SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. März 2018, 15:57 Uhr

Young-Money-Blog

Diese Aktienfonds machen kein schlechtes Gewissen

Von

Auch Menschen mit wenig Geld können mit Aktien vernünftige Renditen erzielen. Mehrfach habe ich im Young-Money-Blog erklärt, wie junge Anleger in sogenannte ETFs, also passiv verwaltete Indexfonds, investieren können (zum Beispiel hier und hier).

Weil die Kurse an den Börsen der Welt auf lange Sicht steigen, gilt diese Strategie als relativ sicher - und günstig. Schließlich braucht ein ETF anders als herkömmliche Fonds keinen teuren Manager, der sich um die Aktienauswahl kümmert.

Als guten Einstieg und Basisanlage für einen langen Zeitraum habe ich etwa immer wieder ETFs auf den Index MSCI World empfohlen, der rund 1600 Unternehmen aus 23 Ländern umfasst und damit fast die gesamte Weltwirtschaft abdeckt.

Der Riesenindex hat aber einen Nachteil: Er enthält auch Waffenunternehmen, Klimasünder oder Firmen, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln oder im Verdacht stehen, von Kinderarbeit zu profitieren. Viele meiner Bekannten wollen auf dieser Basis keine Aktien kaufen.

Inzwischen gibt es auch unzählige Wege, Geld ethisch-ökologisch anzulegen. Aber es ist extrem schwierig, im Gewirr der Produkte den Durchblick zu behalten. Denn es gibt keine einheitlichen Kriterien, was nachhaltig überhaupt bedeutet. Jeder Fonds legt unterschiedliche Maßstäbe an. Manche Fonds meiden etwa Aktien von Firmen der Rüstungs-, der Atom- oder der Ölbranche. Andere Spezialfonds investieren gezielt in Branchen wie erneuerbare Energien, das kann aber sehr riskant sein, etwa wenn die Branche in eine Krise gerät. Andere Fonds wiederum investieren in Unternehmen, die sich in ihrer umstrittenen Branche besonders hervortun, der sogenannte Best-in-Class-Ansatz.

Besonders streng gehen einige aktiv gemanagte Fonds vor, die von einem Fondsmanager gesteuert werden. Die Zeitschrift "Finanztest", die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird, hat jüngst in einer großangelegten Untersuchung unter 300 Fonds diejenigen herausgefiltert, die nicht in folgende Arten von Unternehmen investieren:

Einige dieser Fonds haben sogar noch weitere Ausschlusskriterien hinzugefügt.

Was die Rendite angeht, sind diese Fonds mit herkömmlichen ETFs vergleichbar. Allerdings sind die Risiken etwas höher, weil sie weniger breit investieren als herkömmliche - da sie ja einige Branchen ausschließen. Hinzu kommt: Sie haben oftmals deutlich höhere Kosten als ETFs.

Der Clou beim passiven Investieren mit ETFs ist ja gerade "den ganzen Markt zu kaufen", also eine sehr breite Auswahl an Unternehmen. Unzählige Studien haben bewiesen, dass Anleger auf Dauer besser fahren, wenn sie ganze Indizes kaufen, als auf Fondsmanager zu vertrauen, die gezielt Aktien auswählen. Und auch die Auswahl ethisch-ökologischer Aktien ist ja eine aktive Entscheidung, die für Rendite und Risiko von Nachteil sein kann. Es scheint, als müsse sich der Sparer entscheiden zwischen mittelprächtigen Renditen und einem schlechten Gewissen.

Doch ganz so schlimm es ist nicht. Im Bereich der ETFs ist das Angebot an nachhaltigen Produkten zwar karg, es gibt jedoch zumindest einige Wenige, die sich als Alternative zum MSCI World eignen.

Da wäre etwa der der UBS MSCI World Socially Responsible ETF. Er schließt etwa Waffen und Rüstung, Atomkraft, Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Agrargentechnik aus. Auch Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen sind auf der Tabuliste. Der Index enthält rund 400 Aktien aus 23 Ländern. Er ist also relativ breit gestreut, und mit ihm bekommen Anleger zumindest ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit. In Deutschland bietet derzeit aber nur der S-Broker der Sparkassen als einziger Online-Broker diesen ETF als Sparplan an. Bei allen anderen eignet er sich daher nur, wenn man eine bestimmte Summe auf einen Schlag investieren möchte.

Eingeschränkt empfehlenswert ist der Dow Jones Global Sustainability Screened ETF. Der zugrunde liegende Index schließt zwar Geschäfte mit Waffen, Rüstung und Atomkraft aus, aber der Verstoß gegen Menschen- und Arbeitsrechte steht nicht auf der Ausschlussliste. Insgesamt sind in diesem ETF mehr als 500 Unternehmen aus 34 Ländern enthalten.

Die vergleichsweise noch junge ETF-Branche hat also noch deutliches Verbesserungspotenzial. Es gibt noch zu wenige solcher Fonds am Markt, die beim Thema Nachhaltigkeit wirklich überzeugen.

Ich würde aber davon abraten, deshalb gar keine Aktien zu kaufen und das Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch liegen zu lassen, denn dann nutzt eben die Bank das Geld für ihre Geschäfte. Dann doch lieber selbst entscheiden, was mit dem Geld passiert und die höhere Rendite einfahren. Und mit dem Gewinn kann man ja auch etwas Gutes tun, zum Beispiel einen Teil spenden oder für nachhaltige Produkte ausgeben.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung