Hermann-Josef Tenhagen

Teure Verträge Warum Sie Ihre Riester-Rente nicht kündigen sollten

Riester-Verträge sind oft teuer und nicht immer optimal für die Altersvorsorge. Trotzdem sollten Kunden ihre Policen nicht voreilig kündigen. Es gibt bessere Wege, das Problem anzugehen.
Älteres Paar

Älteres Paar

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Wer der Versicherungsbranche zuhört, der kann leicht das Fürchten bekommen. Vergangene Woche etwa präsentierte der Verband GDV eine Umfrage zur sogenannten Generation Mitte. Diese 30-bis 59-Jährigen, das kam dabei unter anderem raus, seien unsicher über ihre Altersvorsorge und glaubten, sie täten zu wenig.

Das stimmt sicher beides. Ohne zusätzliche Anstrengungen jenseits der gesetzlichen Rente lässt sich der Lebensstandard im Alter nicht halten. Und zur Verunsicherung gibt es auch ganz aktuell wieder gute Gründe. Denn große Versicherer signalisieren, dass sie ihre Millionen Riester-Kunden nicht mehr haben wollen.

Trotzdem: Lassen Sie sich nicht verunsichern!

In diesem Herbst geht es erst mal nicht um den Abschluss neuer Verträge, sondern um den richtigen Umgang mit denen, die Sie bereits haben. Und eine Kündigung ist da immer das letzte Mittel der Wahl bei einer Altersvorsorge.

Das gilt ganz besonders für Riester-Verträge. Klar, eine Menge dieser Verträge sind nicht toll. Viele Versicherer, aber auch manche Fondsgesellschaften und Banken haben viel zu hohe Kosten von der privaten Rente abgezogen. Und das gleich mehrfach: Das sind einmal die laufenden Kosten für Verwaltung, Konto oder Fondsausgabe-Aufschläge. Dazu kommt ein gewaltiger Batzen gleich zu Anfang des Vertrages. Da wurde nämlich zunächst der Vertrieb belohnt: Vier Prozent von den geplanten Einzahlungen waren dafür der übliche Satz. Wer also mit 25 Jahren mit 100 Euro im Monat bei einer Versicherung zu riestern begann, hat in den ersten Jahren schnell um die 2000 Euro für diese Provision bezahlt.

Das Geld, das dort verraucht ist, bekommen Sie nicht zurück. Konkret heißt das, dass Ihr Guthaben zum Start über mehrere Jahre erstmal ins Minus rutscht. Wer deshalb aber enttäuscht kündigt und sich das verbliebene Kapital auszahlen lässt, verliert nicht nur die Provision, sondern auch noch die Zulagen und Steuervorteile aus den vergangenen Jahren.

Also gilt es, nüchtern abzuwägen: Welchen Vertrag habe ich? Was macht der Anbieter mit meinem Geld? Welche Alternativen habe ich?

Schlucken Sie Ihren Ärger runter - und bleiben Sie dabei

Eine klassische Riester-Rentenversicherung aus dem Jahr 2007 kann im heutigen Niedrigzinsumfeld ein sinnvoller Baustein zur Altersvorsorge sein; immerhin garantieren diese Verträge dauerhaft eine Verzinsung von 2,25 Prozent pro Jahr auf das Ersparte. Und die guten Zinsen können die hohe Kostenbelastung möglicherweise wettmachen. Schlucken Sie hier Ihren Ärger eher runter - und bleiben Sie dabei.

Wem allerdings beim Vergleich von eingezahlten Beiträgen und Vertragsstand die Tränen kommen, kann eine Hintertür nutzen, die der Gesetzgeber aufgemacht hat: Stellen Sie Ihren Vertrag einfach beitragsfrei ; zahlen Sie also nicht weiter ein. Dann haben Sie eine Geld-zurück-Garantie: Die Anbieter müssen bei ihren Kunden nämlich dafür sorgen, dass sich spätestens zu Rentenbeginn die gesamten Einzahlungen und zusätzlich die staatliche Förderung auf dem Riester-Konto wiederfinden. Lassen Sie den Anbieter also Ihr bisheriges Konto erst mal wieder auffüllen!

Für die Zeit bis zur Rente können Sie sich ab jetzt noch einen besseren Vertrag suchen, der aus ihrem Ersparten die maximale Rente macht. Allerdings sollte der neue Vertrag dann besonders kostengünstig sein.

Eine andere Möglichkeit: Sie sind optimistisch, dass etwa ein Riester-Fondssparplan  mit Aktien bis zur Rente deutlich mehr bringt als der alte Vertrag. Dann können Sie das angesparte Kapital auch gleich auf den neuen Vertrag übertragen. Allerdings garantiert der neue Anbieter dann auch nur das Guthaben, das Sie mitbringen. Hier sollten Sie am besten noch 20 Jahre bis zur Rente haben, damit die Chance auf eine gute Aktienrendite tatsächlich gut ist.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Auch wenn Sie eigentlich mit Ihrem Riester-Vertrag zufrieden sind, sollten Sie sich stets zum Jahresende ein paar Gedanken darüber machen. Ist nämlich das Gehalt im vergangenen Jahr gestiegen, so reicht der alte Abbuchungsbetrag Ihrer Versicherung oder Bank womöglich nicht mehr aus, um noch die volle Förderung zu erhalten. Dann ist es sinnvoll, zum Jahresende den fehlenden Betrag noch einzuzahlen. Wie viel Euro für die volle Förderung fehlen, sagt Ihnen ihr Riester-Anbieter.

Sparer, die noch mehr fürs Alter zurücklegen wollen, können die Mindestbeiträge bei dieser Gelegenheit auch aufstocken. Bis zu 160 Euro im Monat fördert der Staat, solange Sie keine Kinder im Vertrag haben.

Eine kleine Riesterrente sorgt dafür, dass Sie mehr Geld im Alter haben

Und was ist mit der Kritik an Riester? Hier hat die große Koalition in diesem Sommer immerhin einen Kardinalfehler in der Altersvorsorgepolitik beseitigt. Kleine Riesterrenten werden künftig nicht mehr mit der sozialen Grundrente verrechnet. Das bedeutet: Künftig sorgt eine kleine Riesterrente tatsächlich dafür, dass Sie effektiv mehr Geld im Alter haben. Haben Sie zeitlebens wenig verdient und steuern deshalb mit Ihrer gesetzlichen Altersvorsorge auf Grundrentenniveau (also 800 Euro) zu, haben Sie mit einer geförderten Rente im Ruhestand in jedem Fall zusätzlich Geld in der Tasche .

Diese ganzen Ratschläge gelten übrigens auch für die Kunden von Generali, Ergo oder die ehemaligen Kunden der Arag, die sich um ihre Verträge sorgen machen, weil die verkauft werden sollen. Je älter der Vertrag, je höher die Garantiezusage, desto vernünftiger ist es jedenfalls, vorläufig an dem Vertrag festzuhalten.

Und wenn Sie jetzt all Ihre Verträge gut sortiert und durchgearbeitet haben, dann warten wir gemeinsam mal ab, was denn die neue Bundesregierung uns Wählern für die Altersvorsorge noch anbieten wird. Damit können wir uns aber auch im kommenden Jahr beschäftigen. Denn die Förderung für dieses Jahr haben wir ja noch erfolgreich mitgenommen.

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