Young-Money-Blog Das sollten Sie wissen, bevor Sie sich einen Aktienfonds aufschwatzen lassen

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Auch Menschen mit wenig Geld können mit Aktien vernünftige Renditen erzielen. Mehrfach habe ich im Young-Money-Blog erklärt, wie junge Anleger in sogenannte ETFs, also passiv verwaltete Indexfonds, investieren können (zum Beispiel hier und hier).

Weil die Kurse an den Börsen der Welt auf lange Sicht steigen, gilt diese Strategie als vergleichsweise sicher - und günstig. Schließlich braucht ein ETF anders als herkömmliche Fonds keinen teuren Manager, der sich um die Aktienauswahl kümmert. Denn ein ETF bildet einfach stumpf per Computerprogramm einen Index nach - zum Beispiel den deutschen Leitindex Dax. Steigt also der Dax um zehn Prozent, legt auch der Indexfonds um zehn Prozent zu. Verliert der Dax dagegen zehn Prozent, ist der Indexfonds ebenfalls mit zehn Prozent im Minus.

Doch wer in diesen Tagen zu einer Bank geht, wird trotzdem herkömmliche Aktienfonds angeboten bekommen. Kürzlich traf einer meiner Freunde sogar auf einen Bankberater, der ihm entschieden von ETFs abriet.

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    Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Die Erzählung des Beraters ging in etwa so: Weil die Aktienkurse seit Jahren fast ununterbrochen überall auf der Welt steigen, hätten es selbst die besten Fondsmanager schwer, computergestützte ETFs zu übertreffen. Die wahre Kunst des aktiven Fondsmanagements werde erst dann sichtbar, wenn die Kurse fallen. Und wegen Handelskrieg, Brexit und Co werde schon bald die Zeit kommen, in der sich die menschlichen Fondsstrategen beweisen könnten.

In solchen Abschwungphasen könnten sie nämlich Anleger vor Verlusten schützen, in dem sie gezielt die besten Aktien kaufen und schlechtere verkaufen. Anleger, die auf simple ETFs setzten, würden dagegen auf die Nase fallen, weil sie die Ausschläge der Börse nach unten voll mitnähmen.

Doch das stimmt nicht.

Zahlen der amerikanischen Rating-Agentur Standard & Poor's können diese Behauptung widerlegen: In dem schwierigen Börsenjahr 2018, als etwa der deutsche Leitindex Dax ein Fünftel seines Werts verlor, blieben in den meisten Fondskategorien 80 Prozent der Manager hinter Indexfonds zurück. Die höheren Kosten der Fonds sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet (dazu später mehr).

Wie sehr Anleger auf das Argument des angeblichen Schutzes vor Verlusten anspringen, zeigt der Fall des Vaters eines Freundes von mir. Er setzte auf den Mischfonds Carmignac Patrimoine, der es tatsächlich geschafft hatte, die schwerste Zeit der Finanzkrise von Herbst 2008 bis März 2009 gut zu überstehen. In Anlegerblättchen wurde der Fonds dafür jahrelang gefeiert. Doch der Vater meines Freundes hatte nicht viel davon: Er stieg erst nach der Finanzkrise ein, seitdem hat der Fonds trotz der jahrelangen Börsenrallye weniger als drei Prozent Durchschnittsrendite pro Jahr erzielt. Er gehört damit zu den schlechtesten Mischfonds der vergangenen Dekade.

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Das Beispiel zeigt: Selbst wenn es einem Manager gelingt, Verluste in einem Börsencrash zu begrenzen, profitiert der Anleger davon auf lange Sicht nicht zwingend. Das vermeintliche Risikomanagement der Bankfondsprodukte kann sogar dazu führen, dass Anleger auf Dauer deutlich niedrigere Renditen einfahren, als wenn sie einfach auf breitgestreute ETFs setzen und alle Ausschläge nach oben wie unten voll mitnehmen.

Denn für Privatanleger kommt es auf die langfristige Wertenwicklung an. Trotz mehrerer Wirtschaftscrashs hat der Weltaktienindex MSCI World in den vergangenen 43 Jahren eine Rendite von knapp 9 Prozent pro Jahr erzielt. Doch das ist nur der Durchschnittswert - wer also langfristig von solch hohen Erträgen profitieren möchte, muss bereit sein, auch ein zwischenzeitliches Minus von mehr als 25 Prozent zu akzeptieren.

Die Fonds, auf die die meisten Deutschen setzen, performen aber nicht nur schlecht, sie sind auch noch unverschämt teuer. Das Analysehaus Morningstar hat für den Young-Money-Blog zusammengetragen, wo die Fondsgesellschaften beim Anleger abkassieren.

Zunächst müssen Anleger beim Kauf eines klassischen Fonds oftmals einen Ausgabeaufschlag zwischen drei und fünf Prozent berappen. Das ist eine einmalige Gebühr, die beim Erwerb sofort anfällt. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro gehen also sofort zwischen 300 und 500 Euro an die Bank. Geld, das die Fondsmanager durch ihre Anlagen erst einmal wieder reinholen müssen.

Hinzu kommen Verwaltungsgebühren, Handelskosten für den Kauf und Verkauf von Aktien durch den Fondsmanager und erfolgsabhängige Gebühren. Morningstar fasst auf dieser Basis die Gesamtkosten pro Jahr (siehe Tabelle) zusammen.

Ein Blick auf die Fonds, in die die Deutschen das meiste Geld investiert haben, zeigt: Neben dem einmaligen Ausgabeaufschlag kommen auf Anleger jährliche Gesamtkosten zwischen 2 und 5 Prozent zu. ETFs kosten dagegen nur einen Bruchteil davon (in der Tabelle gefettet).

So teuer sind die Lieblingsfonds der Deutschen

Fonds/ETF Fondsvermögen¹ Ausgabeaufschlag² Gesamtkosten³ ISIN
iShares Core S&P 500 ETF 30,20 0,13 IE00B5BMR087
Van­guard S&P 500 ETF 20,60 0,08 IE00B3XXRP09
Privat­Fonds: Kontro­lliert 19,20 5,00 2,59 DE000A0RPAM5
DWS Top Divi­dende 17,70 5,00 1,52 DE0009848119
iShares Core MSCI World ETF 16,20 0,21 IE00B4L5Y983
Allianz In­come and Growth 12,70 5,00 1,77 LU0820561818
FvS SICAV Mul­tiple Opportunities 12,70 5,00 2,34 LU0323578657
Carmignac Patri­moine 10,60 4,00 2,05 FR0010135103
Carmi­gnac Sécurité 8,40 1,00 0,91 FR0010149120
DWS Ver­mögens­bildung­sfonds I 8,20 5,00 1,50 DE0008476524
iShares JP Morgan USD EM Bond ETF 7,70 0,48 IE00B2NPKV68
Uni­Euro­Renta 7,60 3,00 0,75 DE0008491069
iShares JPMorgan EM Lcl Govt Bd ETF 7,60 0,61 IE00B5M4WH52
JPM Global Income 7,50 5,00 1,62 LU0395794307
Deka-Dividenden­Strate­gie 7,20 3,75 DE000DK2CDS0
PIMCO GIS Income 7,10 5,00 1,52 IE00B8K7V925
iShares EURO STOXX 50 ETF 6,50 0,11 DE0005933956
Uni­Global 6,40 5,00 1,65 DE0008491051
Fidelity Euro­pean Growth 6,10 5,25 1,92 LU0048578792
Templeton Growth 6,00 5,75 1,92 LU0114760746

¹in Milliarden Euro, ² einmalig in Prozent, ³ pro Jahr, in Prozent
Quelle: Morningstar; Stand: 31.08.2019

Der "PrivatFonds: Kontrolliert" von Union Investment, dem Fondshaus der Volks- und Raiffeisenbanken, verschlingt zum Beispiel pro Jahr 2,59 Prozent laufende Gebühren. Der Mischfonds zählt zum Standardrepertoire der Kundenberater, Anleger haben mehr als 19 Milliarden Euro in ihn investiert. Das dürfte die Bank freuen: Sie nimmt mit dem Fonds allein durch die laufenden Gebühren etwa 500 Millionen Euro ein. Pro Jahr.

Ähnlich viel Geld dürfte die Deka mit ihren Fonds einnehmen, die vor allem Sparkassenkunden angeboten werden. Die Gesamtkosten der Deka-Fonds tauchen in der Morningstar-Auswertung aber nicht auf. Der Grund: Noch immer übermittelt die Fondsgesellschaft keine Daten zu den Transaktionskosten an das Analysehaus.

Besonders ärgerlich wird es für Anleger, wenn Manager extreme und riskante Wetten eingehen, um die hohen Fondskosten zu kompensieren. Das zeigt der Fall des Mischfonds "M&W Privat". Viele Anlageberater haben den Fonds jahrelang empfohlen, weil er während der Finanzkrise eine positive Rendite herausholte. Zwischenzeitlich flossen in das Produkt fast eine halbe Milliarde Euro an Kundengeldern.

Nach der Finanzkrise spekulierten die Fondsmanager auf den Untergang des Euro und setzten auf Gold und Goldminenaktien. Im Jahr 2016 schien die Strategie aufzugehen: Aufgrund des steigenden Goldpreises erzielte der Fonds eine enorme Rendite in Höhe von fast 30 Prozent.

Doch blickt man heute auf die Kursentwicklung, muss man konstatieren, dass Anleger von diesem kurzfristigen Erfolg auf Dauer nichts hatten: Weil der Fonds in den anderen Jahren des vergangenen Jahrzehnts so miserabel abschnitt, kommt er auf Zehnjahressicht auf eine kümmerliche Rendite von nur 0,06 Prozent pro Jahr.

Wenn jemand also ein paar Jahre lang Erfolg mit aggressiven Wetten hatte, dann heißt das überhaupt nichts für die Zukunft. Anleger sollten daraus lernen - und lieber auf ETFs setzen.



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Seite 1
capote 05.10.2019
1.
Wenn es so einfach ist, an der Börse Geld zu verdienen, frage ich mich, warum die beiden grossen Geschäftsbanken Deutschlands seit Jahren nur Verluste machen.
OberstSL 05.10.2019
2. Ich auch
Ich habe auch inzwischen ETF`s. Ich mache den Fehler und gucke jeden Tag auf mein "Erspartes". Letztes Jahr um diese Zeit war ich 10% im Minus. Da zuckt es schon in den Fingern. Aber ich verkaufe nicht und lasse es einfach liegen. Zudem zahle ich jeden Monat ein über die DKB. Im Moment läuft also alles flüssig.
freigeistiger 05.10.2019
3. unvollständige Beratung
Wertpapiere, etwa Indexfonds, sind langfristige Anlagen. In jungen Jahren sind die Lebenslinien noch sehr variabel. Ich vermisse in den SPON-Kolumnen Tipps, etwa für Berufsanfänger, wie sie einen Grundstock ansparen können der auch kurzfristig verlustfrei verfügbar ist, etwa für Anschaffungen.
hkw 05.10.2019
4.
Zitat von capoteWenn es so einfach ist, an der Börse Geld zu verdienen, frage ich mich, warum die beiden grossen Geschäftsbanken Deutschlands seit Jahren nur Verluste machen.
...weil diese Banken einen veralteten Geschäftskonzept folgen.
Antisozi100 05.10.2019
5. Von Fachwissen nicht behindert
Der Autor schildert in seinem Artikel die Grundlagen und Mechanismen der unterschiedlichen Anlageinstrumente korrekt. Allerdings macht er den Fehler, die gesetzlichen Regelungen des Wertpapierhandelsgesetzes und die selbstverständlichsten Aufgaben eines Anlageberaters außen vor zu lassen. Er betrachtet lediglich die Rendite eines Fonds und bewertet Fonds nach diesem Kriterium. Aber wo ein höherer Zins, da auch ein höheres Risiko. Und daher gilt es immer, zunächst einmal die Risikobereitschaft und das Risikokapital des Anlegers zu ermitteln. Und dann kann es sein, dass für bestimmte Kunden auch Fonds richtig sein können, die in Boomjahren nicht die Spitzenrenditen erzielen, aber eben in der Krise auch das Risiko nach unten begrenzen. Und zum Thema ETF: wer kann sich noch erinnern, wie der DAX 2008 binnen Stunden und Tagen tausende Punkte verloren hat. Klar, wenn ich danach die Zeit und die Nerven zum aussitzen habe, hat aber nicht jeder (siehe Risikobereitschaft). Schade dass sich gerade bei Finanzthemen immer wieder Leute produzieren, die entweder von umfänglichem Fachwissen unbehindert sind oder vielleicht auch Eigeninteressen verfolgen.
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