im Anschluss wurde die aktuelle Stufe der Förderung mit höheren Vorgaben aufgelegt. Seitdem gibt es nur noch Mittel für Neubauten, die den Effizienzhausstandard 40 und ein Qualitätssiegel für nachhaltiges Bauen nachweisen. So bedeutet EH40, dass ein Gebäude nur 40 Prozent der Energie verbraucht, die ein Standardhaus benötigt.

Von Januar an soll es unter der Führung des Bundesbauministeriums ein neues Förderprogramm für Neubauten geben. Ein Teil der Förderung soll sich speziell an Familien mit kleinen und mittleren Einkommen richten.

apr/dpa
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