Kaufen, Halten, Dividende kassieren Diese Aktien könnten den Turnaround schaffen

Apple, BMW, Burberry: An den Börsen geraten große Konzerne unter Druck. Doch einige könnten die Wende schaffen. Hier sind acht Tipps - für Anleger mit Geduld.

Ladengeschäft von Burberry
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Ladengeschäft von Burberry

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Selten haben Anleger so einen turbulenten Start wie in diesem Jahr erlebt.

Ängste vor einem weltweiten Abschwung, ausgelöst durch eine schwächere Konjunktur in China, drückten den Dax 24 Prozent ins Minus und bescherten dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer den zweitschlechtesten Jahresstart bisher.

Bis zum Frühsommer hat der Dax zwar einen Großteil seiner Verluste wieder wettgemacht, doch der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU und eine drohende Zinserhöhung in den USA sorgen für Unsicherheit an den Börsen.

Zuletzt stürzten auch große bekannte Unternehmen, die seit Jahrzehnten erfolgreich sind, massiv an der Börse ab. Wegen der schwächeren Nachfrage in China verloren europäische Konsumgüterhersteller wie Hugo Boss Chart zeigen, Swatch Chart zeigen und Burberry innerhalb eines Jahres bis zu einem Drittel ihres Werts, Anleger warfen wegen des Abgasskandals massenhaft Autoaktien aus ihren Depots und Papiere von Banken stürzten ins Bodenlose - sie kämpfen mit dem Niedrigzinsumfeld und den steigenden Regulierungsanforderungen.

Doch jetzt sehen Investoren bei einigen dieser Unternehmen große Chancen. Denn wenn diese angeschlagenen Firmen auch nur ansatzweise das wieder aufholen, was sie in den vergangenen Monaten verloren haben, dann wäre eine fantastische Rendite für Neueinsteiger drin. Experten setzen auf den sogenannten Turnaround-Effekt. Sie glauben, dass die Unternehmen, entgegen der Erwartungen, die Wende schaffen. "Tatsächlich lassen sich in solchen schwachen Börsenphasen eine Reihe interessanter Aktien finden", sagt Hendrik Leber, Chef der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis.

Einzelwerte nur für risikofreudige, fortgeschrittene Anleger

Wir haben für Anleger acht Werte herausgefiltert, die sich jetzt für den Einstieg lohnen könnten. Sie alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch den Kursverfall derzeit äußerst günstig zu haben sind; über ein bewährtes und einfach zu verstehendes Geschäftsmodell und eine starke Marke verfügen; unabhängig vom Auf und Ab an der Börse üppige Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten.

Die acht Turnaround-Aktien im Überblick

Name Land ISIN-Nummer Kursentw. ein Jahr KGV* Dividenden-rendite*
Burberry Großbritannien GB0031743007 -33,7% 19,0 2,8
Continental Deutschland DE0005439004 -6,8% 12,6 2,2
Apple USA US0378331005 -23,0% 10,9 2,0
BMW Deutschland DE0005190037 -14,8% 7,7 4,4
L’Oreal Frankreich FR0000120321 +1,3% 25,9 2,0
Swatch Schweiz CH0012255151 -17,4% 14,0 2,6
Novartis Schweiz CH0012005267 -17,0% 16,8 3,5
Wirecard Deutschland DE0007472060 +7,0% 23,9 0,5

*Dividendenrendite und Kurs-Gewinn-Verhältnis geschätzt für 2016
Stand: 31. Mai 2016
Quelle: Reuters


Vor allem die günstigen Bewertungen machen diese Titel derzeit interessant. Anleger sollten nicht direkt loskaufen, sondern erst mal einen Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) werfen. Die Zahl setzt den Gewinn je Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs. Ein KGV von zehn bedeutet, dass ein Anleger (bei gleichbleibenden Gewinnen) zehn Jahre warten muss, um sein eingesetztes Kapital zurückzuerhalten - den Einsatz also zu verdoppeln. Je kleiner die Zahl, desto besser. Die acht von uns ausgewählten Aktien liegen dabei deutlich unter ihrem jeweiligen historischen Durchschnitt (siehe Tabelle).

Doch Anleger müssen unbedingt Zeit mitbringen. "Es dauert in der Regel, bis unterbewertete Aktien vom breiten Markt entdeckt werden und sich gut entwickeln, oft fallen sie erstmal weiter", sagt Acatis-Chef Leber. Anleger können also nur Geld investieren, das sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht benötigen.

Doch das Warten dürfte mit der Ausschüttung von Dividenden belohnt werden. Mit den acht Turnaround-Unternehmen erzielen Anleger im Schnitt 2,5 Prozent Zinsertrag pro Jahr - ganz unabhängig davon, wie die Kurse stehen. Und das in Zeiten, in denen Banken auf Sparguthaben keine Zinsen mehr zahlen.

Klar ist aber auch, dass Einzelwerte sich nur für risikofreudige, fortgeschrittene Anleger eignen. Anleger, die bisher nicht in Aktien investiert haben, sollten zunächst mithilfe von Indexfonds, auch ETFs (Exchange Traded Funds) genannt, breit in den Markt investieren und ihr Geld über mehrere Hunderte Firmen streuen. Einzelaktien eignen sich wegen ihres hohen Risikos nur als Ergänzung. Beim sogenannten Stock-Picking sollten Anleger ihr Geld über mindestens zehn bis 15 Aktien verteilen.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
günterjoachim 08.06.2016
1. Wichtig!
Finger weg wenn Profis Kaufempfehlungen abgeben. Nur bei miesester Börsenstimmung kaufen. Die empfohlenen Titel sind derzeit viel zu teuer. Einfach mal die Kurse vor fünf Jahren ansehen.
jockel37 08.06.2016
2. wichtig!
Ich kann Günterjoachim nur zustimmen, vorsicht bei diesen Tipps. Nur ein Blick auf KGV reicht nicht aus, die Werte haben sich nach einer sehr guten bis übertrieben Phase eher auf einen realistischeren Kurs konsolidiert. Besonders Apple und Conti haben noch deutlich Luft nach unten (Markterwartung, Innovation).
schwaebischehausfrau 08.06.2016
3. Wenn's so einfach wäre..:-)
Der Autor schreibt: "Ein KGV von zehn bedeutet, dass ein Anleger zehn Jahre warten muss, um sein eingesetztes Kapital zurückzuerhalten - den Einsatz also zu verdoppeln" und suggeriert damit ein wenig, dass dies eine ziemlich risikolose Gesetzmässigkeit wäre. Tja, wenn's so einfach wäre. Ein KGV von 10 sagt erstmal nur, dass der Aktienkurs aktuell 10 x so hoch ist wie der ERWARTETE GEWINN des Unternehmens pro Aktie. Das kann aber in 2 Wochen schon ganz anders aussehen und dann kann der Anleger "lange warten" bis er sein eingesetztes Kapital zurückerhält - im worst case bis zum Sanktnimmerleinstag. Klar, kann man Burberry-Aktien heute 34% "billiger" kaufen als vor 1 Jahr. Aber die Aktie ist immer noch mehr als 400 Prozent teurer als beim Tiefstand beim letzten Crash 2009. Und das ein KGV von fast 26 "günstig" ist für eine Firma wie L'Oreal ist eine sehr ambitionierte Einschätzung.
richardheinen 08.06.2016
4.
Gut, dass ich von Aktien keine Ahnung habe, und nur nach Würfeln, nicht nach Tipps diverser Gurus kaufen würde. Die im genannten Turnaroundkandidaten scheinen wohl am Beitrag mitgeschrieben zu haben.
Clausman 08.06.2016
5.
Das sollen turnaround stories sein? Apple, BMW und Novartis? Selten so gelacht! Ich habe noch eine bessere Anlagestrategie: "Buy low, sell high"
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