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Gitarren: Wertvolle Stücke

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Alte Gitarren als Wertanlage "Solange Marke und Baujahr stimmen, wird der letzte Schrott gekauft"

400.000 Euro für eine Les Paul sind Sammler bereit zu zahlen, sagt Gitarrenhändler Lutz Heidlindemann. Und wenn ein Star ein Instrument gespielt hat, steigert das dessen Wert. Gilt das auch für Dieter Bohlens alte Axt?

SPIEGEL ONLINE: Herr Heidlindemann, eignen sich Gitarren als Wertanlage?

Heidlindemann: Wenn Sie eine neue Gitarre bei mir kaufen, verliert die erst mal an Wert. Anders sieht es bei alten Gitarren aus. Hier entwickeln sich die Preise seit Jahren nur in eine Richtung: nach oben.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie mit "alt"?

Heidlindemann: Baujahr 1972 ist die Grenze.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Heidlindemann: Anfang der Siebzigerjahre änderten große US-Gitarrenbauer wie Fender und Gibson ihre Strategie. Sie produzierten plötzlich lieber Masse als Klasse. Die Verarbeitung der Instrumente war nicht mehr so akkurat. Auch beim Holz wurde gespart. 1972 waren die Vorräte an alten Holzbeständen aufgebraucht. Das Angebot an guten Gitarren ist daher sehr übersichtlich, und ich sage voraus: Alles, was bis zum Jahr 1972 auf den Markt kam, wird im Wert weiter steigen.

SPIEGEL ONLINE: Von welchen Preisen reden wir heute?

Heidlindemann: Eine Les Paul von Gibson aus dem Jahr 1958 in absolutem Spitzenzustand kostet 400.000 Dollar. Wurde sie stark bespielt, sind etwa 100.000 Dollar drin. Gute Instrumente von Gretsch oder Rickenbacker aus den Sechzigern kosten noch fünfstellige Beträge.

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Gitarren: Wertvolle Stücke

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SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch Günstigeres im Angebot?

Heidlindemann: Gewiss, aber die Zeiten, in denen man billig an abgeschrammelte Gitarren herankam, sind vorbei. Der Markt spielt wie verrückt. Solange Marke und Baujahr stimmen, wird noch der letzte Schrott gekauft.

SPIEGEL ONLINE: Besteht die Gefahr, einer Fälschung aufzusitzen?

Heidlindemann: Als Laie: Ja. Ein Experte erkennt sofort, ob eine Gitarre aus Originalteilen besteht.

SPIEGEL ONLINE: Gerade mit E-Gitarren wurde ja nicht immer pfleglich umgegangen. Gehört es nicht auch zur Geschichte eines Instruments, dass es immer wieder repariert und in Teilen ersetzt wurde?

Heidlindemann: Natürlich. Aber wenn eine Gitarre total verbastelt wurde, kann ich versuchen, den alten Zustand wiederherzustellen. Aber es muss natürlich genau dokumentiert werden, welche Teile ersetzt wurden.

SPIEGEL ONLINE: Steigert es den Wert einer Gitarre, wenn sie mal einem berühmten Musiker gehört hat?

Heidlindemann: Ich habe gerade eine Ibanez von Dieter Bohlen im Angebot: Da bin ich mal gespannt. Wenn es sich um Künstler wie Joe Bonamassa, Slash oder Eric Clapton handelt, steigert das den Wert erheblich. Bis irgendwann eine Generation kommt, die sagt: Clapton, wer ist das denn?

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit Gitarren von deutschen Herstellern wie Framus oder Höfner?

Heidlindemann: Das sind tolle Instrumente, aber bislang keine sehr attraktiven Wertanlagen, weil sie weltweit weniger nachgefragt werden als US-Marken.

SPIEGEL ONLINE: Ist es für den Werterhalt nötig, eine Gitarre regelmäßig zu spielen?

Heidlindemann: Es gibt Musiker, die das behaupten, aber ich halte das für übertrieben. Bewahren Sie Ihre Gitarre im Koffer auf, dort hat sie ein gutes Mikroklima und kann in Ruhe altern.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie die Gefahr, dass die Gitarre wegen des Trends zur elektronischen Musik irgendwann ausstirbt?

Heidlindemann: In den Achtzigerjahren gab es durch Synthiepop mal eine Bewegung weg von der Gitarre. Aber davon sehe ich heute nichts, im Gegenteil. Die Gitarre ist so beliebt wie niemals zuvor.