Kosten für Autofahrer ADAC rügt Ölkonzerne für hohe Spritpreise

»Benzin ist derzeit sehr deutlich zu teuer«: Der ADAC hat die Preisgestaltung an deutschen Tankstellen kritisiert. Dollarkurs und Rohölpreis rechtfertigten die Zustände an den Zapfsäulen keineswegs.
Tankstelle in Deutschland (Symbolbild)

Tankstelle in Deutschland (Symbolbild)

Foto: Rene Traut / IMAGO

Trotz Tankrabatt und zuletzt einem leichten Preisrückgang bleiben die Kosten an den Zapfsäulen für die Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland ein erhebliches Ärgernis und eine finanzielle Belastung. Auch der ADAC rügt die nach wie vor hohen Spritpreise hierzulande. »Gemessen am Rohölpreis und Dollarkurs ist Benzin derzeit sehr deutlich zu teuer«, sagte ein ADAC-Sprecher der »Bild«-Zeitung .

Die Entkopplung der Kraftstoffpreise vom Rohölpreis habe in der ersten Märzhälfte 2022 begonnen, also kurz nach der Invasion Russlands in die Ukraine. »Damals stiegen die Preise an den Tankstellen viel stärker als der Ölpreis der Sorte Brent«, sagte er.

Davon profitieren laut ADAC vor allem die Mineralölkonzerne – sie haben ihre Margen »mehr als verfünffacht«, bilanzierte der Sprecher. Um die Preise zu drücken, seien »preissensible« Verbraucher gefragt, die durch ihr Tankverhalten das Marktgeschehen beeinflussen.

Generell stehen die Ölkonzerne derzeit massiv in der Kritik. Als die Preise für Sprit nach Einführung des Tankrabatts nicht sinken wollten, gerieten schnell die Ölkonzerne in Verdacht, die Differenz eingesteckt zu haben. Eine Studie widerlegte diesen Vorwurf allerdings zuletzt.

Rabatt größtenteils weitergegeben

Der seit 1. Juni geltende Tankrabatt wurde einer Untersuchung zufolge entgegen ersten Befürchtungen im Wesentlichen an die Autofahrer weitergegeben. »Der Vergleich mit den Kraftstoffpreisen zwischen Frankreich und Deutschland vor und nach Einführung des Tankrabatts zeigt, dass dieser bisher im Wesentlichen an die Verbraucher weitergegeben worden ist«, heißt es im Benzinpreisspiegel des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Die Spritpreise bleiben allerdings vergleichsweise hoch – trotz Tankrabatt. Ein Beratergremium der Bundesregierung sieht auf dem Ölmarkt grundsätzliche Wettbewerbsprobleme. Schon vor der Energiekrise und der Einführung des Tankrabatts seien diese deutlich gewesen, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Jürgen Kühling im Juli. Je mehr Algorithmen benutzt würden, desto mehr steige der Preis.

Wirtschaftsminister Robert Habeck will dem Kartellamt auch deshalb schärfere Eingriffsmöglichkeiten geben. Wettbewerbshüter sollen neben schlagkräftigeren Sektoruntersuchungen auch Gewinne abschöpfen können, wenn Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen. Als letztes Mittel sollen Entflechtungen möglich sein.

jok/dpa
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