Signal an die Branche Aldi erhöht zahlreiche Preise

Mal geht es um zehn Cent nach oben, mal um einen ganzen Euro: Hunderte Produkte des Discounters Aldi werden teurer. Andere Händler dürften nachziehen.
Kassiererin in einer Aldi-Filiale in Düsseldorf

Kassiererin in einer Aldi-Filiale in Düsseldorf

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Die Preise im deutschen Lebensmittelhandel geraten zunehmend in Bewegung. Aldi erhöhe zurzeit die Preise auf breiter Front und gebe damit die Preisanhebungen der Hersteller infolge der Coronakrise und des Ukrainekrieges an die Kunden weiter, berichtete das Branchenfachblatt »Lebensmittel Zeitung«. Insgesamt sind nach Recherchen des Fachblatts rund 400 Artikel betroffen. Eine derartige Preiserhöhungswelle habe es seit Jahren nicht mehr gegeben.

Die Preissprünge fallen dem Bericht zufolge unterschiedlich aus. Mal gehe es um zehn Cent, andere Artikel wiederum würden gleich um einen Euro teurer. Besonders auffällig seien die Preissprünge bei Kaffee. Doch seien auch diverse Drogerieartikel, Backwaren, Waschmittel, salzige Snacks und Tiefkühlprodukte teurer geworden.

Aldi bestätigte die Preiserhöhungen grundsätzlich. »Dort, wo sich die Kosten im Einkauf durch die derzeitige Marktsituation verändern, müssen auch wir die Verkaufspreise erhöhen«, sagte ein Unternehmenssprecher im Namen von Aldi Nord und Aldi Süd.

Der Schritt des Discounters ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil sich erfahrungsgemäß viele Händler an den Preisen von Aldi orientieren. Laut »Lebensmittelzeitung« hat Lidl bereits »nachgezogen«. Von dem Aldi-Wettbewerber war zunächst keine Stellungnahme zu möglichen Preiserhöhungen zu erhalten.

Der Aldi-Sprecher sagte, die Marktlage sei bereits seit Monaten geprägt von anhaltenden Herausforderungen wie der Omikron-Welle, dem internationalen Mangel an Lkw-Fahrern und den gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe. Durch den Ukrainekrieg habe sich die Situation noch einmal verschärft. Dies führe bei vielen Produkten zu steigenden Einkaufspreisen. Zum Discounter-Modell gehöre es, dass Aldi die Verkaufspreise reduziere, wenn die Einkaufspreise sinken und die Verkaufspreise erhöhe, wenn die Einkaufspreise steigen. »Wir möchten darauf verweisen, dass sich unsere Margen durch diesen Schritt nicht verändern.«

Zahlreiche Branchen hatten den Handel zuletzt aufgefordert, die Preise zu erhöhen, unter anderem wegen der hohen Energie- und Rohstoffkosten und gestiegener Logistikaufwendungen. Am Donnerstag verlangte etwa die kartoffelverarbeitende Industrie eine »Neukalkulation« vom Handel. Neben den exorbitant hohen Energiepreisen treffe die Branche auch der Preisanstieg aufgrund der Engpässe wichtiger Agrarrohstoffe wie Sonnenblumen- und Rapsöl, klagte der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hatte zuvor bereits gewarnt, dass die Ukrainekrise und der seit Dienstag geltende russische Ausfuhrstopp für Weizen, Roggen und Gerste die Getreidepreise noch oben treibe. Sorgen bereiten den Bäckern außerdem die steigenden Energiekosten. Es sei absehbar, dass die Bäckereien die höheren Preise an die Kunden weitergeben müssten. Auch die Fleischindustrie klagte über die explodierenden Kosten und will von Edeka, Rewe, Aldi und Co. mehr Geld für ihre Produkte.

Die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke lagen im Februar nach Angaben des Statistischen Bundesamtes allerdings bereits um 5,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.

dab/dpa/AFP