Ein Cent Aldi verlangt künftig auch für dünne Plastiktüten Geld

Die großen, klassischen Plastiktüten sind inzwischen deutlich weniger geworden - dafür steigt der Verbrauch der dünnen Beutel stark an. Die will Aldi laut einem Zeitungsbericht nun nicht mehr kostenlos anbieten.

Obst- und Gemüseabteilung in Essener Aldi-Filiale: Einkauf in vielen dünnen Tütchen nach Hause tragen - das kostet künftig
DPA

Obst- und Gemüseabteilung in Essener Aldi-Filiale: Einkauf in vielen dünnen Tütchen nach Hause tragen - das kostet künftig


Verbraucher sollen bei Aldi in Zukunft auch für dünne Plastiktüten Geld bezahlen. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd sollen die Beutel für Obst und Gemüse einen symbolischen Preis von einem Cent erhalten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die Discounterketten wollen die Maßnahme demnach an diesem Dienstag offiziell bekanntgeben.

Damit reagiert Aldi offenbar auf die in jüngster Zeit lauter gewordene Kritik an dem vielen Müll, der beim Einkauf in den Geschäften entsteht - vor allem aus Plastik.

Dass sich das Verhalten der Verbraucher durch ein Ende der kostenlose Abgabe ändert, zeigt sich an der Entwicklung bei den großen Plastiktüten. Seit für diese von fast allen Händlern ein Preis verlangt wird, ist der Verbrauch deutlich gesunken - von noch rund 45 Tüten pro Jahr und Einwohner im Jahr 2016 auf nur noch 24 Tüten im vergangenen Jahr.

Möglicherweise sind einige Verbraucher jedoch auch für den Transport nach Hause auf die weiterhin kostenlosen dünnen Beutel umgestiegen. Deren Pro-Kopf-Verbrauch ist nach der Einführung der Preise für die großen Tüten nämlich gestiegen, von 36 im Jahr 2016 auf 39 im Jahr 2017.

Mit der Bepreisung der dünnen Plastikbeutel mag Aldi in Deutschland Vorreiter sein - in Italien gilt eine allgemein geltende entsprechende Regelung allerdings bereits seit Anfang 2018. Seitdem kosten die Tüten dort ein bis drei Cent, und der Verbrauch ist deutlich zurückgegangen.

Aldi will der "SZ" zufolge die dünnen Tütchen ab diesem Sommer aus Zuckerrohrresten fertigen lassen und so den Verbrauch von Erdöl reduzieren. Die Supermarktkette Real wählt statt der Bepreisung der Beutelchen einen anderen Weg: Sie will sie komplett abschaffen und die Tütchen für Obst und Gemüse künftig aus Papier herstellen lassen.

fdi

insgesamt 175 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kamillo 11.06.2019
1.
Diese Tüten zum einpacken von lose in Körben ruliegendem Obst und Gemüse zum Selberabwiegen ist doch nur die Spitze des Eisberges. Wenn man sich ansieht, wie aufwändig in Plastik verpackt viele andere Waren und Lebensmittel schon die Fabriken verlassen, ist das doch garnix. Vor allem bei diesen Verpackungen muss ein Umdenken statt finden. Und wenn die Supermärkte diese Obstgemüsetüten durch Papiertüten ersetzen würden, das wäre doch auch mal was.
112211 11.06.2019
2. Konsequent??
Der Cent für ein Tütchen könnte ein erster Schritt sein, konsequent ist er dennoch nicht. Gleichzeitig sind gefühlte 98 % der angebotenen Waren verpackt, und davon ein Anteil von gefühlten 65 % Plastik. Wo bleibt da die Konsequenz? Wurst, Käse, Fleisch, Gummibärchen .... alles komplett in Plastik, selten mal ein Feigenblatt-Pappkarton. Dagegen sind die dünnen Tütchen geradezu umweltfreundlich. Zumal sie auch ermöglichen, dass Obst und Gemüse nur in der tatsächlich gebrauchten Menge gekauft werden. Das Umdenken muss auch bei Aldi neu überdacht werden. Allein mit den Dünntütchen klappt es dann doch nicht.
aberhalloja 11.06.2019
3. 99 cent zu billig, aber ein Anfang
den richtigen Weg in meinen Augen wählt der Mitbewerber mit Papier. sich wird auch irgendein Umweltaktivist dagegen etwas ein zu wenden haben, dennoch ist es sicher besser als einweg Kunststoff.
thommy2130 11.06.2019
4. Alternativen müssen her
Wie soll man loses Obst und Gemüse transportieren ? Für alles mögliche Transportboxen dabei zu haben ist für den Verbraucher nicht praktikabel. Ich benutze seit Jahren Klappboxen zum Einkaufen. Jedoch greife ich bei Gemüse auf die dünnen Plastkbeutel zurück. Es gibt bereits Plastik welches voll wiederverwertbar ist. Muß man mal nach Holland schauen. Da gibt es so etwas. Hierzulande scheitert der Einsatz dieser Plastiksorten an der deutschen Verpackungsordnung. Ich nenne das schützen von Besitzständen.
Tandor 11.06.2019
5. Falscher Ansatz
Schon komisch das Aldi jetzt bei den Gemüsebeuteln Vorreiter sein will. Gleichzeitig aber diejenigen sind, die bei Backwaren auf Einweghandschuh bestehen. Zangen oder Schieber wie bei anderen Händlern gibt es dort nicht, sondern man muss Einweg Handschuhe benutzen (zumindest bei Aldi Nord). Dabei wäre es in dem Punkt doch viel einfacher Plastikmüll zu vermeiden. Der Gemüsebeuteln kann zu Hause wenigstens noch eine Mülltüte ersetzen. Der Einweg Handschuh ist oft nach einem entnommenen Brötchen nur noch Müll.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.